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Pantaleon-Kirche in Münster-Roxel

Bis 1975 war Roxel ein eigenständiges Kirchspiel – also der Sitz einer Kirche und damit das Zentrum mehrerer Bauerschaften und Siedlungen, die in den Einzugsbereich dieser Kirche fielen. Die Ursprünge des Kirchspiels durch die Gründung von St. Pantaleon werden auf das Ende des 12. Jahrhunderts datiert. Bis heute bildet der alte Kirchplatz den historischen Mittelpunkt des Stadtteils.

Der Ursprung der Bezeichnung „Roxel“ liegt in dem Familiennamen Rokeslare oder Rukeslare, deren Hof 1177 erstmalig in den Urkunden auftaucht. Wenige Jahre später entstand der Gründungsbau von St. Pantaleon, von dem am heutigen Kirchenbau noch der romanische Westturm erhalten ist. Anfang bis Mitte des 13. Jahrhunderts wurde schließlich die Bezeichnung „Roxel“ geläufig; hiermit waren die Grundlagen für das Kirchspiel und die Siedlung Roxel gelegt, die sich bis weit in das 20. Jahrhundert hinein einen stark dörflichen Charakter bewahrte.

 
Blick auf den Chorraum: Ein zylindrischer, romanischer Taufstein von 1170 mit Darstellung eines Bischofs und einer Halbfigur Christi zwischen den Evangelistensymbolen. Es ist einer der wenigen geschmückten Taufsteine des zwölften Jahrhunderts in Westfalen und diente u. a. der Taufe bekannter Angehöriger der Familie Droste zu Hülshoff.
 

Die denkmalgeschützte Kirche St. Pantaleon ist eine Gründung der Herren von Coten, die seit 1193 als bischöfliche Dienstmannen nachgewiesen sind. Sie war eine Filialkirche von Albachten, der Pfarrer wurde erstmals 1242 urkundlich erwähnt. Von dem Gründungsbau vom Ende des 12. Jahrhunderts ist noch der quadratische, romanische Westturm mit gekuppelten Schallöffnungen erhalten. Im Erdgeschoss ruht das Turmgewölbe auf Kämpfern. Im gewölbten Obergeschoss sind die rundbogigen Fensteröffnungen vermauert. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts wurde das romanische Kirchenschiff durch ein gotisches ersetzt. Der Chor stammt aus der Zeit um 1500. Im 17. und im 18. Jahrhundert wurde die Kirche mehrfach beschädigt und auch ausgeplündert, im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wurde das Pfarrarchiv vernichtet. Die Einwohnerzahl Roxels stieg im 19. Jahrhundert stark an. Zunehmende Schäden an der Bausubstanz des Kirchenschiffs führten schließlich 1893 zum Beschluss des Neubaus. Beim Abriss Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte man unter dem Putz Wandmalereien des 15. Jahrhunderts. Hilger Hertel der Jüngere errichtete von 1898 bis 1891 das neugotische Hallenlanghaus und erneuerte das Turmportal. Das neue Kirchenschiff wurde am 17. April 1901 von Bischof Hermann Jakob Dingelstad geweiht.

Innenansicht

Grundriss
Romanischer Taufstein mit der Darstellung eines Bischofs sowie der Figur Christi und der Evangelistensymbole (Gegenseite), um 1170
Apropos Taufbecken: In dieser Kirche wurde seinerzeit die berühmte Dichterin Annette von Droste zu Hülshoff getauft.

Das heutige in neugotischem Stil errichtete Kirchenschiff ist eine dreischiffige Hallenkirche mit einem Fünf-Achtel Chor-Schluss. Das Querschiff ist etwas breiter als das Langschiff. Am Ostteil sind zwei Nebenapsiden, am Westteil zwei Kapellen, die den romanischen Turm flankieren. Die schiefergedeckte Kirche ist mit einem schlanken, spitzen Dachreiter bekrönt. An der Nordseite zwischen Schiff und Chor befindet sich ein Treppenturm. Der Sockel ist aus Ibbenbürener Stein und die Verkleidung der Mauern aus Baumberger Sandstein gebaut.

Orgel

Die jetzige Orgel wurde 1955 von Alfred Führer für die Kreuzeskirche in Essen gebaut und 1976 in der Pantaleonskirche aufgestellt. Das Schleifladen-Instrument hat 23 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen elektrisch.

 

Im hinteren Kirchenschiff sind nach dem letzten Umbau 2016 einige Sitzbänke verschwunden, bei Bedarf werden sie durch Stühle ersetzt. Dort steht nun der Taufstein – einer der schönsten und ältesten in Westfalen – mittig auf einer Achse zum Altar. Das sei auch in theologischer Hinsicht ein überaus geeigneter Platz, betonte Pfarrer Schmitt: „Wer die Kirche betritt, wird von Christus begrüßt und gesegnet. Das Taufbecken oder Weihwasserbecken ist sichtbarer Mittelpunkt im Gotteshaus.“

 

Die Glasmalereien der Kirchenfenster wurden mit Schwarzlot konturiert und schattiert. Dabei wurde in der Art naturalistischer Porträts des 19. Jahrhunderts gearbeitet.

Fenster im Chor:


links: 

Schlüsselübergabe an Petrus. Bildtext: WEIDE MEINE LÄMMER, WEIDE MEINE SCHAFE.

Unten: Mose mit den Gesetzestafeln. Im Maßwerk: Hirsche an der Quelle, Lamm mit Siegesfahne.

Mitte:

Maria und Johannes unter dem Kreuz, zu Jesu Füßen St. Maria Magdalena.

Unten: Jesus am Ölberg, über dem Kreuz: Geisttaube, im Maßwerk: Gott Vater.

 

rechts:
Sendungsauftrag: GEHET HIN UND LEHRET ALLE VÖLKER.

Unten: König Salomon und die Königin von Saba. Im Maßwerk: Geisttaube.

 

Alle: Fa. Hertel und Lersch, 1900
Antikglas/Blei/Schwarzlot/Silbergelb
Signatur: Hertel u. Lersch Düsseldorf 1900

Einige spätbarocke Skulpturen, unter anderem vier Kirchenväter von Johann Wilhelm Gröninger sind um 1675 bis 1724 gefertigt worden.

Kreuzigungsgruppe von etwa 1670

▲Bei der Neugestaltung des Chorraums nach dem II. Vatikanischen Konzil wurde der neogotische Hauptaltar entfernt, den Schreinermeister Stratmann schon 1879 für die alte Kirche geschaffen hatte. An seiner Stelle steht heute wieder eine aus Holz geschnitzte, barocke Kreuzigungsgruppe von ca. 1670, die schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts den Hochaltar der Vorgängerkirche geschmückt hatte und von Hertel in der nordwestlichen Seitenkapelle aufgestellt worden war. Ihr moderner Sockel und der Altartisch, Werke von Hubert Teschlade aus Nienberge, haben dieselbe Form und weisen damit auf den inneren Zusammenhang zwischen der Lebenshingabe Jesu am Kreuz und seiner Vergegenwärtigung in der Eucharistie am Altar hin.

Tabernakel

▲ Antonius der Große (* angeblich 251; † 356) war ein christlicher  ägyptischer Mönch, Asket, Anachoret und Einsiedler. Er wird auch Antonius der Einsiedler, Antonius Eremita, Antonius Abbas und Antonius von Koma genannt. Er wird oft als „Vater der Mönche“ bezeichnet und ist vermutlich der bekannteste Wüstenvater.

▲ Die bekanntesten Attribute des heiligen Antonius sind das Jesuskind, das auf eine Vision des Heiligen zurückgeht, und die weiße Lilie als Sinnbild der Jungfräulichkeit. Die Darstellung mit dem Kind geht auf eine erstmals 1350 belegte Vision des Heiligen zurück. Ikonographisch ist dieses Motiv erst ab 1500 nachweisbar.

▲ August Schmiemann (1846-1927) schuf aus Baumberger Sandstein die beiden Heiligenfiguren im südlichen Seitenchor von St. Pantaleon in Roxel. Bei der Figur auf der rechten Seite handelt es sich um den heiligen Antonius von Padua. Antonius galt als letzte Hoffnung von Pestopfern, gilt als Patron der Haustiere und vor allem der Schweine, weshalb ihm gerade die ländliche Bevölkerung große Verehrung zuteil werden ließ. Auf der linken Chorseite befindet sich die Figur von Antonius dem Eremiten. Er wird oft als „Vater der Mönche“ bezeichnet. Man schätzt, dass August Schmiemann rund 150 Kirchen in und um Münster verschönert hat. Manche seiner Werke schafften es sogar bis nach Holland und Amerika. Den Baumberger Sandstein dafür bezog er übrigens unter anderem vom Steinbruch Rumer aus Havixbeck (später bekannt als Hesselmanns Kuhle), wie einer Akte im Landesarchiv NRW zu entnehmen ist. 

Fenster im Seitenschiff

 

Das hl. Herz Jesu erscheint St. Margareta Maria Alacoque. (Das ursprüngliche Fenster mit der Darstellung einer Krankenheilung durch den hl. Pantaleon wurde 1944/45 zerstört. Das jetzige wurde von Josef Menke im Stil der übrigen Fenster und in der Farbgebung noch vorhandener Fragmente neu entworfen.)

 

Fa. Josef Menke, 1949 - 1950
Antikglas/Blei/Schwarzlot/Silbergelb

Santa Maria, ora pro nobis!

Das Marienbild, das in einem kostbaren Rahmen hängt, ist eine Kopie eines römischen Gnadenbildes. Die Verehrung dieser "Mutter der immerwährenden Hille“ verbreitete sich im letzten Jahrhundert. Die Art der Darstellung kommt von den sog. "Fassionsrnadonnen" der ostkirchlichen Ikonen her. Beim ersten Blick fällt sofort Maria ins Auge, die das Jesus-Kind auf dem linken Arm trägt. Beim zweiten Blick fallen die beiden Engel in den Ecken des Bildes auf. Es sind Michael und Gabriel, die die Leidenswerkzeuge tragen (Kreuz, Lanze, Stock mit Essigschwamm) und sie dem Jesuskind zeigen als Hinweis aut den Tod am Kreuz. Jesus versucht erschreckt, bei seiner Mutter Schutz davor zu finden. Von der heiligen Bewegung hat sich seine rechte Sandale gelöst und hängt lose am Fuß. Die Kerzen vor diesem Bild zeigen, dass viele Menschen die Begleitung Marias in den schweren Stunden des eigenen Lebens erbitten und so Trost finden. "Santa Maria, ora pro nobis! (bete für uns)!" steht auf dem Holzrahmen.

 

Geburt Jesu, Maria und Josef, Hirten bei der Anbetung des Kindes, links: Hl.St. Agnes, rechts Hl. St. Barbara

Die vier Statuen der Kirchenväter Hieronymus, Ambrosius, Augustinus und Gregor der Große von Johann Wilhelm Gröninger. 

St. Augustinus
St. Ambrosius
Hl. Antonius v. Pad. und Hl. Stehpanus
Hl. Ignatius und Hl. Agatha

Einen besonderen Glanzpunkt der Pantaleon-Kirche stellen die Bildfenster im Chor und den Querhausarmen dar. Die mittelalterliche Technik der musivischen Glasmalerei, bei der die Bleifassungen der Glasstücke die Konturen der Zeichnung bilden und diese durch Malen mit Schwarzlot verfeinert wird, ist hier kombiniert mit naturalistischen Porträts im Stil des 19. Jahrhunderts.

▲ Die Heilige Familie.
Fa. Hertel und Lersch, 1900
Fenster in der Turmkapelle,
Antikglas/Blei/Schwarzlot/Silbergelb

▲ Tod des hl. Joseph von Nazaret.
Fa. Hertel und Lersch, 1900
Fenster in der Turmkapelle,
Antikglas/Blei/Schwarzlot/Silbergelb

▲ Maria und Johannes unter dem Kreuz,
zu Jesu Füßen St. Maria Magdalena.
Unten: Jesus am Ölberg, über dem Kreuz: Geisttaube,

 

▼ im Maßwerk: Gott Vater.
Fa. Hertel und Lersch, 1900
Fenster im Chor,
Antikglas/Blei/Schwarzlot/Silbergelb

▲ Schlüsselübergabe an Petrus.

Bildtext: WEIDE MEINE LÄMMER, WEIDE MEINE SCHAFE.

Unten: Mose mit den Gesetzestafeln.

Im Maßwerk: Hirsche an der Quelle, Lamm mit Siegesfahne.

Fa. Hertel und Lersch, 1900
Fenster im Chor,
Antikglas/Blei/Schwarzlot/Silbergelb
Signatur: Hertel u. Lersch Düsseldorf 1900

Das Jüngste Gericht. Fa. Hertel und Lersch, 1900, Fenster im Querschiff,
Antikglas/Blei/Schwarzlot/Silbergelb, Signatur: Hertel u. Lersch

 
 

▲▼ Anbetung der Hl. Drei Könige.
Fa. Hertel und Lersch, 1900
Fenster im Querschiff,
Antikglas/Blei/Schwarzlot/Silbergelb
Signatur: Hertel u. Lersch Hofkunstglasmalerei

▲ Anbetung der Hl. Drei Könige.
Fa. Hertel und Lersch, 1900
Fenster im Querschiff,
Antikglas/Blei/Schwarzlot/Silbergelb
Signatur: Hertel u. Lersch Hofkunstglasmalerei

▲ Anbetung der Hl. Drei Könige.
Fa. Hertel und Lersch, 1900
Fenster im Querschiff,
Antikglas/Blei/Schwarzlot/Silbergelb
Signatur: Hertel u. Lersch Hofkunstglasmalerei

▲ Fenster im Chor

 

Im Maßwerk: Geisttaube.
Fa. Hertel und Lersch, 1900
Antikglas/Blei/Schwarzlot/Silbergelb
Signatur: Hertel u. Lersch Düsseldorf 1900

▲ Fenster im Chor

 

Sendungsauftrag:

GEHET HIN UND LEHRET ALLE VÖLKER.

Unten:

König Salomon und die Königin von Saba.

 

Eingangshalle im Turm

In der Eingangshalle des Turms ist die Grabplatte eines Adeligen aus dem 12. Jahrhundert aufgestellt.

Johan von Steueninck zum Hause Broick
Johan von Steueninck und Maria Bischopinck

An der Nordwand des Turmes wurde 2001 die Grabplatte eines adeligen Laien aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, also der Zeit der Pfarrgründung, wieder im Turm aufgestellt. Daneben haben heute drei Epitaphe ihren Platz gefunden, die ursprünglich an der Außenwand der alten Kirche angebracht waren. Zwei von ihnen, aus den Jahren 1645 und 1648, erinnern an Johann von Stevening (Steueninck) und seine erste Frau Maria von Bischoping, die auf dem westlich von Roxel gelegenen Haus Brock (Broick) gelebt haben und auf dem Roxeler Friedhof ihre Familiengrabstätte hatten. Die deutschen Bibelzitate in der Übersetzung Luthers und der evangelische Kirchen „Wer Gott vertraut / hat wohl gebaut" von Joachim Magdeburg zeigen, dass die beiden Verstorbenen dem evangelischen Bekenntnis angehörten, das sich Anfang des 16. Jh. auch im Münsterland ausgebreitet hatte. Während die einfache Bevölkerung nach den Wiedertäuferunruhen 1533/34 und unter dem Druck der Gegenreformation bald zur katholischen Kirche zurückkehrte, blieben viele Adelsfamilien noch bis weit ins 17. Jahrhundert hinein dem neuen Glauben treu.

 

Das dritte, nur mit einer Inschrift versehene Epitaph ist ein Zeugnis für die unmittelbaren Folgen der Französischen Revolution in Roxel, wo 1794 allein 22 französische Priester Zuflucht suchten. Das Epitaph ist, wie die lateinische Inschrift besagt, für Jean Albert Joseph Comte de Buisseret de Blavenghem und seine Tochter Clara errichtet worden, die hier, obwohl in Münster gestorben, 1800 bzw. 1799 beigesetzt worden sind. Turm und nördliche Seitenkapelle vereinen somit mehrere Überreste aus dem 12. bis frühen 19. Jahrhundert, die Zeugnis geben von der bewegten Geschichte Roxels und der Pantaleon-Kirche in den vergangenen 800 Jahren.

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