Friedhöfe in Witten

Meine ersten Erinnerungen an einen Friedhof gehen zurück auf den Friedhof in Witten-Bommern. Hierhin bin ich als Kind schon von der Oma und der Mutter mitgenommen worden, zur Grabpflege, den toten Opa besuchen und zum Gießen. Den Weg zum Grab würde ich noch heute mit geschlossenen Augen finden, hätte man die alten Gräber inzwischen nicht längst entfernt und neu belegt.

 

Durch das eiserne Tor, vorbei an der kleinen Friedhofskapelle und an einem frischen Grab mit Kränzen, daneben die Bank, auf der eine alte Frau ein Butterbrot ist und im Zwiegespräch mit ihrem vor vielen Jahren verstorbenen Mann versunken scheint. Und während Oma und Mutter das Grab neu pflanzen, sortiere ich die glitzernden Steine vom Nachbar-Grab.

 

Einer der schönsten Tage im Jahr war Allerheiligen, dann pilgerte die ganze Familie in der frühen Dämmerung zum Friedhof, um Lämpchen anzuzünden. Mit Freunden rannte ich mit der Taschenlampe zwischen den Gräbern umher und freute mich über die roten Kerzen auf den Ruhestätten. Angst hatten wir nie, denn schon früh impfte uns die Oma ein: „Vor den Toten muss man keine Angst haben, lebendige Menschen können viel gefährlicher sein.“

 

Die alten Friedhöfe erzählen Geschichten; es ist als würden die Toten zu uns sprechen. Kriegsgräber erinnern vielerorts an den ersten und zweiten Weltkrieg, die mit Anker und Bildern verzierten Grabplatten an der Nordsee sprechen von Schiffsunglücken und die mit Teddybären und bunten Windrädern bestückten Gräber rufen uns ins Gedächtnis, dass der Tod für viele Menschen oft viel zu früh kommt. Ein jüdischer Friedhof hingegen ist immer auch die Erinnerung an die Millionen ermordeter Juden, an die, die nie ein Grab bekommen haben.

 

Jedes Symbol auf jedem Grabstein hat seine Bedeutung, der Schmetterling zum Beispiel steht für die Flüchtigkeit des Lebens, Efeu steht für Freundschaft und Treue und der Anker ist ein Bild der Hoffnung. Und so besuche ich Friedhöfe, um selbst in der hektischsten Großstadt Ruhe zu finden und etwas über die hier Bestatteten und deren  Geschichten zu erfahren.

Folgende Friedhofsanlagen werden in Witten kommunal verwaltet:

  • Hauptfriedhof – Pferdebachstr. 109 | 58454 Witten
  • Friedhof Annen – Diesterwegstraße 3 | 58453 Witten
  • Friedhof Heven – Steinhügel 53 | 58455 Witten
  • Friedhof Stockum – Hörder Straße 285 | 58454 Witten
  • Friedhof Buchholz – Am Friedhof | 58456 Witten
Friedhöfe im Evangelischen Kirchenkreis Hattingen-Witten

▲ Neben den städtischen Friedhöfen befindet sich in den Trägerschaften der Ev.- und Kath. Kirchen folgende Friedhöfe in Witten:

  • Kath. Friedhof am Trantenrother Weg
  • Kath. Pfarrgemeinde Friedhof St. Marien
  • Ev. Friedhof an der Pferdebachstraße
  • Ev. Kirchengemeinde Witten-Rüdinghausen
  • Ev. Friedhof Witten-Schnee
  • Ev. Friedhof Witten-Bommern

 

Der älteste jüdische Friedhof befand sich auf dem Helenenberg. Er wurde 1867 offiziell eröffnet und 1900 wieder geschlossen. Heute findet man den Jüdischen Friedhof am Ledderken. Hier ist auch der Schwestern-Friedhof der Diakonissen am Evangelischen Krankenhaus angesiedelt.


Auf unseren Friedhöfen lebt mit privater Familiengeschichte verwoben Wittener Stadtgeschichte.

So findet man z.B. auf dem Ev. Friedhof Pferdebachstraße neben einem Gedenkstein für die Opfer der Roburit-Explosion am 16.12.1906 und Soldatengräbern aus den beiden Weltkriegen auch Grabstätten von Persönlichkeiten wie:

  • Pfarrer Johannes Busch (1905 - 1956): Bekennender Christ.
  • Arthur Imhausen (1889 - 1951): Chemiker und Mitinhaber der Wittener Seifenindustrie seit 1912, die unter dem Namen Chemische Werke Witten später in die Firma Dynamit-Nobel AG eingegliedert wurde.
  • Wilhelm Nettmann (1914 - 1984): Leiter des Märkischen Museums von 1953 bis 1978.
  • Ernst Neuhaus (1857 - 1915): Mitbegründer der Firma Dittmann & Neuhaus.
  • Alfred Pott (1882 - 1951): Gründungsvorstand der Ruhrgas-Aktiengesellschaft.
  • Adolf Schluckebier (1860 - 1951): damals Vorstandsmitglied des Diakoniewerkes Ruhr und Rektor der benachbarten Feldschule, war ein begeisterter Naturfreund. Ihm verdankt die Stadt Witten den „Schwesternpark“ in unmittelbarer Nähe des Ev. Krankenhauses, direkt neben dem Friedhof Ledderken.
Das Schott-Grab im Lutherpark

Friedrich Otto Schott (* 17. Dezember 1851 in Witten; † 27. August 1935 in Jena) war ein deutscher  Chemiker,  Glastechniker  und Unternehmer.

Carl Ludwig Berger (* 22. September 1794 in Witten-Bommern; † 21. März 1871 in Witten) war ein Wittener Industrieller. Carl Ludwig Berger ist der Vater des Politikers Louis Constanz Berger und der Sohn von Peter Engelbert Berger. Der gelernte Kaufmann arbeitete rund acht Jahre in Amsterdam und verwaltete anschließend das aus dem Bergbauerworbene Vermögen seiner Familie. 1838 gründete er zusammen mit August Spennemann sein erstes Eisenwerk, welches allerdings keinen Erfolg hatte. Bis Ende der 1840er versuchte er, ein eigenes Gussstahlverfahren zu entwickeln. 1854 gründete er zusammen mit den Niederländern van Braam und Vriese das Etablissement Berger & Co., aus dem später das Gussstahl-Werk Witten und daraus die heute zur Swisssteel Group gehörende Firma Deutsche Edelstahlwerke Specialty Steel hervorging.

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