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Logbücher des Lebens:
"Sprechende" Grabsteine auf Föhr:

Alte Steine erzählen die Geschichten, vom Wind schief gestellt und vom Wetter geschliffen, einige von Moos bewachsen, und fast alle mit einem Anker, einem Herz und einem Kreuz verziert, den Symbolen der christlichen Seefahrt. 

Zuerst waren es fliesenähnliche Sandsteinplatten, mit einer Bohrung, in der ein Holzstab oder Walknochen Halt fanden, um die Platte in schräger Lage aufstellen zu können. Dann kamen die größeren "Bremer Steine" auf, die man aus den Steinbrüchen bei Bremen (in den meisten Fällen als Rohlinge) nach Föhr holte. Erst nach 1700, als mit dem Wahlfang (wie man annimmt) ein gewisser Wohlstand auf die Insel kam, wurden aufrechtstehende Grabsteine Brauch. Oft konnten die Hinterbliebenen eines Verstorbenen erst Jahre nach der Bestattung den Stein setzen lassen, wenn sie finanziell dazu in der Lage waren (wobei man auch mal einen älteren Stein abschleifen und mit einer neuen Inschrift versehen ließ). 

Auf dem Friedhof des Dorfes Süderende, im Westen der Insel, neben dem Backsteinturm der Pfarrkirche „Sankt Laurentii“, sprechen die Steine. Zum Beispiel über Früd Faltings, geboren am 23. Dezember 1783, der 1811 Ingke Olufs zur Frau nahm, die ihm drei Kinder gebahr. 23 Jahre lang führte er ein Schiff aus Kopenhagen und brachte seine Familie zu Wohlstand. So steht es in schwarzen Buchstaben auf weißem Grund, und wer wissen möchte, warum Föhr die Insel der Kapitäne ist, sollte verweilen und weiterlesen.

Typische Grabsteine auf dem Friedhof in Süderende

Die Bildersprache der Reliefs
Die bildliche Darstellung und das Rahmenwerk auf einem Grabstein dienten nicht nur der Zierde. Sie geben im Stil des Barock und Rokoko (nach Kupferstich-Vorlagen aus der Zeit) symbolhaft Auskunft über Lebensauffassung, Beruf, Rang und Familie des Toten. Wir sehen Engel, Sinnbilder der Gerechtigkeit, des Glücks, die Zeichen von Glaube, Liebe und Hoffnung' stolze Schiffe, Mühlen und oft den Familienbaum. Die Tulpen darin bedeuten männliche, die sternförmigen Blumen weibliche Famitienmitglieder. Geknickte Blüten zeigen, daß die Betreffenden vor dem Bestatteten gestorben waren.

 

Inschriften:  Sie erzählen in eindrucksvoll verdichteter Sprache von ergreifend schlichten oder schweren Schicksalen. Und wir erkennen: Was in einem (auch sehr langen) Menschenleben wesentlich ist, läßt sich tatsächlich auf einer ca. 160 x 70 cm großen Steintafel aufschreiben! Am Anfang steht oft ein Leitspruch oder ein Bibelvers. Erfolge eines Verschiedenen werden genau aufgezählt. Der nicht so Glückliche wird wenigstens ob seiner Ehrbarkeit gelobt. Und immer bat man um den Segen Gottes fur den dahingegangenen, in kunstvoll gestalteten Abktürzungen, siehe wie folgt:

J.S.G.G.S. = Ihren Seelen Gott gnädig sei
D.S.G.G.S. = Deren Seelen Gott gnädig sei
I.S.S.G.G. = Ihrer Seele sei Gott gnädig
D.S.G.G.I. = Deren Seelen Gott gnädig ist
G.S.S.S.G. = Gott sei seiner Seele gnädig.

Auf den Friedhöfen von Süderende und Nieblum wimmelt es vor nautischen Symbolen. Kreuz, Herz und Anker versinnbildlichen die Trias von Glaube, Liebe und Hoffnung. Wale sind prustend in die Stelen gemeißelt, stattliche Schiffe ziehen ihre Bahn durch steinerne Wellen. Meist wird die Lebenszeit bis auf den Tag ausgerechnet, das Schicksal von Kindern und Kindeskindern ebenfalls ausführlich gewürdigt. Ganze Logbücher des Lebens sind so in den Stein gehauen. Die hiesigen Bildhauer waren freilich einfache Handwerker. Oft fingen sie oben mit großzügigen Lettern an und mussten wegen Platzproblemen die Buchstaben von Zeile zu Zeile kleiner schlagen. Ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts waren die goldenen Zeiten Föhrs vorbei. Um der Armut zu entgehen, wanderten nun ganze Dorfgemeinschaften nach Amerika aus. Für die verbliebenen, weniger wohlhabenden Insulaner mussten nun ein schlichter Feldkopfstein oder bescheiden gestaltete Sandsteinfliesen mit den Initialen und dem Sterbedatum genügen. Aus dem Eiland der Abenteurer war bescheidenes Agrarland geworden. Noch heute ist Föhr mit seinem properen Hauptstädtchen Wyk und dem guten Dutzend adretter Dörfer darum die "grüne Insel".

 

Neben den nautischen Sinnbildern beeindrucken die Grabsteine von Föhr auch mit floralen Symbolen, die das Schicksal der Familien auf den ersten Blick offen legen. Auf vielen Grabmalen erkennt man links den Vater und seine Söhne, meist durch blaue Glockenblumen dargestellt, rechts die Mutter und ihre Töchter, versinnbildlicht durch rote Sternblumen. Die Eltern sind durch die oberste große Blüte dargestellt, der Nachwuchs, als wortwörtliche Sprösslinge, weiter unten. Auf den ersten Blick weiß man durch die Zahl der gebrochenen unteren Stängel, wie viele Kinder starben, bevor die Eltern bestattet wurden. Der jüngste der nach alter Tradition gestalteten Grabsteine auf dem Friedhof von Süderende stammt aus dem Jahr 1989 und ist einem Geschwisterpaar aus Oldsum gewidmet, das bei einem Verkehrsunfall auf der Autobahn ums Leben kam. Ein zeitgenössisches Schicksal, eingemeißelt nach uralter Art auf die Rückseite einer Renaissance-Stele. Nicht jede Föhrer Ehe war übrigens "vergnügt", wie es auf dem Grabstein von Rickmer Arfsten und seiner Frau Mattje heißt, und nicht jeder ist neben seiner wahren Liebe in die Erde gelegt. Oluf Braren etwa ist mit seiner Frau Meete bestattet, die der Schullehrer verließ, um mit seiner ehemaligen Schülerin Ingk Peter Matzen zusammenzuleben. Der illegitime Sohn des Paares starb schon als Kleinkind an einer schweren Behinderung. Oluf Braren hat die Geliebte und das Kind mit dem Wasserkopf in einem anrührenden Ölbild verewigt. Als Maler wurde er erst lange nach seinem Tod bekannt, auch hier holte ihn das Unglück noch ein, denn fast alle Bilder verbrannten bei einer Ausstellung. Matz Peters, der später den weltläufigeren Namen Matthias Petersen annahm, war dagegen schon zu Lebzeiten so berühmt, dass sein Grabstein in Latein gemeißelt wurde. 373 Wale hatte er gefangen. Doch auch der erfolgreiche Kapitän musste Bitteres erleben. Drei Söhne verlor er bei Zusammenstößen mit Piraten. Wie ein Zuspruch mutet darum die Botschaft an, die seinen Stein beschließt: "Tod kann es nicht genannt werden, sondern ein neues Leben. 

St. Laurentii in Süderende

"Nun bin ich in dem Hafen meiner irdischen Vollendung angelangt", suchte sich der einstige Kapitän als Leitspruch für sein Grabmal aus. Unter diesem gottergebenen Motto findet sich das abgetakelte Schiff des Seefahrers in Stein gehauen. Das achtern festgemachte Beiboot soll der Seele des Verstorbenen dabei dienen, vom Diesseits ins Jenseits zu wechseln. Auch den Himmel erreicht ein erfahrener Nautiker auf maritimem Gerät. Näheres zum Leben des Schiffsführers folgt in weiteren Lettern: "Neben diesem Monument liegen die irdischen Theile der beyden Eheleute des Commandeurs Matz Jungrördenund dessen Frau Elen Matzen, geb. Lorenzen aus Oldsum, die vom 4 Nov. 1787 an, in einer mit zwei Kindern, einem Sohn und einer Tochter, gesegneten Eheverbindung 26 Jahre und 310 Tage gelebt haben." Der Grabstein, von oben bis unten beschrieben, teilt ferner mit, dass Matz nach kurzer Krankheit 1814 mit 55 Jahren starb und nur einen Enkel erlebt hatte, während seine Frau Elen, bevor sie "nach langjähriger Schwachheit" 1820 in genau gleichem Alter wie der Gatte verschied, "5 Jahre und 159 Tage" den Witwenstand zu ertragen hatte, dabei aber immerhin noch vier Enkel groß werden sah. Die Grabstelle der beiden Eheleute findet sich auf dem Friedhof von St. Laurentii im Westen der Nordseeinsel Föhr. Nicht allen Seeleuten war es vergönnt, den letzten Atemzug auf ihrer Heimatinsel zu tun. Manche starben an fernen Gestaden, manche fanden auf See ein Grab. Wenn sie nicht im Wochenbett starben, überlebten die Frauen ihre Männer oft um Jahrzehnte. Elen Flohr, die auf dem prunkvollsten aller Föhrer Grabsteine verewigt ist, war mehr als ein halbes Jahrhundert Witwe und bekleidete sogar das hoch angesehene Amt einer Juratin. Eben noch war der grasüberwucherte Gottesacker in gleißendes Sonnenlicht getaucht, jetzt liegen die Steine im Schatten. Regen weht mit einer Windböe heran. Die Luft riecht nach Salz. Hinter dem Deich wogt die Nordsee in exzentrischen Tönen von Giftgrün, Quecksilber und Anthrazit.

Grabstätte des Matthias Petersen (Matz Peters)

Der weit über die Grenzen Föhrs hinaus bekannteste Grabstein ist wohl der des Matthias Petersen oder auch genannt des "Glücklichen Matthias". Übersetzt steht auf seinem Stein:


Matthias Petersen geb: in Oldsum den 24 Dec: 1632, gest: den 16.Sept: 1706,

Er war in der Schiffahrt nach Grönland sehr kundig, wo er mit unglaublichem Erfolg 373 Wale gefangen hat, sodaß er von da an mit Zustimmung aller den Namen “Der Glückliche” annahm; und dessen Frau Inge Matthiessen geb: den 7 Oct: 1641 gest: den 5 April 1727 Ruhig im Tode ist der, welcher weiß, daß er aus dem Tode wiedererstehen wird; Tod kann das nicht genannt werden, sondern ein neues Leben.

Matthias Petersen, der eigentlich Matz Peters hieß, galt als der erfolgreichste Walfänger von Westerland-Föhr. Die Grabplatte aus hellem Sandstein, die aufrecht in einen modernen Zernentfuß gestellt wurde, erzählt uns, daß der Commandeur im Laufe seines Lebens durch unglaubliches Glück 373 Wale fing, was ihm den Beinamen “Der Glückliche” (Felicis) einbrachte. Dieses Fangergebnis war nur möglich, weil M. Petersen als Commandeur noch an der sog. “Baienfischerei”, die gegen 1660 abrupt zu Ende ging, beteiligt war. Die Walfänger stießen damals in den Buchten (Baien) auf ungeheure Mengen von Walen, so daß sie die für eine erfolgreiche Reise erforderliche Anzahl von Tieren in kurzer Zeit in den Buchten erlegten. Die Beutetiere konnten danach direkt an Land geflenst (abgespeckt) werden. Vor Ort wurde der Speck in riesigen Kupferpfannen ausgelassen, und so konnte der zu Beleuchtungszwecken begehrte Tran gewonnen werden. Nach wenigen Jahrzehnten Raubfang waren die Baien leergefischt. Nun begann die See- oder Eisfischerei, die weitaus mühevoller, gefährlicher und ertragsärmer war. Man suchte den Wal fortan im offenen Wasser und jagte den bis zu 18 Meter langen Giganten von kleinen Schalupen aus. Das Flensen der harpunierten Wale geschah nun längsseits des Schiffes an der Backbordseite (links). Der Speck wurde in Stücke geschnitten, in Fässer gepackt und erst später in zahlreichen Tranbrennereien, die wegen des entsetzlichen Gestankes weit außerhalb der Heimathäfen lagen, ausgelassen.

Der Glückliche Matthias erreichte sein legendäres Fangergebnis auch durch die lange Fahrenszeit als Commandeur. Dem Zwanzigjährigen vertraute man bereits die Führung eines Walfangschiffes an. 50 Jahre lang fuhr er als Commandeur. Verbunden mit diesen Erfolgen wurde er auch ein vermögender Mann. Während der letzten Lebensjahre verließ ihn das Glück. Er wurde 1702 während des spanischen Erbfolgekrieges von einem französischen Kaperschiff aufgebracht und konnte sich und die Mannschaft nur durch die Zahlung von 8.000 Reichstalern (nach heutiger Kaufkraft ca. 300.000 Euro) freikaufen. Dies war seine letzte Fahrt. 1701 wurde sein ältester Sohn Matz, ebenfalls Commandeur, von einem franz. Kaper aufgebracht, nach St. Malo geführt und blieb seitdem verschollen. 1702 fielen seine beiden Söhne Ock und John im Gefecht mit einem franz. Piraten. Im Gotteshaus von St. Laurentii erinnern der 1. und 3. der Kronleuchter aus Messing an den “Glücklichen Matthias”. Gemeinsam mit seinem Bruder stiftete er sie 1677 seiner Gemeinde. Matthias Petersen, der um die Wichtigkeit einer guten Ausbildung wußte, ließ seine Kinder von einem Privatlehrer unterrichten. So konnte sein Sohn Clement studieren. Er wurde Prediger in Schwesing. Wahrscheinlich hat er den lateinischen Text auf der Grabplatte seines Vaters verfaßt. Ein anderer Sohn, Peter Mattiessen, besuchte die Lateinschule in Husum, studierte in Jena und wurde Landvogt von Osterlandföhr, Gerichtsvogt von Wyk und gleichzeitig Landvogt von Sylt. Dessen Sohn, ein Enkel des “Glücklichen Matthias”, auch ein Peter Mattiessen, wurde ebenfalls Landvogt von Osterlandföhr, dazu Birkvogt von Westerlandföhr und Amrum. Durch Struensee, einen Studienfreund, wurde P.M. 1771 zum Bürgermeister von Kopenhagen berufen. Nach der Ermordung Struensees wurde er Direktor des dänischen “Handels- und Fischereiinstituts” in Altona. Von hier aus vermittelte er viele Föhrer Seefahrer, vor ‘allem auch Kapitäne, an den “Grönlandhandel”. Nach seinem Tode im Jahre 1706 wurde mit dem “Glücklichen Matthias” recht unrühmlich umgegangen. Als nämlich seine Erben nach 14 Jahren noch immer nicht die versprochenen 100 Reichstaler für sein Begräbnis in der Kirche vor dem Altar bezahlt hatten, wurde er kurzerhand auf den Friedhof umgebettet – was freilich auch kein schlechter Platz ist.

 

 

 

Grabstein der Eheleute Ocke Hinrich Flor
und Thur Flor geb. Rickmers

Ein frisch bemalter Grabstein, der sehr häufig für Reiseführer fotografiert wird. Das frisch renoviertes Grabzeichen für den Kapitän und Kommodore (Ehrentitel für dienstälteste Kapitäne) Ocke Hinrich Flor. 1827-1852 führte er mehrere Schiffe für eine Hamburger Reederei.

Wir haben hier keine bleibende Stätte, sondern die zukünftige suchen wir.

Dieses Grab umschließt die irdische Hülle der beiden Eheleute Ocke Hinrich Flor und Thur Flor geb. Rickmers aus Oldsum, welche 1818 den 23 Jan. zur vereinten irdischen Wallfahrt den Bund der Ehe schloßen. Beide sind geboren in Oldsum, er 1794 den 21 August, und sie 1791 den 4 Juli. In früher Jugend trat er den wechselvollen Beruf eines Seefahrers an und von der milden Hand der Vorsehung mit Glück gesegnet führte er seit 1824 als Capitain nach einander mehrere Schiffe, meistens von Hamburg nach Newjork. Nachdem er sich 1852 in seine Geburtsheimath zurückgezogen hatte, verwandte er die letzte Zeit und Kraft seines Lebens darauf, das Wohl seiner Familie und in dem ihm aufgetragenen Amte eines Schulpatrons das Beste der Gemeine zu fördern, bis ihn der Herr des Lebens nach einem schweren letzten Leiden 1856 den 6 Mai durch den Tod zur ewigen Ruhe einberief, da er 61 Jahre 8 Monate 15 Tage hienieden gelebt hatte. Thur Flor, die treue Gattinn, die sorgsame Hausfrau, die lieben Mutter, entschlief nach langem Leiden 1852 den 2 Februar in einem Alter von 60 Jahren 6 Monaten 29 Tagen. Die hinterlassenen Kinder, ein Sohn und 2 Töchter setzen ihren Eltern dieses Denkmal, und ihnen, wie den Schwiegerkindern und Enkeln bleibet ihr Andenken im Segen.

 

 

Grabstein der Friederika Knudsen geb. Braren

Hark und Friederika Ketels waren nur gut ein Jahr verheiratet, als dieser starb. Nach seinem frühen Tod bewohnte sie das Haus Süderende 36 zunächst allein. Ihr Vater, Früd Braren, der auf der anderen Straßenseite wohnte, hatte das Haus erworben und für die Heirat seiner ältesten Tochter ausgebaut. Im August 1832 - zwei Jahre nach Harks Tod - heiratete Friederika Ketels in zweiter Ehe den Kapitän Friedrich Knudsen aus Utersum. Er ließ sie in Antwerpen farbig in einem goldenen Medaillon anfertigen für seine Braut, die 23-jährige Witwe Friederika Ketels. Friederika Knudsen war offenbar reiselustig. Zwei ihrer Enkel erzählen davon in ihren Lebenserinnerungen. Für eine Frau von dieser abgelegenen Insel war das auf jeden Fall ungewöhnlich. Sie reiste zum Beispiel mit ihrem Mann nach England. Öfter besuchte sie ihn in Hamburg oder Antwerpen, wenn sein Schiff ihm keine Zeit ließ, nach Föhr zu kommen. Scherzhaft erzählte er von ihr, das Interessanteste für sie sei immer das Kaspertheater auf der Straße gewesen. Solches Treffen konnte bei der Unsicherheit des damaligen Verkehrs und der Nachrichten Verhältnisse missglücken. Einmal ist es passiert, dass die Eheleute beinahe aneinander vorbeigefahren wären. Der Vater hatte in einem Brief, schon von Rio aus, seine Frau gebeten, sie möchte ihn dann und dann in Antwerpen erwarten. Aber die Sachlage änderte sich. Es folgte ein zweiter Brief mit der Nachricht, das Schiff müsse doch ins Dock, er würde nach Hause kommen. Solche zweite Nachricht bedeutete natürlich für die ganze Familie eine viel größere Freude; aber dieser Brief ist nie angekommen. Er ging verloren. Nun reiste der Vater nach Norden, die Mutter nach dem Süden. Von Hamburg nach Antwerpen benutzte man damals ein Segelschiff. Aber ehe die Postkutsche in Hamburg war, will es der Zufall, dass die beiden Postwagen, der von Hamburg und der von Leck kommende, zu gleicher Stunde in den Posthof zu Rendsburg einfahren. Der Vater blickt gerade aus dem Fenster und wen sieht er? Seine Frau in ihrer friesischen Tracht, die eben dem anderen Postwagen entsteigt. Es dauert nicht lange, da liegen sich die beiden in den Armen und machen nun die Reise zur Heimat gemeinsam.

 

 

Grabstein des Friedrich Knudsen aus Süderende

Friederich Knudsen wurde am 29. April 1807 in Utersum, Föhr geboren. Er starb am 5. August 1884 in Süderende, Föhr. Er heiratete Friederika Sicilia Braren am 3. August 1832. Friederich war Kapitän. Er war der jüngste seiner Geschwister. Seine Mutter starb 1820, als er 13 Jahre alt war. Darauf übernahm seine Tante, die jüngste Schwester seines Vaters, Marien Knudten, auch Maike genannt, den Haushalt und die Erziehung der Kinder. Nach der Schulentlassung ist er dann zur See gegangen, wie sein Vater auch. Sein erstes Schiff soll die Kuff "Godfred" gewesen sein. Die Reise ging von Kiel nach Russland. Gemeint sind sicher die baltischen Staaten, die damals unter russischer Herrschaft standen. Er soll dann nach Hamburg gekommen sein, wo er auf einem Neubau anheuerte. Mit diesem Schiff, geführt von Kapitän Fokkes von der Insel Juist und weiteren Schiffen, ist man dann um Kap Hörn gesegelt. Für diese Reise soll Kapitän Fokkes eine Auszeichnung in Form einer Prämie erhalten haben. Er soll dann bei den Holländern nach Ostasien gesegelt sein und ist hier mit 19 Jahren schon Bootsmann gewesen. Später fuhr er dann als Obersteuermann unter Kapitän Nickels Rickmers aus Oldsum auf der Brigg "Forester". Nach einem umfangreichen Schriftwechsel mit der Schifffahrtsabteilung des Altonaer Museums, dem Schifffahrtsmuseum Bremerhaven und dem Nationalen Belgischen Schifffahrtsmuseum in Antwerpen war die Brigg in Massachussets beheimatet und gehörte dem Reeder Whateland. Sie war um 1820 in Boston/USA erbaut und mit 243 Rt. vermessen. Dieses Schiff wurde dann um 1830 an die belgische Reederei "Kempeneers et Otto Neddugendal" in Antwerpen verkauft und erhielt den Namen "Plantin". Dann übernahm Friedrich Knudsen das Schiff als Kapitän.

 

Schon im Alter von 23 Jahren war er Kapitän und soll an Bord ein sehr gestrenger Herr gewesen sein. Bei den Mannschaften war er deshalb als "Teufel von Antwerpen" verschrien. Bis ca. 1853 hat er die hölzerne Brigg "Plantin" ohne besondere Zwischenfälle gefahren. Nur einmal kam er mit dem Schiff auf der Barre von Rio Grande fest, als er des besseren Verdienstes wegen eine Zeit lang an der Küste fuhr. Dieser Vorfall, soll er gesagt haben, habe ihm die Fahrt an der Küste verleidet. Sonst wäre er dort noch länger geblieben, denn das Wetter war dort immer so schön, dass dort auch eine alte Frau zur See fahren könne. Seitdem fuhr er lieber zwischen Europa und der Ostküste von Südamerika. Außer Antwerpen wird er sicher dabei auch Altona angelaufen haben, weil in den auf Föhr vorhandenen Unterlagen zu lesen ist: "Er fuhr von Altona usw". Er hat bei dieser Fahrt verhältnismäßig gut verdient, weil er wohl auch Waren auf eigene Rechnung mitgenommen hat. Eine goldene Taschenuhr, die bei diesem Handel nachgeblieben war, hat er später seinem Enkel Pastor Hinrich Cornelius Ketels geschenkt.

 

Als er mit der Fahrt nach Südamerika begann, kannte man dort das gelbe Fieber noch nicht. Später hat es dann viele von seiner Besatzung dahingerafft. So auch seinen Sohn Hinrich Cornelius, der als Junge an Bord war. Er starb an gelbem Fieber Weihnachtsabend 1852. Er soll später gesagt haben, dass nach diesem traurigen Vorfall die See für ihn schwarz geworden sei. Da sein einziger Sohn nun nicht mehr lebte, blieb er an Land. Sonst wäre er noch weiter gefahren, um seinem Sohn den Weg ins Berufsleben zu ebnen. Friedrich Knudsen war erst 46 Jahre alt, als er die Seefahrt aufgab. Er hatte in den 23 Berufsjahren ein Vermögen von Rm 30.000,-- erworben, das durch Sparsamkeit seiner Frau und Zinsen auf 60.000,-- anwuchs. Das entspricht einer heutigen Kaufkraft von ca. € 400.000. Er wohnte im Haus Süderende 36 (früher 247) und erwarb 1851 das Haus Süderende 31 (früher 243) für seine Tochter Osina.

 

 

Grabstein der Eheleute Julius August Ketels
und Ingke Christine Ketels geb. Knudsen

In der Nacht vom 31. Juli zum 1. August geboren bekam er den Namen "Julius August", denn damals konnte man nicht mit Sicherheit sagen, ob er vor oder nach Mitternacht zur Welt kam. Julius August fuhr wie seine Brüder Johann Erich und Ernst Johann auf den Proviantschiffen des Grönlandshandels. Er wohnte zunächst in Oldsum, Haus 135. Als Kapitän übernahm Julius August 1884 die LUCINDE, die er nur einen Sommer befehligte, um dann die Seefahrt nach einem Schlaganfall aufzugeben und in Süderende eine kleine Landstelle zu betreiben. Das konnte er sich leisten, denn er erbte von seinem Schwiegervater Friedrich Knudsen und übernahm dessen Haus und Hof Süderende 36. Die "Lucinde" wurde 1846 in Holbæk, DK erbaut und machte insgesamt 60 Reisen nach Grönland. Sie sank 1923. Sein Sohn Cornelius Ketels berichtet über seine Eltern:"Vater und Mutter waren in ihrer Art recht verschieden, auch körperlich: Mein Vater hatte die lange hagere Körpergestalt der Ketels und eine scharf ausgeprägte Nase. Vater schlank und hochgewachsen, Mutter mehr nach der in der Familie von Früd Braren erblichen Art, klein, gedrungen, aber kräftig. Mutter war energisch, für die Erziehung ihrer Kinder aus der ersten Ehe des Vaters recht gut geeignet, Vater mehr wohlwollend. Wie gern brachte er uns Kindern etwas mit, wenn er einmal kurz verreist war. Er besuchte dann Freunde und Bekannte und wusste sehr eindrücklich davon zu berichten." 1865 heiratete er Cornelia Hayen. Sie starb schon 1873 und hinterließ zwei Töchter und einen Sohn. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Ingke Christine Knudsen aus Süderende, die mit Riewert Rörden verlobt war, ihm den Haushalt geführt hat, da er zur See fuhr. Ihr Verlobter galt seit 1868 als auf See verschollen. Am 20.1.1876 heiratete er dann Ingke Christine Knudsen. Die Familie wohnte zunächst im Haus 118 in Oldsum. Als sein Schwiegervater dann 1884 starb, gab er die Seefahrt auf und übersiedelte in das Haus Süderende 36 seiner Schwiegereltern. Sein Enkel Ernst Ketels schrieb über ihn:Von Süderendern, die ihn als Kind erlebt haben, erfuhr ich, dass er sehr kinderlieb war. Wenn er zum „Stieg" ging, hatte er immer Süßigkeiten oder Birnen in der Tasche, die er den Kindern schenkte. Ich kann mich noch gut an seine Besuche in Neumünster erinnern. Wenn er kam, bestellte er auf dem Weg vom Bahnhof beim Schlachter und Milchmann Waren, die dann als Überraschung ins Haus geliefert wurden. Mit uns Kindern ging er spazieren und erklärte uns Merkmale von Bäumen und Kräutern. Dabei ruhte er sich oft aus auf einem Handstock, dessen Griff als Sitz umfunktioniert werden konnte.Wenn wir nach Föhr kamen, holte er uns mit einem Kutschwagen vom Dampfer in Wyk ab. Mein Vater als jüngster Sohn hatte von seinen Brüdern zuerst geheiratet. So waren wir seine ersten Enkelkinder männlichen Geschlechts. Großvater bekam dann einen Schlaganfall und verlor die Sprache. Wenn er uns dann in Wyk abholte, gab er seiner Freude Ausdruck, indem er lallend in die Hände klatschte. Am 26.2.1916 bekam er einen zweiten Schlaganfall, der seinen Tod herbeiführte. Er war 77 Jahre alt geworden.

 

 

Grabstein der Eheleute Christian Friedrich Braren aus Oldsum
und Keike geb. Ketels

Das Stabkreuz - es gleicht einem Hirtenstab. Auf Kreuzdarstellungen jenseits der Glaube-Hoffnung-Liebe-Symbolik trifft man auf Föhrer Friedhöfen eher selten.

Im Kreuz mein Heil.

 

In Hoffnung einer seligen Auferstehung ruhen hier die christlichen Eheleute Christian Friedrich Braren aus Oldsum und Keike geb. Ketels. Er wurde als Sohn des Landmannes Frud Braren und der Krassen geb. Peters geboren in Süderende den 23. Oktbr. 1821 und entschlief am 7. April 1887 in einem Alter von 65 Jahren. Mit der Witwe betrauern den Dahingeschiedenen 10 Kinder (darunter 2 aus erster Ehe), 8 Schwiegerkinder und 14 Enkel. Als Landmann war er in seinem irdischen Berufe bis an sein Ende mit unermüdlichem Fleiße thätig. Nun ist er selber gesäet als ein Samenkorn auf den Tag der großen Ernte. Es wird gesäet verweslich und wird auferstehen unverweslich. 1.Kor.15,42

Die Gattin, geboren in Oldsum als Tochter des weiland Schiffskomd. Arfst Ketels und der Lena Maria geb. Rekkerts am 9. Mai 1834 lebte noch 25 Jahre im Witwenstande, bis sie am 23 Mai 1912 in einem Alter von 78 Jahren wieder mit dem vereint wurde, den sie im Leben liebte. Die mit Thränen säen, werden mit Freuden ernten. Ps. 126,5

Ruhe hier in heil'ger Stille, Theurer Gatte, theurer Freund, Bald nach unsers Heilands Wille. Bin ich dort mit dir vereint.

 

 

Grabstein der Eheleute Richard H.V. Rickmers
und Christine F. Rickmers aus Oldsum

Glaube-Liebe-Hoffnung: Im Zentrum des Kreises, befinden sich die ersten drei christlichen Tugenden, die als Lebensfundament fest umschlossen sind

Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn

 

Andenken der beiden Eheleute Richard H.V. Rickmers und Christine F. Rickmers aus Oldsum, die 1833 den 19. Juli ehelich verbunden und mir 6 Söhnen und 4 Töchtern gesegnet worden sind, von denen 3 Söhne und 3 Töchter dem Vater in Ewigkeit vorangegangen und bis auf einen, der im ersten Jünglingsalter zur See verunglückte, neben ihnen ruhen. Richard H.V. Rickmers wurde in Oldsum geboren den 31. Octbr 1808. Sein Betrieb war Handel und Landwirtschaft, worin er mit steter Umsicht für seine Familie gewirkt hat. Den 23. April 1874 endete der Tod sein reiches Leben in dem Alter von 65 Jahren, 5 Monaten und 23 Tagen. Christine F. Rickmers wurde 1816 den 8. Jan. in Üttersum geboren und folgte ihrem Gatten am 6. März 1896 im Tod nach. Sie war ihrem Gatten eine treue Gefährtin und den Kindern eine zärtliche Mutter. Sie starb in einem Alter von 80 Jahren 1 Monaten u 28 T. Das Andenken der Lieben bleibet in Segen bei den Ihren.

 

 

Grabstein der Eheleute Brar Barren Schmidt
und Kerin Braren aus Oldsum

Die männlichen Mitglieder einer Familie werden auf Grabsteinen auf der linken Seite durch eine Art Glockenblume symbolisiert, während die weiblichen Mitglieder einer Familie, Ehefrau und Töchter, auf der rechten Seite durch Blumen, wie man sie mit der Hand malen würde, stilisiert werden. Ist eine der dargestellten Blumen geknickt, so bedeutet dies, dass die betreffende Person zum Zeitpunkt der Entstehung des Grabsteins bereits verstorben war (aufgrund der hohen Kindersterblichkeit ein häufig anzutreffendes Motiv).

Wir erwarten eine Fröliche Auferstehung

 

Denckmal des sel: ruhende EheLeute Brar Brarren Schmidt und Kerin Braren aus Oldsum geboh daselbst 1720 med. Aug. verehlicht 1758, den 15 Jann: gezeuget 3 Söhne und 3 Töchter davon 2 Söhne gestorben Er starb 1795 den 25 Dec. in einem Alter von 75 Jahr 19 W:

Sie ist gebohren in Süderende 1721 den 14 Octor Sie starb 1777 d: 20 Febr in einem Alter von 55 Jahr 18 Woch:

O hoffnung daß nach kurzer ruh Mein leib erwacht: wie groß bist du Und welch ein trost im tode

 

 

Grabstein der Eheleute Frud Faltings
und seiner Gattinn Ingke, geb. Olufs, in Oldsum

Dem Andenken des Schiffskapitains Frud Faltings und seiner Gattinn Ingke, geb. Olufs, in Oldsum.

Frud Faltings wurde geboren in Klintum am 23 Decbr. 1783. Er verband sich am 20 Decbr. 1811 ehelich mit Ingke Olufs, geboren in Oldsum am 28 Oct.1786. Aus ihrer Ehe stammen 3 Söhne. Von früher Jugend sich der Seefahrt widmend, stieg er bis zum Schiffskapitain und führte 23 Jahre lang ein Schiff von Kopenhagen. Nachdem er im Jahre 1839 aus diesem Berufe geschieden war wirkte er bis zu seinem Lebensende als Thätiger und umsichtiger Landwirth. Er sah seine Familie in 13 lebenden Enkeln aufblühen. Am 20 April 1851 rief der Todesbote ihn aus dem Kreise der Seinigen ab im Alter von 67 Jahren 3 Monaten und 28 Tagen. Seine Gattinn Ingke Faltings lebte nach dem Scheiden ihres Gatten im Wittwenstande, bis sie durch den Tod wieder mit ihm vereinigt wurde am 11. Juli 1869 alt 82 Jahre 8 Monate 13 Tage.

O Schifter auf des Erdenlebens Wellen,
Ermiß der Pflichten Höhe mit der Christenlieb’Octant,
Und schau, wie hoch aus Leidensfluthen schwellen,
Stets mit des Glaubens Fernrohr nach der Christenhoffnung Land. So wirst du sicher nach dem lichten Hafen steuern,

Und sammeln wird Gott dich als Garb in seinen Scheuern.

 

Aus der großen Zahl der Kapitäne im “Grönlandhandel” hebt sich Früd Faltings besonders hervor. Er verlebte eine sehr bescheidene Kindheit. Sein Vater Falting Bohn war als Grönlandfahrer Speckschneider. Er starb mit 43 Jahren und hinterließ seine Frau mit 7 unmündigen Kindern in tiefer Armut; nur 3 Demat Land verblieben, und diese Fläche reichte gerade aus zum Halten einer Kuh. Die Not im Hause trieb Früd mit 12 Jahren zur See. Mit 33 Jahren wurde er Kapitän und erwarb das Bürgerrecht von Kopenhagen. Früd Faltings machte als erfahrener Schiffsführer 23 Fahrten von Kopenhagen nach Westgrönland und zurück. Aufgrund seines Ansehens vertraute der “Grönlandhandel” ihm 4 Schiffsneubauten an. Kein einziges Mal mußte er auf Grönland überwintern. Seine ungewöhnlich schnellen Fahrten erregten in Fachkreisen Aufsehen. Ab 1840 wurde er Landwirt und gehörte zu den größten Landeigentümern in Oldsum. Früd Faltings wurde dank seiner persönlichen Tüchtigkeit zu einer der angesehensten Persönlichkeiten in der Gemeinde St. Laurentii. Seinen beiden Berufen entnahm Früd Faltings drei Berufssymbole, die er im Kopfstück der Stele festhalten ließ: einen Oktanten, ein Fernrohr und eine Getreidegarbe.

 

 

Denkmal der christl. Eheleute Christian Diedrich Roeloffs aus Süderende

Denkmal der christl. Eheleute, des ehemal. Kaufmannes und Landmannes Christian Diedrich Roeloffs aus Süderende (geb. d. 30. Jan. 1801, gest. d. 5. April 1885) und der Antje, geb. Ketels, verw. Braren (geb. in Toftum d. 19. Juli 1804, gest. d. 10.Nov. 1890. Ersterer ist auf seinem Lebenswege reichlich gesegnet worden, hat aber auch mit seinen Gütern und Gaben Andern gern gedient; er hat auch indes des Lebens Hast und Hitze tragen müssen: 2 Lebensgefährtinnen, mit denen er nur etliche Jahre gepilgert mit der ersten, Ingke Ocken aus Oldsum, 9, mit der zweiten, Mattje Lorenzen aus Süderende 8 Jahre, und von seinen 9 Kindern, 4 aus der 1. und 5 aus der 2. Ehe, sind 7 vor ihm ins Grab gesunken, doch war es ihm vergönnt, an der 3. Hausfrau eine langjahrige Gehülfin zu finden, von 1846 bis zu seinem Lebensende. Diese hatte ihren ersten Gatten, Brar Braren aus Oldsum, nach 15 jährigem Ehestande verloren und von den 8 Kindern, die sie ihm gebar, hat sie 5 ins Grab sinken sehen.

Röm. 14,8: Leben wir, so leben wir dem Herrn,

sterben wir, so sterben wir dem Herrn, darum wir

leben oder sterben, so sind wir des Herrn.

 

 

Denkmal der Eheleute Diederich Roeloffs
und Kerrin Roeloffs geb. Lorenzen

Denkmal der beiden Eheleute aus Suederende Diederich Roeloffs geboren daselbst den 30. Octbr. 1753 und Kerrin Roeloffs geboren Lorenzen in Oldsum den 4. Novbr. 1765. Nach dem 10ten Jahre seines Alters betrat er 32 Jahre den Seeberuf, die letzten 14 Jahre als Schiffs Capitain in welchem der Segen des Herrn sein Glueck so hocherhoben hatte, daß er schon fruehe in seiner Heimath bleiben konnte. Dieses Glueck wurde noch erhoeht, als das Eheband ihn den 18. Septbr. 1800 mit seiner Gattinn vereinigte, und diese Verbindüng mit einem Sohne gesegnet ward. Mit unermuedlicher Sorgfalt fuer das Wohl der Seinigen wirkend, suchte er zu gleich ändern nuetzlich zuseyn bis ein sanfter Tod den 16. Febr. 1834 sein thaetiges Leben endete, als er 80 Jahre 15 Wochen 4 Tage alt geworden war. Seine Gattinn war ihm in den 34 Jahren ihres Ehestandes eine treue Gefaehrtinn auf seinem Lebenswege, und folgte ihm nach 3 jaehrigem Wittwenstände den 8. Jan. 1837 durch den Tod in jenes bessere Leben nach, als sie 71 Jahr 9 W 2 T gelebt hatte.

 

Die Erndt ist reicher als die Saat,

Die hier sein Glaube säet Ihm folget jede gute That, Wenn er zum Vater gehet.

 

Diedrich Roeloffs wurde als Erck Jung Olufs getauft. Wie viele Föhringer stellte er in holländischen Diensten stehend seinen Namen auf einen dort gefälliger klingenden um: Diedrich Roeloffs. Auf Föhr bediente er sich hinfort beider Namen. Er stammte aus einer hochverschuldeten Seefahrerfamilie und war deshalb gezwungen, im Alter von 10 Jahren zur See zu fahren, um so die Familie zu unterstützen. Er begann die Seefahrt als Walfänger. Nach 5 Jahren Walfang wurde er 1769 von Pastor Kirkerup konfirmiert. Durch den Niederländisch-Englischen Krieg wurde der Walfang der Holländer stark beeinträchtigt. Diedrich Roeloffs erlebte so als junger Seemann den Wechsel vom Walfang zur Handelsfahrt. Mit 28 Jahren heuerte er als Kapitän in Kopenhagen, im neutralen Dänemark, bei der Reederei Chr. Fr. Fiedler an. Diedrich Roeloffs unternahm viele erfolgreiche Handelsfahrten ins Mittelmeer und “bedankte” mit 43 Jahren “die Seefahrt”. Nach 32 Jahren Seefahrt belief sich sein Vermögen auf 37.000 Mark Courant. Hiermit entschuldete er seine Familie, vergrößerte seine Landstelle und richtete in Süderende eine Gewürz- und Getreidehandlung ein. Ferner betrieb er auf Föhr und Amrum Geldverleih in großem Umfang.

 

 

 

Grabstätte der Göntje Faltings
und ihrer Tochter Elene Christine Faltings

Grabstätte der kleinen Gardina Nandina Faltings

Kindergrabstein: die sich auf die rechte Seite neigende Blume steht für ein verstorbenes Mädchen

Gardina Nandina Faltings, gestorben am 29. Dezember, kurz nach Weihnachten im Jahre 1876. 4 Monate alt ist sie nur geworden. Ihre Eltern: Ernst Johann Faltings (1844 - 1924) und Dorothea Floretta Braren Faltings (1849 - 1917).

 

 

Grabstätte des Richard Simon Petersen

Pastor Richard Simon Petersen von Föhr (früher Diakonus zu S. Nicolaÿ auf Föhr) 1808 - 1843

 
 

Grabstätte der Eheleute Johann Erich Ketels
und Osina Christina Ketels

"Christum lieb haben ist besser denn alles Wissen." Eph 3.19

 

Zum Andenken der Eheleute Johann Erich Ketels und Osina Christina Ketels geb.Knudsen aus Süderende. Er war geb. in Klintum d. 17.Juli 1826. Von seinem 12. bis zu seinem 56. Jahr widmete er sich der Seefahrt, die letzten 11 Jahre als Schiffsführer. Er starb d. 11.October 1904. Sie war geb. d. 16. April 1833 und starb nach glücklicher 46jähriger Ehe d. 29. Mai 1900. Von den 6 Kindern dieser Ehe sind 2 im zarten Alter, eine Tochter Friederike verheiratete Fries im 34. Jahr den Eltern vorangegangen.

 

Eines wünscht ich mir hiernieden:

Deinen Geist und deinen Frieden

Und den Ruhm an meinem Grabe,

Daß ich dich geliebet habe.

 

 

Grabstätte zum Andenken an die Eheleute Olde Hinrichsen
und Göntje Oldis (1768-1810)

Göntje Oldis, Ehepartner: Olde Hinrichen, Geburt: 12. Jul 1768, Tod: 20. Feb 1810

 

 

Denkmal der Eheleute Früd Peters
und seiner Gattin Sitzele geb. Jappen

Denkmal der beiden Eheleute des Schiffscapit. Früd Peters und seiner Gattin Sitzele geb. Jappen aus Süderende, die im Jahre 1784 den 22 Nov. in die Ehe traten aus welcher eine Tochter entspross. Früd Peters wurde den 29 Mai des Jahres 1761 in Süderende geboren. 29 Jahre hat er sich der See fahrt gewidmet, wovon er die 12 letzten als Capit. verlebte. Er starb 1831, den 12 Oct. In einem Alter von 70 Jahren 22 Wochen 4 Tagen. Sitzele Peters wurde in Tüftum im Jahre 1763 am 13ten Juni geboren. Nach dem sie 6 Jahre in Wittwenstande gelebt hatte folgte sie ihrem Gatten 1839 den 29 Sept. als sie ihr Alter auf 76 Jahr 14 Wochen u. 3 Tage gebracht hatte.

 

 

Grabstätte des Lorenz Cornelius Braren

Durch Nacht zum Licht

 

Hier harret neben seinem Vater einer fröhlichen Auferstehung unser lieber Sohn und Bruder Lorenz Cornelius Braren, welcher 20 Jahre alt am 19. Febr. 1890 im kindlichen Glauben an seinen Heiland entschlief.

 

Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege spricht der Herr. Jes. 55 V 8

Trauert nicht, o trauert nicht ihr Lieben, daß mein Auge früh im Tode brach…….

 

Grabstätte von Josina G. Riewerts

Grabstätte von Oluf D. Arfsten

Grabstätte von Elise Chr. Braren geb. Petersen aus Süderende

Grabstätte von Cornelius F. Braren aus Süderende

Nieblum

Der Kirchhof von St. Johannis ist einzig in seiner Art. Mit 265 historisch wertvollen Grabplatten und Grabsteinen hat er den größten Bestand an Grabmalen, den ein nordfriesischer Friedhof beherbergt. Einer der ältesten Grabsteine erinnert an die "erbare und dogentsame Frouwe Ingge Rouwertsen", gestorben im Jahr 1620! Die Inschriften der Steine erzählen in eindrucksvoll verdichteter Sprache von ergreifend schlichten oder schweren Schicksalen. Das Erstaunliche: Was in einem - auch sehr langen - Menschenleben wesentlich ist, lässt sich tatsächlich auf einer Steintafel aufschreiben, wie der Grabstein des ehemaligen "Schiffscapitains Peter Rickerts" zeigt:

 

Der Friedenshafen ist erreicht
Nach einem bewegten Leben. und zeitlicher Trennung ruhen in Frieden unter diesem Grabhügel die irdischen Überreste des ehemaligen Schiffscapitains Peter Rickerts in Nieblum und seiner 4 Ehefrauen. Er wurde geboren in Nieblum den 5ten Septbr. 1775 und widmete sich von seinem 10. Lebensjahre an der Seefahrt. Er trat den 23sten Jan. 1801 in den heiligen Ehestand mit Kerrin geb. Erken daselbst, aus welcher Ehe zwei Töchter entsprossen sind. Den 30sten Septbr. 1804 wurde ihm diese Gattin durch den Tod entrissen, in einem Alter von 27 Jahren.
Zum 2ten Male knüpfte er das Band der Ehe mit Terke, einer Schwester der Versrorbenen, den 28sten Juni 1805, diese Lebensgefährtin mußte er indeß den 10ten April 1818 durch den Tod gleichfalls verlieren. Sie starb in einem Alter von 48 Jahren und 8 Monaten ohne Leibeserben zu hinterlassen.
Den 6. März 1819 verheirathete er sich zum 3ten Male mit Thur, geb. Erken aus Nieblum, welche der Herr zu sich rief den 5ten Mai 1825. Die Verstorbene erreichte ein Alter von 50 Jahren und hinterließ keine Leibeserben. Die letzte Ehe mit Keike, Wittwe des Lorenz Erken aus Nieblum, wurde geschlossen den 3ten Februar 1826 und durch einen Sohn und eine Tochter gesegnet. Er starb den llten April 1854 in einem Alter von 78 Jahren 9 Monaten und 6 Tagen. Sie wurde den 29. Mai 1788 geboren und folgte ihren beiden vorangegangenen Ehegatten in die Ewigkeit . . .

 

(Die Geschichte scheint hier noch nicht zu Ende zu sein, doch der übrige Text des eingesunkenen Steines nicht mehr lesbar)

Ein weiteres Beispiel ist der Grabstein der Sissel Siemens aus Nieblum:

 

Allhier ruhen die gebeine der sel: Frau Sissel Siemens aus Nieblum, welche Aô 1743 den 23sten Octbr: in Alckersum gebohren. Ihr Vater ist gewesen Dress Andressen und die Mutter Junger Ehlen Drefsen. Aô 1765 den 22sten Novbr: ist sie in den heil: Ehestand getreten mit dem damaligen Commandeur Siemen Tückis aus Wrixum, mit welchem sie bis in das 17te Jahr in einer vergnügten und zärtlichen Ehe gelebet, und in währender Zeit mit selbigem 5 todt gebohrne Kinder und einen lebendigen Sohn gezeuget. Sie hat sich bei der Nachwelt ihrer Tugenden und ihres Wandels wegen einen währenden Ruhm
erworben und ist Aô 1782 den 16ten Jun. in die ewige Ruhe eingegangen, brachte also die Zeit ihrer Pilgerschaft auf 39 Jahr weniger 4 Monate u. 7 Tage.

 

Im Kranz:

Da ich ein wenig vor euch über kam da fand ich den meine Seele liebet. Ich halte ihn und will ihn nicht lassen.


Bildwerk:
In einer großen Halle ("Himmelssaal") sitzt eine Frauengestalt mit Blumen. Neben ihr Christus, der ihre Hand faßt und ihr mit seiner Linken eine Krone reicht. Stadthäuser rechts und links der Szene.

Die Kriegerdenkmalsanlage für die toten Soldaten des 1. und 2. Weltkriegs liegt genau zwischen der St. Johanniskirche und dem Pastorat. Der Obelisk mit stumpfer Spitze ist mit bunten behauenen Feldsteinen ca. 4,5 Meter hoch aufgemauert. Er steht der Anlage vor und trägt die Widmungsplatten. In die Frontseite des Obelisken sind vom Boden aus drei Steinplatten übereinander eingelassen. Die oberste – unter einem Schmuckbalken mit gebogenen Enden – trägt den Bibelspruch 11,25 aus dem Johannesevangelium:

 

Wer an mich glaubt, der wird leben ob er gleich stürbe

 

Darunter ein Medaillon, das einen Soldatenkopf mit Stahlhelm im Halbrelief zeigt. Auf der mittleren Tafel steht die Widmung:

 

Die dankbare St. Johannisgemeinde widmet diesen Ehrenfriedhof ihren in den Kriegen 1914 - 1918 und 1939 - 1945 gefallenen tapferen Söhnen

 

Da das Denkmal in den 20er-Jahren errichtet worden ist, musste diese mittlere Platte nach dem 2. Weltkrieg ausgetauscht worden sein.

 

Die unterste Tafel zitiert unter einer Reihe aus drei Kreisen wieder einen Spruch aus dem Johannesevangelium, nämlich 15,13, darunter ein Kreuz mit je einem Kreis an den Seiten:

 

Niemand hat grössere Liebe denn die dass er sein Leben lässt für seine Freunde

 

Vor dem Denkmal liegen in langen Reihen, angelehnt an Erdwälle die Namenstafeln der toten Soldaten. Außen die der Soldaten des 1. Weltkriegs. Nach dem 2. Weltkrieg kamen die zwei inneren Reihen dazu. Geordnet nach Herkunftsort werden Name, Geburtsdatum, Sterbedatum und Sterbeort genannt.

Boldixum

Die romanisch erbaute St. Nicolai-Kirche aus der Mitte des 13. Jahrhunderts mit gotischen und barocken Erweiterungen. Die ältesten Grabsteine stammen aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und berichten ausführlich über den Lebensweg der Beigesetzten.

Grabstein des Volkert Jensen aus Wrixum, geb. 1691

Ein "Sprechender" Grabstein nicht im herkömmlichen Sinne aber doch der besonderen Art ist das Ehrenmal für die Kriegstoten beider Weltkriege auf dem Friedhof von St. Nicolai in Boldixum.  Deren Geschichte wird in einem Artikel von Karin Hansen beschrieben (s.u.).

 

Ehrenmal-Inschrift im älteren Teil: „Ihren im Weltkriege gefallenen Söhnen in Dankbarkeit gewidmet, die Kirchengemeinde St. Nicolai“. Links und rechts des Ehrenmals für die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges (100 Namen) je vier eingelassene Tafeln mit 260 Namen der Kriegstoten des Zweiten Weltkrieges. Inschrift auf den beiden seitlichen Stelen, die ursprünglich den seitlichen Abschluss des älteren Ehrenmals bildeten:

Links unter dem Friesenwappen: „In Kampf und Not für uns in den Tod".

Rechte Stele: "Ihr Opfer die Saat für künftige Tat"

Kriege haben auch die Insel Föhr betroffen

 

....Aus den beiden Weltkriegen kennen wir Werke von Schriftstellern und Künstlern, welche mit eindrucksvollen Mitteln versuchten ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Viele Menschen aber sprachen niemals darüber und schleppten diese Last ein Leben lang mit sich. Etliche Familien zerbrachen dadurch. Auf Föhr waren die Menschen in der glücklichen Lage, nur ganz wenige Male von unmittelbaren Kriegshandlungen betroffen zu werden. Im dreißigjährigen Krieg wurde Dänemark von den kaiserlichen Truppen besetzt. Auf Amrum starben viele Menschen an der von den Soldaten eingeschleppten Pest. Als man auch Föhr erobern wollte, standen viele Menschen zur Verteidigung am Ufer, die Soldaten glaubten dort wäre ein großes Heer und zogen weiter nach Sylt. Dies berichtet der damalige Pastor von St. Johannis, denn an diesem Tag war die Beerdigung seiner Schwiegermutter und niemand nahm teil. Der Vater des ersten Wyker Fleckensvorstehers, Hans Köllner war unter König Christian IV Teilnehmer an diesem Krieg. Anfang des 19ten Jahrhunderts brachten die Auseinandersetzungen Napoleons mit England und den jeweiligen Verbündeten den Seehandelsverkehr nahezu zum Erliegen. Einige Föhrer Schiffer bekamen einen Eindruck von den Blockaden. Als sie aus dem Husumer Hafen segelten, tauchte plötzlich eine Reiterschar auf, Kosaken, welche ihnen bedeuteten sie sollen zurückkommen, was die Schiffer natürlich nicht taten. Die Föhrer verarmten durch diese kriegerischen Auseinandersetzungen, es folgte die erste Auswanderungswelle. Auch die Gründung des Seebades Wyk war eine Folge dieses wirtschaftlichen Niederganges. Einige wenige Seeleute suchten durch Kaperfahrten englische Schiffe zu erbeuten. Während des dänisch/englischen Krieges gerieten viele Seeleute unter den schlimmsten Bedingungen in englische Gefangenschaft. Dem Sturz Napoleons folgte die Französische Revolution, welche Europa große Umwälzungen bescherte, davon war besonders Deutschland betroffen. 1848 kam es, ausgehend von der Kieler Universität, zu der so genannten „Schleswig Holsteinischen Erhebung“, an diesem Krieg waren auch Bewohner Föhrs beteiligt.1864 führte Österreich mit dem militärisch gut gerüsteten Deutschland Krieg gegen Dänemark. Zwangsläufig verlor Dänemark diesen Krieg, Holstein ging an Österreich und Schleswig an Deutschland, die neue Grenze war jetzt die Königsau. Bei diesem Krieg ging es vor allem um den damals wichtigen Eiderkanal, der es den Schiffen ermöglichte, gefahrlos von der Nordsee in die Ostsee zu gelangen. Der Kreuzzollinspektor, Kapitänleutnant O. C. Hammer hatte die Aufgabe, das Fahrwasser mit Tonnen und Baaken für die Schifffahrt sicher zu machen, jetzt musste er die nordfriesischen Inseln gegen den Angriff der Feinde verteidigen. Der Bericht von Joachim Hinrichsen, „Ein Föhrer blickt zurück“ gibt ein eindrucksvolles Zeugnis dieser Zeit. Die Insel wurde von steirischen Gebirgsjägern besetzt, zwei Soldaten verletzten sich bei einem Duell schwer und starben im Lazarett (heute Restaurant „Alt Wyk“). Auch blieben zwei „Besatzungskinder“ auf der Insel zurück. Nicht alle Kleinstaaten hatten sich in einem Bündnis mit Deutschland zusammen gefunden und so wurde zunächst 1866 Krieg gegen das Königreich Hannover geführt, der König floh ins Asyl nach Österreich, Deutschland legte die Hand auf den Welfenschatz und finanzierte damit 1866 den Krieg gegen den ehemaligen Verbündeten Österreich. Der deutsche Bund war nun mächtig genug um von 1870 bis 1871 Krieg gegen Frankreich zu führen, zusammen mit dem jetzt wieder Verbündeten Österreich. Nach dem Krieg wurde der Preußische König zum Deutschen Kaiser gekrönt. An allen diesen Kriegen waren auch Föhrer beteiligt, wie man auf einer Tafel in der St. Nicolai Kirche nachlesen kann. Nach dem Attentat in Sarajewo musste Deutschland mit dem verbündeten Österreich in den ersten Weltkrieg ziehen. Von 1914 bis 1918 tobte dieser Krieg, junge Föhrer zogen voller Begeisterung in den Krieg um „das Vaterland zu verteidigen“, sie glaubten nach wenigen Wochen siegreich zu sein, aber schon bald lernten sie den Schrecken des Krieges kennen, viele wurden verwundet, gerieten in Gefangenschaft, erlitten den „Heldentod“ für das Vaterland. Nach dem verlorenen Krieg begann eine große Notzeit für die Familien, mit totalem wirtschaftlichem Niedergang. Um diese Existenzunsicherheit zu beseitigen, wurden in Deutschland viele politische Parteien gegründet, welche mit Versprechungen Anhänger um sich scharten. Die erfolgreichsten waren die Nationalsozialisten, welche Arbeit und Wohlstand für alle Menschen versprachen. 1933, mit der „Machtübernahme“ durch diese Partei, sah zunächst alles sehr positiv aus, aber bald zeigte sich das wahre Gesicht.1939 brach der Zweite Weltkrieg aus, auf Föhr trafen Menschen aus dem Sudetenland ein, welche für einige Zeit im Hamburger Kinderheim untergebracht wurden. Nach der Bombardierung Hamburgs kamen viele Ausgebombte nach Föhr, denen man den erlebten Schrecken ansehen konnte. Gegen Ende des Krieges wurden mehrere Fährschiffe von feindlichen Flugzeugen beschossen, dabei kamen einige Personen ums Leben, ebenso bei den auf Föhr abgeworfenen Bomben; zum Glück fielen die meisten in die Feldmark. Durch am Strand angetriebene Munition verunglückten einige Kinder. Die Insel wurde gegen eine „Invasion“ gesichert, Besucher erhielten nur ausnahmsweise Zutritt. 1945 kam der große Strom von Flüchtlingen aus dem Osten Deutschlands und musste in den Häusern untergebracht werden. Schule, Hotels und Kinderheime wurden Lazarette für verwundete Soldaten. 1945 war der Krieg endlich beendet und die Insel wurde von den Engländern besetzt. Damit war das Kriegsgeschehen für einige Föhrer noch nicht beendet, aus der Kriegsgefangenschaft kehrten viele erst nach vielen Jahren auf die Insel zurück. Die Namen der in beiden Weltkriegen Gefallenen aus der St. Nicolai Gemeinde liest man auf der Gedenkstätte am Südende des Friedhofes in Boldixum. Einige Föhrer mussten später als U.S. Staatsbürger am Vietnam Krieg teilnehmen und kamen gebrochen in ihre Familie nach Föhr zurück. Auch die heutigen Kriege bewirken auf Föhr Veränderungen und wenn Flüchtlinge aus diesen Kriegsgebieten auf der Insel Wohnung finden, sollten wir daran denken, dass vor nicht langer Zeit die Not die Heimat zu verlassen auch das Schicksal vieler Deutscher war. Wenn das Wort von Carl Sandburg „Stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin!“ eines Tages Wahrheit werden könnte, wäre es für die gesamte Menschheit ein Segen. Vielleicht aber wird das erst geschehen, wenn die Menschen sich selbst ausgelöscht haben.

 

Quelle: ÜÜB FEER, Nr. 46/2015, Karin Hansen

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