◙ Friedhöfe in Witten

Meine ersten Erinnerungen an einen Friedhof gehen zurück auf den Friedhof in Witten-Bommern. Hierhin bin ich als Kind schon von der Oma und der Mutter mitgenommen worden, zur Grabpflege, den toten Opa besuchen und zum Gießen der Blumen und Sträucher. Den Weg zum Grab würde ich noch heute mit geschlossenen Augen finden, hätte man die alten Gräber inzwischen nicht längst entfernt und neu belegt.

 

Durch das eiserne Tor zwischen "Deipenbecke" und "Im Brahm", vorbei an der kleinen Friedhofskapelle und an einem frischen Grab mit Kränzen, daneben die Bank, auf der eine alte Frau ein Butterbrot isst und im Zwiegespräch mit ihrem vor vielen Jahren verstorbenen Mann versunken scheint. Und während Oma und Mutter das Grab neu bepflanzen, sortiere ich als kleiner Steppke die glitzernden Steine vom Nachbar-Grab.

 

Einer der schönsten Tage im Jahr war der 1. November, Allerheiligen, dann pilgerte die ganze Familie in der frühen Dämmerung zum katholischen Friedhof. An diesem Tag verwandeln sich dieser in ein Lichtermeer, die Angehörigen gedachten der verstorbenen Familienmitglieder. Mit Freunden rannte ich mit der Taschenlampe zwischen den Gräbern umher und freute mich über die roten, gelben und grünen Kerzen auf den Ruhestätten. Angst hatten wir nie, denn schon früh impfte uns die Oma ein: „Vor den Toten muss man keine Angst haben, lebendige Menschen können viel gefährlicher sein.“

 

Die alten Friedhöfe erzählen Geschichten; es ist als würden die Toten zu uns sprechen. Kriegsgräber erinnern vielerorts an den ersten und zweiten Weltkrieg, die mit Anker und Bildern verzierten Grabplatten an der Nordsee sprechen von Schiffsunglücken und die mit Teddybären und bunten Windrädern bestückten Gräber rufen uns ins Gedächtnis, dass der Tod für viele Menschen oft viel zu früh kommt. Ein jüdischer Friedhof hingegen ist immer auch die Erinnerung an die Millionen ermordeter Juden, an die, die nie ein Grab bekommen haben.

 

Jedes Symbol auf jedem Grabstein hat seine Bedeutung, der Schmetterling zum Beispiel steht für die Flüchtigkeit des Lebens, Efeu steht für Freundschaft und Treue und der Anker ist ein Bild der Hoffnung. Und so besuche ich Friedhöfe, um selbst in der hektischsten Großstadt Ruhe zu finden und etwas über die hier Bestatteten und deren  Geschichten zu erfahren.

 

Auf Friedhöfen "tobt" das Leben

Auf Friedhöfen kann man heute viel mehr finden als bloß die letzte Ruhe – seltene Vogel- und Pflanzenarten zum Beispiel. Die Grünflächen sind wertvolle Lebensräume für die Natur und besonders in Städten auch wichtige Naherholungsgebiete.

 

Dunkel, verlassen, unheimlich – mit den ungemütlichen Orten aus Vampirfilmen haben die meisten Friedhöfe heutzutage rein gar nichts mehr zu tun. Stattdessen werden Yogaübungen auf dem Friedhofsrasen vollführt, Schulklassen beobachten heimische Vögel, Imker beherbergen dort ihre Bienenvölker. Der Gedanke, Friedhöfe auch als Erholungsorte für Lebende zu nutzen, mag unkonventionell erscheinen. Neu ist die Idee aber nicht. Im Hamburger Stadtteil Ohlsdorf liegt mit einer Größe von 391 Hektar der größte Parkfriedhof der Welt. Der Parkfriedhof sollte schon seit dem 19. Jahrhundert  zwei Funktionen gleichzeitig erfüllen: einerseits einen Ort für Trauer und Besinnung bieten, andererseits auch Begegnungen und Austausch ermöglichen. In den vergangenen beiden Jahren hat der Friedhof als Naherholungsgebiet durch die Corona-Pandemie noch weiter an Bedeutung gewonnen. Die Zahl der Besucher auf Friedhöfen hat während des Lockdowns enorm zugenommen.

 

Auch der Naturschutz spielt eine Rolle bei der Umgestaltung der Friedhöfe – auf nicht mehr genutzten Flächen werden vielerorts Totholzareale oder Blühwiesen angelegt. Denn auch für Insekten, Vögel und Pflanzen sind Friedhöfe wichtige Lebensräume. Ihre Bedeutung für die Stadtökologie kann man kaum überschätzen meint auch der Nabu-Landesverband. Durch ihre kleinteilige Struktur bieten Friedhöfe viele unterschiedliche Habitate auf engem Raum. Der Baumbestand ist oft besonders alt, da man Friedhöfe selbst in der Nachkriegszeit, als der Bedarf an Feuerholz riesig war, aus Pietätsgründen vor der Abholzung verschont hat. Für höhlenbrütende Vögel und viele Fledermausarten sind diese alten Bäume enorm wichtig. Der Nabu schätzt zudem, dass rund 10 Prozent der Farn- und Blütenpflanzen auf Berliner Friedhöfen auf der „Roten Liste“ der bedrohten Arten stehen.

 

Friedhöfe werden sich daher immer mehr zu Parkanlagen entwickeln und dadurch entsteht eine schönere Atmosphäre. Davon profitierten auch diejenigen Besucherinnen und Besucher, die den Friedhof in seiner ursprünglichen Funktion nutzen, um die Gräber verstorbener Angehöriger zu besuchen.

 

Ein Friedhof kann durchaus all diese Funktionen parallel erfüllen – wichtig ist einfach, dass man aufeinander Rücksicht nimmt.

 

Friedhöfe in Witten - folgende Friedhofsanlagen werden hier kommunal verwaltet:

  • Hauptfriedhof – Pferdebachstr. 109 | 58454 Witten
  • Friedhof Annen – Diesterwegstraße 3 | 58453 Witten
  • Friedhof Heven – Steinhügel 53 | 58455 Witten
  • Friedhof Stockum – Hörder Straße 285 | 58454 Witten
  • Friedhof Buchholz – Am Friedhof | 58456 Witten
Friedhöfe im Evangelischen Kirchenkreis Hattingen-Witten

▲ Neben den städtischen Friedhöfen befindet sich in den Trägerschaften der Ev.- und Kath. Kirchen folgende Friedhöfe in Witten:

  • Kath. Friedhof am Trantenrother Weg
  • Kath. Pfarrgemeinde Friedhof St. Marien
  • Ev. Friedhof an der Pferdebachstraße
  • Ev. Kirchengemeinde Witten-Rüdinghausen
  • Ev. Friedhof Witten-Schnee
  • Ev. Friedhof Witten-Bommern

 

Der älteste jüdische Friedhof befand sich auf dem Helenenberg. Er wurde 1867 offiziell eröffnet und 1900 wieder geschlossen. Heute findet man den Jüdischen Friedhof am Ledderken. Hier ist auch der Schwestern-Friedhof der Diakonissen am Evangelischen Krankenhaus angesiedelt.


Auf unseren Friedhöfen lebt mit privater Familiengeschichte verwoben Wittener Stadtgeschichte.

So findet man z.B. auf dem Ev. Friedhof Pferdebachstraße neben einem Gedenkstein für die Opfer der Roburit-Explosion am 16.12.1906 und Soldatengräbern aus den beiden Weltkriegen auch Grabstätten von Persönlichkeiten wie:

  • Pfarrer Johannes Busch (1905 - 1956): Bekennender Christ.
  • Arthur Imhausen (1889 - 1951): Chemiker und Mitinhaber der Wittener Seifenindustrie seit 1912, die unter dem Namen Chemische Werke Witten später in die Firma Dynamit-Nobel AG eingegliedert wurde.
  • Wilhelm Nettmann (1914 - 1984): Leiter des Märkischen Museums von 1953 bis 1978.
  • Ernst Neuhaus (1857 - 1915): Mitbegründer der Firma Dittmann & Neuhaus.
  • Alfred Pott (1882 - 1951): Gründungsvorstand der Ruhrgas-Aktiengesellschaft.
  • Adolf Schluckebier (1860 - 1951): damals Vorstandsmitglied des Diakoniewerkes Ruhr und Rektor der benachbarten Feldschule, war ein begeisterter Naturfreund. Ihm verdankt die Stadt Witten den „Schwesternpark“ in unmittelbarer Nähe des Ev. Krankenhauses, direkt neben dem Friedhof Ledderken.
Das Schott-Grab im Lutherpark

Friedrich Otto Schott (* 17. Dezember 1851 in Witten; † 27. August 1935 in Jena) war ein deutscher  Chemiker,  Glastechniker  und Unternehmer.

Carl Ludwig Berger (* 22. September 1794 in Witten-Bommern; † 21. März 1871 in Witten) war ein Wittener Industrieller. Carl Ludwig Berger ist der Vater des Politikers Louis Constanz Berger und der Sohn von Peter Engelbert Berger. Der gelernte Kaufmann arbeitete rund acht Jahre in Amsterdam und verwaltete anschließend das aus dem Bergbauerworbene Vermögen seiner Familie. 1838 gründete er zusammen mit August Spennemann sein erstes Eisenwerk, welches allerdings keinen Erfolg hatte. Bis Ende der 1840er versuchte er, ein eigenes Gussstahlverfahren zu entwickeln. 1854 gründete er zusammen mit den Niederländern van Braam und Vriese das Etablissement Berger & Co., aus dem später das Gussstahl-Werk Witten und daraus die heute zur Swisssteel Group gehörende Firma Deutsche Edelstahlwerke Specialty Steel hervorging.

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