Südfriedhof Herne-Sodingen

Der Südfriedhof in Herne ist ein städtischer Friedhof, der zum Stadtbezirk Sodingen gehört. Der Friedhof hat eine Gesamtfläche von rund 31,34 Hektar und mit etwa 37.000 Grabstellen gegenwärtig der größte Friedhof auf Herner Stadtgebiet. Der 1905 entstandene und am 01. August eröffnete Südfriedhof beherbergt eine Reihe architektonisch interessanter Grabmäler und zählt auch zu den bedeutendsten Grünanlagen der Stadt.

Friedhofskapelle von Westen: Die Friedhöfe der Stadt Herne bieten in ihren parkähnlichen Anlagen mehr als nur Begräbnisstätten. Sie sind Orte sowohl der Trauerbewältigung als auch der stillen Erholung. Deshalb werden die Friedhöfe durch den Fachbereich Stadtgrün vielseitig gestaltet.

Der Haupteingang mit der breiten asphaltierten Auffahrt zur Trauerhalle liegt an der Wiescherstraße, am westlichen Teil des Geländes. Außer diesem gibt es sechs weitere Eingänge. Das ursprünglich sumpfige Gelände mit Flurnamen Wiescherfeld lag an der damals wichtigen Verkehrsstraße von Herne über Hiltrop nach Bochum. Die junge Stadt Herne entschloss sich, hier ihren ersten eigenen kommunalen Friedhof anzulegen, um die bis dahin genutzten konfessionellen Friedhöfe im Innenstadtbereich zu entlasten und nötige Ausbauflächen zu gewährleisten. Nach mehreren Erweiterungen – die letzte Anfang der 1990er-Jahre mit Ausbau der preis- und laufzeitgünstigen Grabkammersystemen – umfasst er in 164 Abteilungen neben den reinen Begräbnisflächen etwa 20 Hektar Wald-, Wiesen- und Wegeflächen und ist damit der größte Herner Friedhof.

Der Herner Südfriedhof ist von seiner gärtnerischen Gestaltung her ein reiner Parkfriedhof mit dichtem Baumbestand und befestigten breiten, alleenartigen Wegen. Dadurch eignet er sich im Sommer wie im Winter sehr gut für ausgedehnte Spaziergänge. Auch ist der Südfriedhof ein wichtiger Teil des Herner Grüngürtels: Dort liegt er am Schnittpunkt der Parklandschaft vom Gysenberg (Castroper Höhen) über den ehemaligen und heute begrünten Schacht 11 der Zeche Vereinigte Constantin der Große und dem Constantiner Wald, welcher von dort aus bis nach Bochum weitergeführt wird.

Friedhofskapelle

Gleichzeitig mit der Anlage der eigentlichen Begräbnisfelder wurden auch Pläne für die zugehörigen Friedhofsbauten, insbesondere die der Trauerhalle und die der Pförtnerhäuser, konkretisiert. Auch sie sollten nicht nur ihren Zweck erfüllen, sondern auch den Eingangsbereich des neuen Friedhofs schmücken. Hierzu plante man, die Bauten in einem an die Neuklassizismus angelehnten Stil zu errichten. Allerdings dauerte es von der Eröffnung des Friedhofs bis zur Fertigstellung der Bauten noch einige Jahre. Die Trauerhalle am Ende der Allee des Haupteingangs wurde schließlich im Jahre 1909 fertiggestellt. Die bis heute genutzte Halle beinhaltete von Anfang an auch einen Büroraum der Friedhofsverwaltung sowie Leichenaufbahrungszellen. Planer des Gebäudes war der Herner Stadtarchitekt Karl Kurzreuther (1875–1961), der für diesen Bau eine Prämie erhielt.

 

Der Bau selbst ist ein eineinhalbgeschossiger Massivbau mit Putzfassade. Ein portikusartiger Vorbau mit vier dorischen Säulen dient als Eingangsbereich. Darüber befinden sich ein Architrav und ein Dreiecksgiebel mit stehender ovaler Stuckkartusche im Giebelfeld. Das Gebäude weist ein Mittelrisalit auf breitem, flachem oktogonalem Turm mit einem Zeltdach auf. Die seitlichen flacheren Gebäudeteile sind mit großen Walmdächern und Dachreitern versehen. Der südliche Gebäudeflügel mit Büro und Toiletten hat einen offenen Arkadengang. Eine grundlegende Renovierung der Kapelle wurde 1988/89 durchgeführt, die Bemalung erfolgte vom Künstler Kai Wunderlich. Die Trauerhalle war zunächst nicht ausgelastet, da die meisten Beerdigungen, wie es Anfang des 20. Jahrhunderts noch weitgehend üblich war, unmittelbar vom Sterbehaus aus stattfanden. Da jedoch im Zuge des raschen Bevölkerungswachstums und der zunehmend beengten Wohnverhältnisse eine längere Aufbahrung der Verstorbenen zu Hause aus räumlichen und hygienischen Gründen unzumutbar erschien, entschloss sich die Stadtverwaltung 1935, die Beerdigung vom Sterbehaus aus zu verbieten. Ein weiterer Grund waren auch die langen Trauerzüge, welche sich über die Hauptstraßen Hernes zum Südfriedhof hinzogen.

Alpha und Omega, der erste und der letzte Buchstabe des klassischen griechischen Alphabets, sind ein Symbol für Anfang und Ende, damit für das Umfassende, für Gott und insbesondere für Christus als den Ersten und Letzten. Alpha und Omega tauchen häufig als Begleitmotiv zum Christusmonogramm auf. Über dem Eingang der Friedhofskapelle finden wir die beiden Zeichen in umgekehrter Folge, da jedes Ende auch einen neuen Anfang in sich trägt.

 

Omega und Alpha – jedes Ende birgt einen Anfang

Von den in der Anfangszeit des Südfriedhofs errichteten Gebäuden sind die Trauerhalle und das Gärtnerwohnhaus erhalten geblieben. Die ursprünglichen Pförtnerhäuser sind in den 1990er Jahren abgetragen worden, nachdem lange Jahre die Betriebskrankenkasse der Stadt Herne dort ihre Heimat hatte.

Ehrenfriedhöfe

Auf dem Südfriedhof findet man auch Kriegsgräber aus beiden Weltkriegen, eigenständige Soldatenfriedhöfe und Ehrengrabanlagen von Gruben-Unglücksopfern.

 

Ehrenfriedhof für gefallene deutsche Soldaten beider Weltkriege

Ehrenfriedhof für gefallene deutsche Soldaten beider Weltkriege, 234 Gräber. Als Denkmal wurde 1933 ein Bronzeadler auf einen Steinsockel aufgestellt. Wilhelm Hahn aus Herne entwarf das Denkmal, der Bronzeguss wurde in München von der Kunstgießerei A. Brandstetter ausgeführt.

Soldatenfriedhof Erster Weltkrieg und Zweiter Weltkrieg

Das Kriegerdenkmal (1934)
Das Kriegerdenkmal wurde am 25. Februar 1934 auf dem „Ehrenfriedhof für gefallene Soldaten” enthüllt. Der Entwurf des bronzenen Adlers mit ausgebreiteten Schwingen stammt von dem Herner Künstler Wilhelm Hahn (1908 - 1961). Die Skulptur steht auf einem Sarkophag-ähnlichen Steinquader aus Muschelkalk. Das Denkmalumfeld mit der freien Sichtachse zur Trauerhalle unterstützt die martialische Wucht des Ensembles. Bereits als das Denkmal eingeweiht wurde, hatte es eine kontroverse Geschichte hinter sich. Die Stadtverwaltung hatte den 1926 eingereichten Antrag des Kreiskriegerverbandes Herne aufgrund des teils reaktionären Charakters der Kriegervereinejahrelang blockiert. 1933 griff die NSDAP die Initiative wieder auf und realisierte das Kriegerdenkmal nunmehr unter nationalsozialistischer Ägide. Der Volkstrauertag wurde ab 1934 zum „Heldengedenktag” umgedeutet, das Sterben glorifiziert. Die toten Soldaten des Ersten Weltkriegs wurden für die neue Kriegspropaganda instrumentalisiert. Nach 1945 wurde das Denkmal durch eine Erweiterung der Inschrift auch den Gefallenen des Zweiten Weltkriegs gewidmet. lm Jahr 1993 erfolgte der Eintrag der gesamten Anlage des Ehrenfriedhofs in die Liste der Baudenkmäler der Stadt Herne. Schülerinnen und Schüler des  Otto-Hahn-Gymnasiums machten im Jahr 2011 auf die nationalsozialistische Symbolik des Denkmals aufmerksam und fragten nach seinem historischen Kontext. Sie gaben damit ein öffentlichkeitswirksames Signal, das zu einer nachhaltigen Veränderung im Umgang mit dem Ehrenmal führte. Das Kriegerdenkmal wird heute weniger als Symbol der Trauer für die Opfer beider Weltkriege interpretiert, sondern eher als Warnung vor der Vereinnahmung der Opfer durch die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus.

Nach 1945 wurde das Denkmal durch eine Erweiterung der Inschrift auch den Gefallenen des Zweiten Weltkriegs gewidmet.

Ehrenfriedhof für zivile Opfer des Luftkrieges

Ehrenfriedhof für zivile Opfer des Luftkrieges, 240 Gräber. Auf dieser Anlage befinden sich auch die Gräber der 130 Bürger, die bei dem schweren Bombenangriff am 6. November 1944 den Tod fanden.

 

Seit 1968 erinnert eine Plastik des Dortmunder Bildhauers Herbert Volwahsen an alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Das Mahnmal aus Bronze zeigt eine hockende Gestalt mit nach oben gerecktem Arm. In seiner reduzierten figürlichen Formensprache ist es ein Beispiel für die konservative Gestaltung der Zeit. Das Mahnmal wurde von Oberbürgermeister Robert Brauner eingeweiht.

Herbert Volwahsen  (* 11. Oktober 1906 in Skorischau, Oberschlesien; † 23. März 1988 in Murnau am Staffelsee) war ein deutscher Bildhauer und Hochschullehrer. Er war einer der anerkannten figurativen Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Das Frühwerk der 20er Jahre zeigt eine deutliche Nähe zum Expressionismus, eine neue Formensprache findet Volwahsen ab den 50er Jahren in einer reduzierten Stilisierung der menschlichen Gestalt. Ein charakteristisches Kennzeichen seiner Skulpturenist die innere und äußere Bewegung und Bewegtheit der Figuren. Sie bringen stets ein Anliegen zum Ausdruck und zeigen in Ihrer Dynamik die Auseinandersetzung mit dem Ausdruckstanz.

Ehrenfriedhof für zivile Opfer des Luftkrieges

Ehrenfriedhof für Kriegstote fremder Staaten

Ehrenfriedhof für Kriegstote fremder Staaten, 374 Gräber. Das im Jahre 1989 an diesem Ort errichtete Mahnmal trägt die Inschrift:

 

Als Opfer des nationalsozialistischen Krieges

ruhen hier mindestens 477 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter

– Männer und Frauen –

vor allem aus der Sowjetunion und Polen.

Kriegsgefangene und Fremdarbeiter anderer Nationen. Die Verstorbenen haben hier ein ewiges Ruherecht.
Platanenallee: Hier erkennt man an der Schräglage der Bäume die überwiegende Windrichtung?

Opfer des Kapp-Putsches

Auf dem Südfriedhof an der Wiescherstraße erinnert ein Denkmal an die Opfer des Kapp-Putsches – benannt nach dem Erzreaktionär Wolfgang Kapp (1858-1922) . Nach diesem Kapp-Putsch in Berlin am 13. März 1920, dem ersten Versuch von Rechts, die junge deutsche Republik zu zerstören  und die Revolution von 1918 rückgängig zu machen, riefen die Arbeiterführer zu einem Generalstreik auf. Es kam zu revolutionsartigen Unruhen, bei denen im März/April 1920 vier Herner Arbeiter erschossen wurden. Zunächst bestattete man diese Opfer an verschiedenen Stellen, doch am 23. April wurden sie umgebettet, bevor am 1. Mai 1921 die neue Gedenkstätte eingeweiht werden konnte. Heute steht dort der Granitfindling  mit einer Gedenktafel aus Bronze, auf der folgender Text – es ist der gleiche wie der von 1921 – zu lesen ist:

 

GEWIDMET DEN MÄRZ-GEFALLENEN IM JAHRE 1920

VON DER FREIORGANISIERTEN ARBEITERSCHAFT HERNE

DIR HAT DAS SCHICKSAL EINEN GEIST GEGEBEN

DER UNGEBÄNDIGT IMMER VORWÄRTS DRÄNGT

Gedenkstätte für den Generalstreik gegen den Kapp-Putsch
Die ursprüngliche Tafel wurde in der NS-Zeit entfernt. Vor dem Naturstein- Monument befinden sich vier kleine schlichte Naturgrabsteine, in welche die Namen und bekannten Lebensdaten der Opfer eingemeißelt sind
Gedenktafel für den antifaschistischen Widerstand

Franz Winkel + 19.3.1920
Gustav Sotter * 23.6.1900 + 19.3.1920
Rochus Steinert * 6.8.1885  + 9.4.1920
Gustav Breuning * 22.6.1900  + 29.3.1920

Eine Gedenktafel neueren Datums gibt folgende Informationen:  "Die Erinnerungstafel für die Herner Opfer der Unruhen im März 1920 anlässlich des Kapp-Putsches wurde 1921 aufgestellt, in der Zeit des Nationalsozialismus entfernt und 1997 mit dem ursprünglichen Text erneuert."

Ehrengrabanlagen für Opfer von Bergbauunfällen

Ein Kurzschluss in einer elektrischen Lokomotive war der Auslöser des Unglücks vom 23. November 1922, der den Streckenausbau in Flammen setzte. In den Brandgasen erstickten zehn Bergleute. In einer aus Backsteinen gemauerten Ehrenmal erinnert eine Bronzetafel an dieses Unglück auf der Zeche Shamrock.

Gedenkstein für das Grubenunglück 1922 auf der Zeche Shamrock I/II, Abt.
Grubenunglück 1922

Am 29. Juli 1959 kostete ein Strebabbruch sieben Bergleuten, wenige Wochen später am 9. September 1959 zwei Bergleuten das Leben. Bei einem weiteren Unglücksfall am 29. September 1967 starben vier Bergleute. Zur Erinnerung wurde diese Gedenkstätte errichtet. Beiderseits einer Skulptur eines trauernden Bergarbeiters wird auf zwei Bronzetafeln und an die Toten erinnert.

Grubenunglücke 1959 und 1967
Zum Gedenken an die am 29. Juli 1959 verunglückten Bergleute der Zeche Shamrock I/II – Hibernia AG
Zum Gedenken an die am 29. September 1967 verunglückten Bergleute der Zeche Shamrock I/II – Hibernia AG.

Grabstätten und Denkmäler

Neben lokal bedeutenden Persönlichkeiten haben auch mehrere über die Stadtgrenzen Hernes hinaus bekannte Künstler, Unternehmer und Sportler auf dem Südfriedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden. Die bekanntesten Personen, die hier begraben liegen, sind:

 

  • Karl Behrens (1854–1906), Bergrat und Vorsitzender der Emschergenossenschaft

Karl Behrens (Bergrat)

Karl Behrens (* 14. Februar 1854 in Tribsees; † 2. Juli 1906 in Halberstadt) war ein deutscher Ingenieur und Manager. Er war einer der Spitzenrepräsentanten des deutschen Steinkohlebergbaus im Deutschen Kaiserreich.

Am 15. Januar 1878 wurde er zum Bergreferendar ernannt und am 8. April 1882 zum Bergassessor, er arbeitete später als Berginspektor bei der Berginspektion Königshütte. 1884 wurde er zum Direktor der Berginspektion Borgsloh ernannt. Die Ernennung zum Bergrat erfolgte 1887. Vom 1. September 1889 bis zum 2. Juli 1906 war Behrens Generaldirektor und alleiniger Vorstand der Bergwerksgesellschaft Hibernia in Herne. Er war Nachfolger von Bergassessor a. D. Leo Gräff. Durch ihn wurde die Hibernia durch Angliederung neuer Felder und Zechen (Nosthausen, Shamrock 3/4, Schlägel & Eisen, Alstaden) zu einem der größten Bergwerksunternehmen des rheinisch-westfälischen Steinkohlenbergbaus. Er selbst gehörte zu den angesehensten Führungspersönlichkeiten im Revier. Die Schächte Shamrock 3/4 wurden 1906 nach ihm in Behrens-Schächte umbenannt. Sein persönliches Interesse galt auch den allgemeinen Fragen des Industriebezirks. So war er vom 20. Mai 1897 an stellvertretender Vorsitzender der Handelskammer zu Bochum und war an der Gründung der Emschergenossenschaft beteiligt. 1905 bis 1906 war er für den Wahlkreis Bochum-Land und die NLP Mitglied im Provinziallandtag der Provinz Westfalen. Verheiratet war er mit Gertrud geb. Scherbening (* 17. Juli 1864 in Lipine (Oberschlesien); † 18. Juli 1950 in Düsseldorf), Tochter (5. Kind) des Hermann Leopold Scherbening und der Wilhelmine Scherbening geb. Mauve. Als seine Ehefrau erwarb sie sich in ihrem damaligen Wohnort Herne Achtung und Ansehen durch die Mitstiftung des „Evangelischen Kinderheimes Herne“, das am 14. Mai 1911 eingeweiht wurde, sowie als Gründerin und Vorsitzende des Ortsgruppe Herne des Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz.

  • Emilie Flottmann geb. Teichgräber (1852–1933), Unternehmerin
  • Otto Heinrich Flottmann (1875–1944), Unternehmer, Ehrenbürger der Stadt Herne
  • Otto von Velsen (1869–1945), Bergrat und Bergwerksdirektor
  • Franz Xaver Düwell (1869–1952), Pfarrer und Dechant
  • Karl Hölkeskamp (1882–1954), Politiker (SPD)
  • Leo Reiners (1898–1958), Journalist, Kommunalbeamter und Heimatforscher
  • Robert Brauner (1907–1992), Politiker (SPD), Oberbürgermeister von Herne
  • Else Drenseck (1911–1997), Politikerin (SPD) und Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt
  • Karin Hussing (1941–1999), Politikerin (CDU)
  • Wilhelm Pohlmann (1928–2000), Politiker (SPD) und Oberbürgermeister von Herne
  • Norbert Schlottmann (1930–2004), Politiker (CDU)

Einige sehenswerte Familiengrabstätten

Die ältesten und meist auch architektonisch aufwändigsten Grabstätten auf dem Herner Südfriedhof findet man im ursprünglichen Teil des Friedhofs. Dabei liegen repräsentative Familiengräber meist direkt an den Haupt- und Rundwegen, während einfache Reihengrabstätten von Anfang an in den hinteren Flurbereichen angelegt wurden. Betritt man den Südfriedhof vom Haupteingang aus und geht den Hauptweg in Richtung der Friedhofskapelle entlang, sieht man an den Seiten einige für den Historismus typische Grabmäler, beispielsweise auf der rechten Seite des Hauptwegs die als Dorischer Tempel errichtete Grabstätte Schulte-Hilrop sowie das im Jugendstil gehaltene Grab der Familie Cremer.

Grabstätte Schulte-Hilrop

Mausoleum: Grabanlage Schulte-Hiltrop

Die im benachbarten, ursprünglich zur Gemeinde Herne gehörenden Hiltrop ansässigen Schulte-Hiltrop entstammten einer zu Wohlstand gekommenen Bauernfamilie. Die Anlage der Gruft als griechischer Totentempel nimmt in ihrer Fassung die Trauerhalle auf oder vorweg. Seit 2000 steht die Anlage aus Gruft, einigen Gräbern und originalem Jugendstil-Gitter, die von der Familie weiterhin belegt wird, unter Denkmalschutz. Die älteste dort beigesetzte Person ist die nachträglich hierher umgebettete Hildegard Schulte-Hiltrop (* 14. September 1891; † 30. September 1892).

In der unterirdischen Grabkammer findet man die Särge der Verstorbenen. Man sieht Platten, die geöffnet werden können und den Zugang freigeben. Die letzte Bestattung war hier im Jahre 2016.

Architektonisch wurde hier die Friedhofskapelle mit ihren 4 dorischen Säulen wieder aufgenommen.

Grabstätte Friedrich Cremer

Grabstein Cremer

Friedrich Cremer (* 22. Januar 1836; † 24. Februar 1920) war ein bedeutendes Mitglied der Herner Gemeinde und ihrer Selbstverwaltung im spätehn 19. und frühen 20. Jahrhundert. Als Vorsteher der Landgemeinde von 1872 bis 1897 und Beigeordneter des Magistrats der jungen Stadt war er maßgeblich an ihrem Aufbau beteiligt. Dafür sorgten nicht zuletzt seine langjährige Arbeit als Landtagsabgeordneter im Provinzial-Landtag für den Landkreis Bochum (zu dem Herne gehörte), als Mitglied des Bezirksausschusses bei der Bezirksregierung Arnsberg und Gutachter der Landgerichte Bochum, Dortmund und Essen sowie der Oberlandesgerichte Hamm und Düsseldorf. Die Grabstelle wird nicht mehr belegt. Erhalten ist der Grabstein, der seit 2000 unter Denkmalschutz steht.

Familiengrab Alexander Beien

Familiengrab Alexander Beien

Familiengrab Alexander Beien (* 19. Juli 1859; † 9. Februar 1943)

Der Ingenieur Alexander Beien war 1885 Gründer der Eisengießerei und Maschinenfabrik Beien. Diese stellte hauptsächlich Maschinen für die Kohlegewinnung und -förderung her. Besonders die Beien-Druckluftmotoren, Blasversatzmaschinen / Zellenrad-Versatzmaschinen und Fördermaschinen erlangten Weltruf. Die Firma ging später in die Klöckner-Werke über. Neben seinen Kindern ist hier auch sein Schwiegersohn Ernst Oellrich beigesetzt. Das Grabmal steht seit Anfang der 2000er Jahre unter Denkmalschutz.

Der trauernde Hirte wacht über die Toten.

Das Familiengrab wird auf der Rückseite von einer halbhohen Mauer aus Muschelkalk begrenzt, die rechts und links zu einem Postament für Blumenschalen ausgebildet ist. In der Mitte ist ein weit vorkragender Quader angeordnet, auf dem sich eine lebensgroße klassisch gewande­te Hirtenfigur aus Bronze befindet. Die Knabenfigur sitzt auf dem Postament aus Stein. Ganz offensichtlich ist die Hirtenfigur in Trau­er, was an der Mimik, dem nach unten gesenkten Kopf und der insgesamt erschlafften Körperhaltung abzulesen ist. Als Hirte wird die Figur gekennzeichnet durch den gekrümmten Hirtenstab, den sie zwischen den Oberschenkeln abgestützt und an die linke Schulter gelehnt bei sich hat. Gekleidet ist die Figur nur mit einer über der linken Schulter offenen Tunika sowie Sandaletten aus Lederriemen. Außerdem trägt sie auf der linken Seite an einem Gürtel eine Kürbisflasche. Die gesamte Figur ist aus Bronze gefertigt. Zumindest für die Hirtenfigur, vielleicht auch für die gesamte Schmuckanlage, wurde der namhafte Bildhauer Selmar Werner  (1863-1963) beauftragt. Der Holz und Steinbildhauer, Maler und Grafiker mit einer Professur in Dresden war bekannt geworden durch sein Schillerdenkmal in Dresden-Neustadt, Kriegerehrungen in der Kreuzkirche Dresden in Wiesbaden und auch das Grabmal Karl Mays in Radebeul. Viele weitere Werke an prominenten Bauten stammen aus seiner Hand.

Familiengrab Wittkamp

Familiengrab Wittkamp (1914–1973)

Weitere Gräber und Gruften

Familiengrab Niermann

Familiengrab Niermann

Grabstätte Schuster

Grabstätte Schulte

Kokumbarium

Die Stadt Herne bietet auf dem Südfriedhof an der Wiescherstraße die Beisetzung von Urnen in einem Kolumbarium (Urnenwand) an. Der Vorteil ist, dass diese Grabstellen nicht von den Hinterbliebenen gepflegt werden müssen. Pro Urnennische können zwei Urnen beigesetzt werden. Es besteht die Möglichkeit das Nutzungsrecht für diese Grabstellen auch schon vor Eintritt des Sterbefalls zu erwerben. Die Ruhefrist beträgt 15 Jahre und kann auf Antrag verlängert werden. Nach Ablauf der Ruhefrist erfolgt die Beisetzung in einem anonymen Urnengrab durch Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung.

Gräberfeld mit Sammlung historischer Grabsteine

Auf einem neu hergerichteten Gräberfeld findet man eine Sammlung historischer Grabsteine. Ursprünglich lagen diese seit Jahrzehnten versteckt hinter Büschen und Bäumen im Grabfeld 30a am südlichen Weg von der Trauerhalle zum Ehrenfriedhof verstreut. Das Feld ist umringt von neueren Urnengräbern. Auch die Umrandungen des Gräberfelds sind historisch. Eine wirklich aufmerksame Maßnahme der betreffenden Stelle, zumal das nicht selbstverständlich ist. Noch vor Jahren wurden stadtgeschichtlich bemerkenswerte Grabstellen entsorgt. Das wird sich hoffentlich nicht mehr wiederholen.

Helene

Sütmersen

1884 - 1917

 

 

 

 

Knapp gehalten ist die Inschrift des in weißer kreuzesform gearbeiteten mit einem steinernen Laubkranz belegten Stein. Am 27. Juli 1884 wird Helene Sütmersen als Tochter des Bergmanns Heinrich Sütmersen und Anna Nagel in Herne geboren und am 17. August evangelisch getauft. 1908 wird eine Helene Sütmersen als Haushälterin des Bäckermeisters Heinrich Sütmersen erwähnt. Am 16. Juli 1917 stirbt die "Stütze" Helene Sütmersen an einer "Allgemeinen Blutvergiftung mit Herzschwäche" und wird am 19. Juli 1917 beigesetzt.

Hier ruht in Gott mein lieber Mann

und guter Vater Ernst Branz

* 7.12.1883 † 25.03.1917

Auf Wiedersehn!

 

 

 

Der Kohlenhauer und Fuhrmann Ernst Wilhelm Branz wohnte auf der Mont-Cenis-Straße 57, war verheiratet mit Karoline Friederike Wilhelmine Rüger und am 7. Dezember 1883 in Bebra-Asmushausen geboren. Seine Eltern waren Johann Christoph Branz und Anna Martha Gertruda Apel. Am 25. März 1917 starb er an der Lungenschwindsucht und wurde am 28. März 1917 auf dem Südfriedhof beigesetzt. Er hinterließ seine Ehefrau und ein 5 jähriges Kind. 1914 wird  ein Heinrich Branz, Hauer erwähnt. Das Kind war Martha Charlotte Branz, welche am 18. Dezember 1911 geboren und am 7. Januar 1912 in der Hauptkirche getauft worden war. Als Mutter wurde Lina Rüger eingetragen. 

Ruhestätte meiner innigstgeliebten Gattin, meiner treusorgenden Mutter,  unserer guten Schwester,  Schwägerin u. Tante Elisabeth Neuhaus

geb. Blotenberg geb. 17. Juni 1860,

gest. 16. August 1908. Die Hand der Liebe deckt Dich zu. Sanft sei Dein Schlaf und süss die Ruh!

 

Diese katholische Verstorbene starb mit 46 Jahren. Der abschließende Spruch ist der ersten Strophe des Hymnuses “Wohlan die Erde wartet dein“ von Georg Rhau (um 1540) entnommen, ein sehr bekanntes Trauerlied seiner Zeit. Der Kaufmann Jean Vogel meldete als Dabeigewesener den Behörden den Tod. Geboren in Dortmund war sie mit  Josef Neuhaus verheiratet. Ihre Eltern waren der Zugführer Hermann Blotenberg und Elisabeth Ebest, zuletzt in Wanne wohnend.

Hier ruht in Frieden
Unser lieber Sohn u. Bruder
Willy Plenter
* 1.4.1902 + 24.5.1917
Auf Wiedersehn!

 

 

 

  

Diese Stele aus hellem Sandstein gehört zu Friedrich Wilhelm Plenter, wohnhaft in der Von-der-Heydt-Straße 49 in Herne. Er war am 1. April 1902 in Herdecke geboren und starb als Magazinverwalter mit 15 Jahren - am 24. Mai 1917 im ev. Krankenhaus an Gelenk-Rheumatismus. Er wurde am 28. Mai 1917 beigesetzt. Seine Eltern waren der Fabrikarbeiter Anton Wilhelm Plenter und Clara Thielmann aus Herdecke. Er hatte eine ältere Schwester namens

Clara (* 1899)

Hier ruht mein geliebter Mann

und herzensguter Vater

der Bergmann Max Seidel

geb. 1. Jan. 1875

verungl. Am 16. Mai 1917

Kein We[hen i]m Sehnen

bringt dic[h] uns zurück

Vorbei ist Liebe, Hoffnung und Glück

 

Der verheiratete Bergmann Karl August Max Seidel wurde am 1. Januar 1875 in Ober Hermsdorf im Kreis Waldenburg in Nieder-Schlesien geboren. Er verunglückte am 14. Mai 1917 um 3 Uhr auf Schacht 8/9 der Zeche Constantin 8/9 in Riemke. Beigesetzt wurde er am 20. Mai 1917. Er hinterließ eine Gattin und vier Kindern im Alter von 16, 12, 10 und 1 ½  Jahren.

Hier ruht in Gott

mein lieber Gatte guter Vater

Fritz Hotopp

geb. 4. Juni 1889

verungl. 13. April 1917

Unvergeßlich

bleibst du den Deinen

 

  

Der Kohlenhauer Fritz Hotopp wurde in Karczarningken im Krs. Pillkallen geboren. Er war verheiratet und hatte ein 3- jähriges Kind. Er verunglückte am 15. April 1917 um 12 ½ Uhr im Schacht 10 der Zeche Constantin und wurde am 19. April 1917 im evangelischen Teil des Südfriedhofes beigesetzt.  Fritz Hotopp hat von seiner Frau Auguste Seger am 1. Januar 1914 einen Sohn mit gleichen Namen – Fritz - bekommen. Dieser wurde in Hiltrop geboren um am 18. Januar 1917 in der damaligen Hauptkirche (Kreuzkirche)  getauft. 

Grabstätte Bussmann

Natursteintrockenmauer aus der Zeit des Nationalsozialismus mit Treppenanlage und Brunnen

Versteckte Grabanlagen mit Jugendstil-Stelen auf dem ältesten Teil des Südfriedhofes in Herne

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