Juni 2024
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

St. Paulus-Dom in Münster

Der St.-Paulus-Dom ist eine römisch-katholische Kirche in Münster unter dem Patrozinium des Apostels Paulus. Die Kathedrale des Bistums Münster zählt zu den bedeutendsten Kirchenbauten in Münster und ist neben dem historischen Rathaus eines der Wahrzeichen der Stadt. Verwaltet wird der Dom vom Domkapitel Münster. Der Dom steht im Herzen der Stadt auf einer kleinen Anhöhe, Horsteberg genannt, die halbkreisförmig durch den Straßenzug von Spiekerhof, Roggenmarkt, Prinzipalmarkt und Rothenburg umgrenzt wird. Dieses Gebiet, samt Domplatz und angrenzenden Gebäudeflächen, bildete die alte Domburg und Domimmunität. Für diesen Bezirk hat der Dom heute die Funktion einer Pfarrkirche. Westlich des Doms liegt die Kettelersche Doppelkurie: das heutige Bischofspalais sowie eines der ehemaligen Kuriengebäude mit der heutigen Domverwaltung. An der Stelle der weiteren, ehemals um den Domplatz befindlichen Kuriengebäude stehen unter anderem Gebäude der Universität Münster, der Bezirksregierung Münster und das LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte.

Die Kathedrale hatte zwei Vorgängerbauten: Der erste Dom (sogenannter Ludgerus-Dom, 805–1377) stand nördlich des heutigen Doms; der zweite Dom wurde im 10. oder 11. Jahrhundert erbaut und mit Errichtung des dritten, des heutigen Doms in den Jahren 1225–1264 abgerissen. Das mächtige Westwerk mit seinen nahezu identischen Türmen war bereits um das Jahr 1192 an den zweiten Dom angebaut worden und wurde in den dritten Dom einbezogen. Der St.-Paulus-Dom vereinigt Stilelemente der Romanik mit dem Westwerk, das heißt mit dem Alten Chor und den Westtürmen, und der Gotik im angrenzenden Basilika-Bau, mit den beiden Querschiffen, dem Langhaus, dem Hochchor und dem Kapellenkranz. Im Dom befindet sich die Grabstätte des ehemaligen Bischofs von Münster, Clemens August Graf von Galen, der kurz vor seinem Tod im Jahre 1946 zum Kardinal erhoben worden war und 2005 von Papst Benedikt XVI. seliggesprochen wurde. Mit der (jeweiligen) Weihe wurde jeder Dombau zur Bischofskirche des Bistums Münster. Daneben hatten die einzelnen Dombauten, zumindest zeitweise, zusätzliche Funktionen.
Der erste karolingische Dom war gleichzeitig die Stiftskirche für die Brüder des von Liudger gegründeten Klosters. Jeder Dombau hatte zudem die Funktion einer Pfarrkirche. Der Pfarrbezirk umfasste ursprünglich ganz Münster. Nachdem in Münster weitere Pfarrbezirke gegründet worden waren, wurde der Pfarrbezirk des Doms im Jahre 1090 auf die alte Domburg und Domimmunität beschränkt. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, in der der Dritte (heutige) Dom erbaut wurde, wurde auf dem Domplatz die Kirche St. Jacobi errichtet. Mit der Fertigstellung dieser Kirche verlor der im Bau befindliche Dom seine Funktion als Pfarrkirche gänzlich. Seit dem Abriss der Jakobikirche im Jahre 1812 ist der Dom wieder Pfarrkirche für den oben genannten begrenzten Bezirk. 

Der Haupteingangsbereich, das so genannte Paradies, und auch die südliche Schaufront des östlichen Querhauses wurden im 16. Jahrhundert neu gestaltet, erweitert und mit Skulpturenschmuck ergänzt.
Mit seinen bereits um 1200 vollendeten Türmen, dem langestreckten Mittelschiff und den zwei Querhäusern ist der St.-Paulus-Dom ein typisches Beispiel spätromanischer Architektur.

Hier ruht der „Löwe von Münster“: Gewaltig wirkt der Dom am Domplatz, neben dem die überlebensgroße Plastik Clemens August von Galens, des „Löwen von Münster“, steht. Seine letzte Ruhe fand er in der Ludgeruskapelle, die zum Kapellenkranz des Chores gehört.

Grundriss des St. Paulus-Dom

Grafik: wdf_www.kdwupper.de

Eintritt ins "Paradies"

Er ist aufwändig mit Giebeln bestückt, der Haupteingang des Doms zu Münster. Keine schlichte Pforte, vielmehr eine Vorhalle, ein Atrium - ein „Paradies“. Überlebensgroße Steinfiguren, eingelassen in die Wände, stehen hier Spalier. Es sind herausragende Kunstwerke der deutschen Skulptur im 13. Jahrhundert. Entstanden in verschiedenen Dekaden, von mehreren Meistern und Gehilfen geschaffen, bilden die Plastiken doch eine homogene Gruppe: die zwölf Apostel vor Kopf, Heilige und Stifter in den Seitennischen. Ursprünglich waren sie wohl anders angeordnet.

 

Eingang zum Himmel auf Erden

Die Apostel ähneln einander, und doch ragt mancher heraus, verrät die prägende Hand eines besonders talentierten Meisters. Bei einigen Figuren wissen wir gar nicht, wen sie darstellen. Klar aber ist: Wir blicken zu ihnen auf. Sie stehen erhöht, aufrecht, ehrwürdig. In ihrer Zeit waren sie farbig. Sie müssen überaus lebendig, monumental und Respekt einflößend gewirkt haben. Dem irdischen Recht, den Sendgerichten, die damals in diesem Raum tagten, verliehen sie himmlische Autorität. All diese Apostel und Heiligen wurden im frommen Mittelalter verehrt. Insbesondere der Heilige Laurentius. Das Rost, auf dem er zu Tode gequält wurde, und der Palmwedel kennzeichnen ihn als Märtyrer. Ein Fries würdigt die heilige Mutter, Maria. Und es erzählt von Paulus, dem bedeutendsten Missionar des Urchristentums und Namenspatron des Domes. Oberhalb der Doppeltür thront Jesus selbst. An ihm führt kein Weg vorbei. Das „Paradies“ ist gleichsam der Eingang zum Himmel auf Erden, zur Kirche.

An der herausragendsten Stelle der Dom-Eingangshalle - des sogenannten 'Paradieses' - thront Christus, der Weltenrichter. Als diese Halle noch als Gerichtssaal genutzt wurde, erinnerte sein Bildnis die menschlichen Richter an die Gerechtigkeit Gottes. Christus hält das Buch des Lebens in der einen Hand, mit der anderen segnet er die Menschen, die zu ihm aufsehen - er ist die Tür, durch die man zu Gott kommt.

 
Darstellung: Hl. Maria
 

▲ Von einem auswärtigen Bildhauer wurde die spätbarocke Skulptur der heiligen Maria Mater Dei geschaffen. Sie ist dem Bildhauer Franz Matthias Hiernle aus Mainz zugeschrieben und entstand 1723. Stifter war Ferdinand Benedikt Freiherr von Galen. Er starb 1727. Die Statue ist in üppig gefältelte Gewänder gehüllt. Sie ist mit einem Kleid und einem Mantel bekleidet. Während das Kleid den Körper umschmiegt und ausdeutet, ist der Mantel in etwas disparaten, kantig bewegten Faltenstrukturen gebildet. Der Mund scheint ein leichtes Lächeln anzudeuten. Sie scheint in dem Moment erfasst zu sein, als sie bei der Heimsuchung Elisabeth begegnet und ihren Worten antwortet. Die Linke ist im Inbrunst-Gestus vor die Brust geführt, während sie mit der Rechten das Gewand hält. Sie weist damit zugleich auf ihren Schoß mit Christus, dem Retter der Welt. In subtiler Weise befinden sich auf ihrem Mantelsaum eingearbeitet die hebräischen Buchstaben des ersten Verses von Psalm 103, die sich auf die Begegnung mit Elisabeth beziehen. Ursprünglich gab es zu der Maria ein Pendant, eine Christusfigur, die gleichfalls von Matthias Hiernle stammt und 1723 ebenfalls von Benedikt Freiherr von Galen gestiftet wurde. Es handelte sich um einen das Kreuz haltenden Christus, der im Krieg zerstört wurde.

Der Dom wird noch heute geprägt durch eine große Anzahl kostbarer Altäre, Epitaphien und Heiligenstatuen, die vorwiegend der Gotik, Renaissance und dem Barock entstammen. Gleich im Eingangsbereich erhebt sich die gigantische Skulptur des heiligen Christophorus (Johann von Bocholt, 1627), der üblicherweise seit dem Mittelalter im Eingangsbereich angebracht war, da ein kurzer Blick zu ihm vor einem jähen Tod bewahren sollte.

Betritt man den St. Paulus-Dom durch den Vorraum - das „Paradies“ - erlebt man diesen überwältigenden Raumeindruck: Der Blick wird wie von selbst in Richtung Altar gezogen, hin auf den „Bug“ des Kirchenschiffes und das Zentrum des Gotteshauses. Im südlichen und nördlichen Seitenschiff befinden sich Altäre und Epitaphe, Erinnerungsmäler an Verstorbene aus der Barockzeit. Unter dem Westchor befinden sich die Gräber der Bischöfe Johannes Poggenburg, Michael Keller und Heinrich Tenhumberg.

▲Zurzeit des Dreißigjährigen Krieges, als der Krieg sich nach Niederdeutschland zu verlagern begann, im Jahre 1627, entstand die monumentale Christophorus-Statue für den St.-Paulus-Dom zu Münster. Ihre Aufstellung hat sie in der Westvierung des Domes gefunden, wo sie heute noch steht. Durch diese Aufstellung an der Ecke des nordöstlichen Vierungspfeilers gewann die Statue eine Ausrichtung zu beiden Haupteingängen des Domes, zum West- und Paradies-Portal, zur visuellen Begegnung mit den Gläubigen, die hier den Kirchenraum betraten. Um die "heilbringende Schau" in Erfüllung gehen zu lassen: der Schutzheilige gegen einen unvorhergesehenen Tod sollte unübersehbar auffallen.

 

Ursprünglich farbig gefasst.

Der heutige Erhaltungszustand der Statue ist nicht der ursprüngliche. Eine Aufnahme des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege aus der Zeit um 1900 zeigt, dass die Statue ursprünglich farbig gefasst war. Wie weit diese Statue in die neuzeitliche Farbfassung des Dominneren eingebunden war, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Die einzige spätmittelalterliche Wandmalerei des Domes (aus der Zeit um 1450), die bis 1945 noch erhalten geblieben war, die "Lichtvision des hl. Paulus vor Damaskus" vom Meister des Schöppinger Hochaltars, befand sich an der südlichen Seite des Vierungspfeilers, dem die Statue vorangesetzt ist.

Epitaph Otto von Dorgelo (zum Querschiff hin)
Ungewohnter Blickfang: Die heilige Barbara im St.-Paulus-Dom
Die Statue Maria Mater Dei ist in üppig gefältelte Gewänder gehüllt. Sie ist mit einem Kleid und einem Mantel bekleidet. Während das Kleid den Körper umschmiegt und ausdeutet, ist der Mantel in etwas disparaten, kantig bewegten Faltenstrukturen gebildet.
Mittelgang: Hier schweift der Blick entlang der Nordseite vom Altar bis zum Westchor mit der Fensterrosette. Gut erkennbar sind die Höhenunterschiede zwischen dem niedrigeren Seiten- und dem hohen Mittelschiff.
Eine imponierende Persönlichkeit ist der HI. Christophorus, dessen Steinfigur von 1627 den Eingangsbereich mit seiner Größe von über fünf Metern überblickt. Der Schutzpatron der Reisenden und Pilger trägt das Jesus-Kind auf seiner Schulter, das die Vorübergehenden lächelnd segnet.
 
 

Petrus-Kapelle im Nordturm

Die untere Kapelle des Nordturmes ist dem Patronat des heiligen Petrus anvertraut und liegt 75 Zentimeter unterhalb des Flurs des Westquerschiffs und restlichen Doms. Sie beherbergte höchstwahrscheinlich seit dem 14. Jahrhundert zusätzlich die Schatzkammer. Dazu war der Zugang vom Westquerschiff her durch eine Wand mit zwei Türen abgeschlossen, von denen die südliche durch einen schmalen Gang zur Kapelle selbst führte und die nördliche den Zugang zur Schatzkammer gewährte, die vermutlich im Mauerwerk untergebracht war.

 

Ab dem 15. Jahrhundert wird der Nordturm zusätzlich als Armarium erwähnt, das heißt als Aufbewahrungsort der heiligen Schriften. Diese Funktion behielt er vermutlich bis ins Jahr 1859, bis das Domkapitel am 1. März 1859 die Entfernung der Trennwand zwischen Querschiff und Kapelle anordnete. Während seiner Zeit als Schatzkammer beherbergte er nicht nur den Münsterschen Domschatz, sondern vom 21. November 1793 bis zum 27. März 1794 auch den Kölner Domschatz, der vor den Franzosen nach Münster in Sicherheit gebracht wurde.

 

Nach einem Beschluss vom 21. Dezember 1870 wurde das Taufbecken in die Petrus-Kapelle verlegt. Dazu wurde sie zusätzlich mit den Landsbergschen Eisengittern verschlossen, die zuvor den Zugang zum Alten Chor und der darin befindlichen Orgeltribüne abschlossen.

 

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Nordturm schwer beschädigt, wobei die oberen zwei Geschosse teilweise eingestürzt sind. Während des Wiederaufbaus wurden die entsprechenden Stockwerke sowie das Dach wiederhergestellt. Gleichzeitig wurde das Innere des Turms renoviert, wobei die Petrus-Kapelle wieder zur Schatzkammer umgebaut wurde. Nach der Fertigstellung der neuen Domschatzkammer nördlich des Kreuzganges im Jahre 1981 zog der Domschatz nach dorthin um.

 
Pieta im St. Paulus-Dom zu Münster
 

▲ Eines der eindrucksvollsten Kunstwerke im St.-Paulus-Dom zu Münster war die von dem 1799 in Münster geborenen und in Rom lebenden Bildhauer Theodor Wilhelm Achtermann gestaltete Marmorpietà, die er 1849 fertigte. Sie wurde im Krieg schwer beschädigt. Danach wurden lediglich die Köpfe aufbewahrt, die sich heute in der Domkammer befinden, der Rest der Pietà wurde zerschlagen. Eine farbige hochqualitätsvolle Tonkopie, die von der Bruderschaft des Campo Santo Teutonico 1972 gestiftet wurde und gleich nach Fertigstellung der Marrnorpietà 1849 entstanden war, gibt noch heute etwas von der Ausstrahlung dieses hochverehrten Kunstwerkes wieder. Die nach vorne gebeugte Maria ist in Kniestellung dargestellt. Sie hält den Christuskörper, der sich weit ausgebreitet über dem Kalvarienberghügel erstreckt, mit zartem Gestus vor sich. Seitlich sind die Dornenkrone und die Nägel abgelegt. Maria ist mit einem roten Kleid, einem weißen Kopf- und Kinntuch sowie einem blauen Mantel bekleidet, der vorne von einer Agraffe gehalten wird. Maria blickt nach vorne gebeugt auf das Haupt des verstorbenen Christus, während sich ihr Mantel zu den Seiten ausbreitet – gleichsam eine Hintergrundfolie für den Verstorbenen bildend. Besonders eindringlich ist der Christuskörper gestaltet. Ein weit herabgeführtes Lendentuch bedeckt den Schoß, die Beine sind seitlich übereinandergelegt, während der Oberkörper über der eingeknickten linken Seite nach oben gerichtet ist und dem Betrachter im Dreiviertelprofil erscheint. Während sein rechter Arm, dessen Oberarm von Maria erfasst wird, locker herabhängt, wird die andere Hand von Maria wie präsentierend hochgehalten. Das Haupt des Christus liegt auf seiner rechten Schulter. Der Körper ist auf diese Weise besonders malerisch aufgefasst, das im Tode verklärte Antlitz des Christus berührt den Betrachter unmittelbar. Besonders eindringlich ist die Beziehung zwischen Maria und dem verstorbenen Christus im trauernden Blickgestus Mariens ausgedrückt. Durch die prägnante, aber im Detail klassizisierende glatte Durchbildung der Körperlichkeit Christi und die sanft und elegisch wirkenden Köpfe ist hier ein ganz besonderes Andachtsbild im Stile der Nazarener entstanden.

 

Grabplatten

Grabplatte Schmising - Wendt

Grabplatte des Fürstbischofs Johann von Hoya

Matthias Korff condictus Schmising ex Tatenhausen hui cathedralis ecc canonic gef Thesaurarius duorum episcorum ef principum Christophori Bernardi ef Ferdinandi anno 1681 27 Marty obit sec non serenissimi electoris coloniensis Maximiliani Henrici udt episcopi monasteriensis consiliarius intimus et provincialis präposit in Wildeshausen ef domin Schoneflet aetatis sua annorum 63 mensium 7 die rum 3 cuius anima aeterna pace fruatur. Amen

 

Matthias Korff gt. Schmising zu Tatenhausen, von

Geb. 1620-10-21, kath., gest. 1684-03-27 „Schlagfuss“

VATER: Heinrich von Korff gt. Schmising zu Tatenhausen, (1583-1665), Domherr in Minden

MUTTER: Sybilla von Wendt zu Holtfeld, (1589-25.08.1666)

1632 Dompräbende in Münster

1641 Niedere Weihen, Subdiakonatsweihe, Officium Gassel,

1644 Dompräbende in Hildesheim,

1645 Diakonatsweihe,

1649 Studienreise nach Rom,

1650 Domkantor

1652 Priesterweihe, Obedienz Lembeck Archidiakon von Vreden

1654 Domküster (Münster)

1654-1663? Geheimer Rat und Kriegsrat

1655 Mitglied der Catharinenbruderschaft,

1663-1673 Domdechant

1669-1684 Inhaber von Schöneflieth; Berater und Diplomat des Fürstbischofs  Christoph Bernhard von Galen,

1674 Eintritt in die Liebfrauen-Bruderschaft an der St. Aegidii-Kirche 

An den Wänden des Domes sind bronzene Wappen und Ahnenschilde des 16. bis 18. Jahrhunderts mit Blattgirlanden-Schmuck angebracht. Sie stammen von Grabplatten, die bis zum19. Jahrhundert viele Bereiche des Dombodens bedeckten. Diese Grabplatten zeigten zumeist in der Mitte das Allianzwappen der Eltern des Verstorbenen und an den Ecken die vier Wappen der Großeltern. Besonders eindrucksvoll ist die Grabplatte des Bischofs von Hoya, die nach der Inschrift in seinem Todeslahr 1574 entstand. Die differenziert durchgebildete Figur des Bischofs ist mit Albe, Tunika, Kasel und Mitra bekleidet, während das Haupt auf einem Kissen liegt, das an den Ecken mit Quasten ausgestattet ist. Der Bischof hat die Hände betend zusammengelegt, unter seinem rechten Arm hindurchgeführt ist ein Bischofsstab. Von besonderer Qualität ist die Ornamentik des Epitaphs. Bischof Johann von Hoya war von 1566 bis 1574 Bischof von Münster, Osnabrück und Paderborn. Angeregt durch die Beschlüsse des Trienter Konzils, vertrat er die neuen Reformgrundsätze, ließ aber auch die konfessionelle Ausgleichspolitik des Augsburger Religionsfriedens nicht unberücksichtigt. Unter seiner Regentschaft wurden erstmals nach Vorbild des Erzbischofs von Mailand, Karl Borromäus (1560-1584), jährliche Hirtenbriefe aufgesetzt. Von seinem Kanzler Steck ließ er die Justizreform des weltlichen Hofgerichts, die bereits sein Amtsvorgänger begonnen hatte, fortführen.

Unter den Grabplatten ist eine der bedeutendsten die Grabplatte des am 27. März 1684 verstorbenen bischöflichen Schatzmeisters Matthias Korff, genannt Schmising, die direkt auf die Sandsteinwand appliziert ist, sodass - anders als bei der Grabplatte des Bischofs von Hoya - ein Zusammenspiel von gelbem Sandstein und schwarzer Bronze entsteht. Während die äußere Rahmung durch Bronzeleisten mit einer Inschrift auf den Verstorbenen geschmückt ist, erscheint in der Mitte das von einem Blütenschmuck und Lorbeerkranz umrahmte Doppelwappen Schmising-Wendt (Eltern) über dem schwebend zwei Engel, die einen Kelch mit der Hostie präsentieren, zu sehen sind. Die Wappen der Großeltern sind an den Ecken angebracht.

lm Chor des Domes hängt der Radleuchter mit einem Durchmesser von drei Metern. Wenn seine 55 Kerzen entzündet sind, bietet er einen imponierenden Anblick. Seine Kreis-Form als Speichen-Rad symbolisiert das Ewige, Unvergängliche, Vollkommene. Radleuchter stellen den Betrachtern meist das Bild des himmlischen Jerusalems vor Augen. Der münstersche Radleuchter ist in Form eines Rosenkranzes gestaltet - 50 goldene Rosen sind zu sehen, dazu fünf Engel, die die fünf Wunden Christi aufzeigen. Davor das Triumphkreuz von 1270/80. Es zeigt Jesus nicht als leidenden Herrn, sondern als König und ewigen Hohenpriester.

Der Hauptaltar: Am Altar (1956 geweiht) in der Ostvierung wird die Eucharistie (Abendmahl) gefeiert. An der Vorder- und Rückseite sind Statuen der Gottesmutter und der Apostel zu sehen; sie stammen aus der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts.

 
Das Triumphkreuz (1270/80) zeigt Jesus nicht als leidenden Herrn, sondern als König und ewigen Hohenpriester.
 

Ursprünglich befand sich hier im Chorhaupt der barocke Hochaltar, der als großer Reliquienschrein mit gemalten und geschnitzten Flügeln (Adrian van den Boegart, Gerhard Gröninger 1619-1622) geschaffen wurde (Reliquiare heute in der Domkammer). Dieser Hochaltarschrein befindet sich heute im historisch ältesten Bauteil, dem Westchor.

Hauptorgel

Blick auf die Orgel im südlichen Ost-Querhaus

▲ Hauptorgel

Die Hauptorgel des Doms zu Münster stammt von Orgelbau Johannes Klais (Bonn) und vereinigt sozusagen drei Generationen des Orgelbaus in sich. Gehäuse und Spieltechnik entstanden 1987 im Zusammenhang mit der vorhergehenden Renovierung des gesamten Doms. Hingegen wurde der größte Teil des Pfeifenmaterials, also der klanglichen Substanz, aus der Vorgängerorgel entnommen. Diese war 1956 in einer Kammer im Stephanuschor über dem Kapitelsaal installiert worden. Mit dem neuen Gehäuse wurde auch die Aufstellung verändert: die heutige Orgel steht im Johanneschor in Bodennähe; diese Aufstellung ermöglicht dem Organisten vor allem engen Kontakt zum liturgischen Geschehen und die Begleitung des Chores. Hierfür steht auch noch ein fahrbarer elektrischer Spieltisch zur Verfügung, von dem aus die Register des 1. Manuals angespielt werden. Die Prospektgestaltung der Orgel stammt von Prof. Elmar Hildebrandt und Theodor Heiermann in Zusammenarbeit mit Dietmar Schmitz. Die Ornamentik wie auch die dezente Farbgebung sind angelehnt an die Kapitelle und Verzierungen der GewöIberippen des Domes. Der Kuckuck, der den Prospekt ziert, schlägt mit den Flügeln und lässt dazu den arttypischen Ruf erklingen. 2002 wurde die Hauptorgel gründlich – auch klanglich - überholt; außerdem wurden einige Register ausgetauscht. Eine erneute Überholung erfolgte im Sommer 2014.

Kreuzwegstationen

▲ 1995/96 schuf der Düsseldorfer Künstler Bert Gerresheim für die Nischen der Chorschrankenwände im Chorumgang des Domes 15 Kreuzwegstationen. Die 15 vollplastischen Bronzegruppen zeigen in sensibler und dabei doch eindringlich pathetischer Darstellungsweise die Stationen des Kreuzweges Christi, wobei Gerresheim in das Passionsgeschehen Menschen unserer Zeit und Persönlichkeiten der Bistumsgeschichte mit einbezieht. So tauchen unter anderem der selige Karl Leisner, Schwester Maria Euthymia, Niels Stensen, Anna Katharina Emmerick, Clemens August von Galen, Papst Johannes Paul II. und Mutter Theresa auf, die in das Geschehen eingebunden sind.

Grabmal des Fürstbischofs Friedrich Christian von Plettenberg

Auf der Westseite gegenüber befindet sich das ebenfalls prachtvoll gestaltete Grabmal des Fürstbischofs Friedrich Christian von Plettenberg, wohl das letzte Werk des Bildhauers Johann Mauritz Gröninger aus den Jahren zwischen 1706 und 1708.

 

Johannes Wilhelm Gröninger (*1675/77 in Münster; †1724 in Billerbeck) war ein deutscher Bildhauer des Spätbarock, der vor allem in Westfalen wirkte. Johann Wilhelm war der Sohn von Johann Mauritz Gröninger. Nach dem Tod des Vaters, von dessen Stil er beeinflusst war, übernahm er dessen Werkstatt. Darüber hinaus zeigen seine Werke schon deutliche Anzeichen des eleganten, zierlichen Rokokos. Nach seiner Wanderschaft ließ Gröninger sich zwischen 1701 und 1704 in Münster nieder und arbeitete zunächst mit dem Vater zusammen (Altäre im Trierer Dom, 1701/03), um 1709/10 zog er nach Billerbeck um. Seine wichtigste Arbeit war die Vollendung des Grabmals Ferdinands von Plettenberg († 1712, Münster, St.-Paulus-Dom, Johanneschor) in der Nachfolge seines Vaters. Dazu kommen der Gerdemann-Altar aus dem Jahr 1722 im Münsteraner St.-Paulus-Dom sowie Brückenplastiken und Gartenplastiken in Alabaster, Stein und Holz. Im Jahr 1721 fertigte er antike Götterfiguren für das Schloss Nordkirchen an. Vier Statuen der Kirchenväter Hieronymus, Ambrosius, Augustinus und Gregor der Große schuf er ursprünglich für die Kapelle der Burg Hülshoff an. Ihr Auftraggeber, Heinrich Johann I. Droste zu Hülshoff (1677–1739) stiftete sie für die ►Kirche St. Pantaleon (Roxel), wo sie sich noch befinden. 

 
▲ Grabmal v. Plettenberg: Schwarzer und weißer Marmor sind die Materialien fur das 1707 entstandene Grabmal des Fürstbischofs Friedrich Christian von Plettenberg. Engel stehen neben dem Sterbenden.
 

Nach 18-jähriger Regierungszeit starb Fürstbischof Friedrich Christian von Plettenberg am 5. Mai 1706. Aus dem folgenden Jahr sind erste Rechnungs-Bucheintragungen zur Errichtung eines Epitaffiums zu seinem Gedächtnis überliefert. Der Gedanke der Erstellung eines Grabmonumentes geht jedoch auf ihn selbst zurück. Zur Sicherung seines Nachruhmes hatte er bereits 1702 in den Planungen für die Hochchorausstattung mit sechs großen Chorschrankenreliefs und einem schwarz-weißen Marmorboden zugleich die Anfertigung seines Grabmales vorgesehen. Möglicherweise sind somit erste Skizzen, etwa für die Porträtfigur Plettenbergs, noch zu seinen Lebzeiten entstanden. Der schwarze Marmor wurde wohl – ähnlich wie beim Galen-Grabmal – über Zwolle in Amsterdam eingekauft. So ist im Ausgabenbuch am 15. April 1709 vermerkt für "3 kasten schwartzen Marmorstein in usum epitaphij für fracht von Schwoll bis Münster, 15 Rt., 14 Sch". Mehrere undatierte Eintragungen nach dem 28. Juni 1709 belegen als Restzahlungen die Fertigstellung des Epitaphs. Damit konnten auch die Fassungsarbeiten 1709 vorgenommen werden.

Besonders wichtig war dem Menschen im Mittelalter die Erlangung des ewigen Seelenheils. Die Stiftung der zahlreichen kostbaren Epitaphien (Grabdenkmäler), und Altäre, die die Wände des Langhauses im Süden und Norden und auch die Pfeiler schmücken, weisen eindringlich auf diesen Gedanken hin. Zumeist zeigen sie kniend den Stifter, der in das heilige Geschehen eingebunden ist und zugleich sozusagen ewig in der Liturgie des Domes mit präsent ist. 

Epitaph des Domherrn Johann Wilhelm von Büren

 
 

▲▼ Epitaph des Domherrn Johann Wilhelm von Büren

Hier sieht man das große Epitaph des Domherrn Johann Wilhelm von Büren (1680), das der Bildhauer Wilhelm Heinrich Kocks 1680 in der Zeit des Hochbarock schuf. Das Epitaph zeigt im unteren Bereich eine Inschriftkartusche, über der sich die Standfläche der Figuren von der Seite zur Mitte hin aufbiegt. Cherubsköpfchen, reiche Voluten und Blütengebilde an den Seiten umrahmen die Inschriftkartusche. Im Giebelbereich ist das Wappen des Domherrn angebracht. Im Rahmen eines reichen Figurenprogramms ragt im Zentrum ein großes Kruzifix auf, vor dem der Kanoniker von Büren in seiner Chorkleidung mit plissiertem Chorhemd kniet. Zu den Seiten stehen die Figuren der Maria und des Johannes Evangelist, die in bewegten Haltungen und sprechenden Gesten erscheinen. Maria ist in betender Haltung mit flehendem, nach oben gerichtetem Haupt zu sehen, während der jugendliche Johannes wie präsentierend seine rechte Hand vorstreckt, wohingegen seine linke Hand im Inbrunstgestus vor die Brust gelegt ist. Ein Engel mit einem Kelch fängt das Blut Christi auf. Neben ihm hat der Bildhauer als kleines, optisch reizvolles Detail ein liegendes Buch angeordnet. Wie die anderen Epitaphien ist auch dieses mit sechzehn Ahnenwappen geschmückt, die gleichsam als Kapitelle über den Pilastern mit Frucht- und Blütengehängen sowie über dem Gebälk und dem Segmentgiebel angebracht sind.

Rundgang durch den Chorumlauf

Ein Rundgang durch den Chorumlauf  führt vorbei an den „Galenschen Kapellen“. Auf die Maximus-Kapelle mit dem Sebastian-Altar aus dem Jahr 1588 folgt die Ludgerus-Kapelle mit der Grabstelle des Kardinals Graf von Galen (1878-1946). Graf von Galen hatte während des Nationalsozialismus in seinen Predigten in St. Lamberti und der Überwasserkirche öffentlich gegen die Tötung des so genannten „lebensunwerten Lebens“ Stellung bezogen. Sein Mut trug ihm den Beinamen „Löwe von Münster“  ein. 1951 schuf Edwin Scharff die Büste des Kardinals, die der Kapelle gegenüber aufgestellt ist.

Der sich anschließenden Joseph-Kapelle mit dem beeindruckenden Barockgrab des Fürstbischofs Christoph Bernhard von Galen, das Johann Mauritz Gröninger geschaffen hat, folgt die schon 1512 erbaute Kapelle mit einem Relief von Johann Brabender, welches die Anbetung der Heiligen Drei Könige darstellt. Die moderne Verglasung der Kapellenfenster und des Chorumgangs wurde von Georg Meistermann geschaffen und orientiert sich an Motiven aus dem Buch des Propheten Daniel. Folgt man dem Chorumgang weiter, gelangt man in den Nordflügel des Ostquerhauses.

 
Blick auf das Portal der Kreuzkapelle

Ursprünglich war der Chorbereich durch einen Lettner und seitliche Chorschranken (Reliefs heute in der Domkammer) als eigene kleine Architektur innerhalb des Domes vom übrigen Raum abgetrennt. 

 
 
 
 
Grabkapelle Kardinal von Galen
 
 
Portal der Maximuskapelle
 

Grabstätte des Christoph Bernhard von Galen

 
Josephskapelle: Das Grabmal des Christoph Bernhard von Galen
 

▲ Marmor und Alabaster, Grabstätte des Christoph Bernhard von Galen

Am 19. September 1678 starb der münsterische Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen (reg. seit 1650) in seiner Residenz Schloss Ahaus. Am 3. November fand in der Domkirche in Münster das feierliche Leichenbegängnis zu Ehren des verstorbenen Fürsten statt. Wenige Tage nach den Feierlichkeiten, am 7. November 1678, schlossen die Testamentsexekutoren mit dem jungen Hofbildhauer des Fürsten, Johann Mauritz Gröninger (Paderborn 1651/52-1708 Münster), einen Vertrag über ein Grabmal, "dessen districtur von besten schwartzen marmor, die bildthauereyen aber von besten Northaußern alabastern sein solle".

Als Ort für seine Grabstätte hatte Christoph Bernhard von Galen schon zu Lebzeiten die St. Josephskapelle, die östlichste der Galenschen Kapellen am Dom zu Münster, ausgewählt. Mit dem Bau der Kapellen am Chor hatte der Fürstbischof bereits 1663 auf Grund eines Gelübdes beim Sieg über die Stadt Münster (1661) begonnen. 1677 hatte Gröninger für Altäre und sonstige Bildschnitzereien im Rahmen der reichen Kapellenausstattung erste Gelder erhalten. Das Grabmal wurde, wie im Vertrag vorgeschrieben, im wesentlichen 1679 fertig gestellt. Es lässt sich belegen, dass mit den Arbeiten für das Grabmal allerdings zu Lebzeiten des Fürsten begonnen wurde.

 
Weihrauchfass/Ewiges Licht (vor der Sakramentskapelle)
 
 
Josephskapelle: St. Josephs-Statue, ursprünglich als Giebelfigur im Wirtschaftsgebäude des Klosters Marienfeld
 
Grabkapelle Kardinal von Galen
 
Blick auf die Grabstätte des Kardinals von Galen
 
 
 

Astronomische Uhr

Auf der Astronomischen Uhr lassen sich der Stand der Gestirne ebenso ablesen wie die aktuellen Mondphasen und die Position der Sonne im zutreffenden Tierkreiszeichen.

Die Astronomische Uhr im südlichen Teil des Chorumgangs stammt aus den Jahren 1540 - 43 und ist besonders mittags um 12 Uhr ein viel besuchter Ort. Denn dann wandern auf Umlaufbogen die Heiligen Drei Könige mit Gefolge, verbeugen sich vor dem Jesuskind und ziehen unter Glockenspiel weiter. Das Uhren-Kunstwerk zeigt Sonnen-, Mond- und Planetenbewegung sowie ein Kalendarium bis zum Jahr 2071.

Die Uhr besteht aus drei übereinander stehenden Teilen:

 

◄ Im Giebel-Stockwerk ist, in der Manier der Renaissance, ein Stall von Bethlehem dargestellt. Das schadhafte Dach spielt darauf an, dass die Zeit des "Alten Bundes" durch die Geburt Jesu an ihre Ende gekommen ist. Oben im Giebel die Figur des jungen David mit dem Schwert in seiner rechten Hand, dem abgeschlagenen Haupt des Riesen Goliath in seiner Linken - Bethlehem gilt als die Davidsstadt, weshalb ja Jesus dort geboren sein musste. 

◄ Über dem Kalendarium befindet sich die eigentliche Uhr. Den meisten Raum nimmt das Zifferblatt ein. Es ist ein 24-Stunden-Zifferblatt, aufgeteilt in 12 Vormittagsstunden rechts und die 12 Nachmittagsstunden links. Entgegen der heutigen Gewohnheit zählt das Zifferblatt gegen unseren heutigen Uhrzeigersinn links herum, so dem Lauf der Sonne am Himmel folgend. Vor dem Zifferblatt laufen sieben Zeiger für die sieben Planeten nach dem geozentrischen, ptolemäischen Weltbild, das die Erde als Mittelpunkt des Planetensystems sieht. Der exzentrische Kreis innerhalb des Ziffernkreises ist fest mit dem Rankenwerk des sog. Rete verbunden. Auf seinem Rand sind die 12 Tierkreiszeichen eingetragen; man nennt diesen exzentrischen Kreis deshalb auch Tierkreiszeiger. Der Sonnenzeiger zeigt das jeweils regierende Tierkreiszeichen an. In den vier Zwickeln des Zifferblattes die Symbole der vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes mit Spruchbändern aus den jeweiligen Evangelien. Rechts außen aufsteigend, links absteigend die sog. Planetentafel, welche die 24 Stundenregenten der Stunden jedes Tages angibt.

◄ Zuunterst, hinter einem noch aus der Zeit der Neugestaltung der Uhr im Jahre 1540 stammenden gotischen Gitter, das Kalendarium. Es kann einmal als Kalender für jeden Tag des Jahres benutzt werden. Es sollte zugleich die Berechnung des Ostertermins für jedes beliebige Jahr von 1540 bis zum Jahre 2071 ermöglichen, was aber seit der Kalenderreform durch Papst Gregor XIII. im Jahre 1582 nur noch mit Zusatzberechnungen möglich ist.

Zu Beginn des Kapellenumgangs befindet sich auf der Südseite des Domes eine astronomische Uhr. Von den Wiedertäufern erheblich beschädigt, wurde sie wohl nach der Wiedertäuferzeit zwischen 1540 und 1543 wiederhergestellt. Der Buchdrucker Theodor Tzwyvel und der Franziskaner Johannes Aquensis haben die astronomischen Berechnungen erstellt. Während Nikolaus Windemaker die Metallarbeiten ausführte, gehen die Malereien auf Ludger tom Ring zurück. Die Figuren sind wohl in der Werkstatt von Johann Brabender hergestellt worden. Der Tod mit dem Hammer und Chronos mit Sense und Sanduhr, die bei jedem Glockenschlag gedreht wird, auf dem Gesimse rechts neben der Uhr sind zuständig für den Viertelstundenschlag. Das Tutemännchen auf der linken Seite gibt mit dem Horn die Stunden an, während die Frau an seiner Seite die Glocke schlägt. Mittags um 12 Uhr bringen die hl. Drei Könige, von zwei Dienern angeführt, in einem Rundlauf über dem Zifferblatt der Uhr der Gottesmutter mit dem Kind ihre Verehrung dar. Das Zifferblatt weist eine Stundeneinteilung von 24 Stunden auf, wobei der Zeiger mit der Sonne, der sowohl Stunden als auch Minuten angibt, sich nach links dreht. Fünf kleinere Zeiger verweisen auf den Stand der Planeten. Der Mond, der zur Hälfte schwarz ist, bewegt sich in einer schwarzen Halbschale, sodass auch die einzelnen Mondphasen abgelesen werden können. Ein innerer Kreis, hinter dem eine Weltkarte sichtbar wird, zeigt die Tierkreiszeichen. Die Tafeln seitlich des Zifferblattes geben die Konstellation der Planeten für die 24 Stunden des Tages an und ändern sich jeweils um 24 Uhr. Unterhalb der Uhr befindet sich noch ein Kalendarium, bei welchem Paulus auf das Jahr und ein Soldat auf den Tag verweist.

Auf dem Hintergrund des Zifferblattes befindet sich, durch Rete und Zeiger leider stark verdeckt, eine spiegelverkehrte Landkarte, darstellend die Erdoberfläche vom Nordpol (= Mittelpunkt) bis zum südlichen Wendekreis, dem 360°-Kreis innerhalb des Ziffernkranzes und Minutenringes. Diese Karte wurde im Jahre 1662 von Henrich Schmidts aus Münster aufgemalt, nach dem Vorbild einer Weltkarte von Blaeu, die während der Friedensverhandlungen zum Westfälischen Frieden von 1646 bis 1648 als Gastgeschenk nach Münster gekommen war. Normale Landkarten werden von einem Punkt oberhalb des Erdoberfläche aufgenommen. Bei der Himmelsbeobachtung ist die Blickrichtung genau umgekehrt, von unten nach oben. Die Weltkarte auf der Rückseite der Uhr ist nun von einem etwa am Südpol der Erde gelegenen Punkt aus aufgenommen: Der Betrachter schaut sozusagen durch die Erde hindurch auf den Himmel über Münster. Er blickt dabei von unten durch die Erdoberfläche hindurch, die dabei im Vergleich zu einer Landkarte spiegelverkehrt zu sehen ist. In diese spiegelverkehrte Erdkarte sind mehrere Liniensysteme eingetragen: Zunächst, von Münster ausgehend, die der Himmelsrichtungen; auf der Karte liegt Münster etwas oberhalb des Nordpols, dem Mittelpunkt der Karte. Eingetragen sind senkrecht die Nord-Süd-Richtung, waagerecht dazu, nach den Seiten leicht heruntergebogen, die Ost-West-Richtung, dazwischen die 45-Grad-Zwischenunterteilungen. In konzentrischen Kreisen um den Standort Münster herum sind sodann in 15-Grad-Schritten die Polhöhen über Münster abzulesen: Von 90° senkrecht über Münster bis zu der 0°-Linie, dem theoretischen Horizont von Münster aus, eine Kreislinie, die östlich bei der IX und westlich bei III auf die Außenlinie der Mater stößt. Sie ist als HORIZONT OBLIQUS gekennzeichnet (= "der schiefe Horizont"); bis zu dieser Linie würde man von Münster aus den Sternhimmel beobachten können.

Priester hatten in allen Religionen die Aufgabe, die Termine für die religiösen Feste festzulegen. Dabei mussten sie zum Beispiel Vollmondstände genau berechnen können. Eine Astronomische Uhr half ihnen dabei. Astronome halfen durch ihre Vorausberechnungen bei der Justierung der zahlreichen Einstellungen der Uhren. Die Uhr im Dom zu Münster weist eine beachtliche Größe auf, sie ist über 7 Meter hoch, und wunderschön bemalt. Sie zeigt die Uhrzeit, die Tierkreiszeichen, die Himmelsrichtungen, den Stand der Gestirne am Himmel und das Datum an.

Exzentrisch innerhalb des Rete und ein Teil desselben ist der Tierkreis, an den zwölf aufgemalten Sternzeichen leicht als solcher zu erkennen. Oben wurde erwähnt, dass die Nut an seinem äußeren Rand zu jeder Jahreszeit die Polhöhe der Sonne angibt. Außerdem zeigt er zuverlässig das Sternzeichen an, in welchem die Sonne gerade steht. Dieser Teil des Rete wird deshalb auch der Tierkreiszeiger genannt. Bewerkstelligt wird diese Anzeige des jeweiligen Sternbildes dadurch, dass das Rete und damit auch der Tierkreiszeiger sich mit dem Sonnenzeiger mitdreht. Bei dieser täglichen Umdrehung drehen sich aber Rete mit Tierkreiszeiger um ein Dreihundertfünfundsechzigstel schneller als der Sonnenzeiger, so dass dieser täglich um diesen Wert hinter der Umdrehung des Rete zurückbleibt. Im Laufe eines Jahres macht dieses tägliche Zurückbleiben der Sonne gegenüber Rete mit Tierkreiszeiger eine ganze Umdrehung aus. So durchwandert der Sonnenzeiger, wie die Sonne am Himmel auch, rückwärts laufend jedes Jahr einmal den ganzen Tierkreis und steht jeweils genau in dem gerade zutreffenden Zeichen.

 

 

Wenn die volle Stunde schlägt, trompetet das Tutemännchen auf dem Eichenholz, seine Frau schlägt dazu an die Glocke. Alle 15 Minuten tritt das rechte Duo in Aktion: Der Zeitengott Chronos dreht seine Sanduhr um, der Tod schlägt das Stundenviertel.

 

 

Rechts außen stehen die beiden Figuren des Viertelstundenschlages, aufgestellt erst im Jahre 1696 (POSITUM ANNO 1696 steht auf dem Sockel). Jede Viertelstunde dreht der geflügelte Chronos, der Gott der Zeit mit der Sense und mit Flügeln, weil "die Zeit fliegt", seine Sanduhr um; der Tod rechts von ihm, ein Totengerippe mit dem Todespfeil in der Hand, schlägt die jeweilige Viertelstunde auf der Glocke an.

In der Mitte befindet sich ein siebenseitiger Balkon (auf der Stirnseite die Jahreszahl 1542), in dessen Mitte Maria thront mit dem Jesuskind auf ihrem Schoß. Um 12 Uhr mittags läuft folgendes Figurenspiel ab als Illustration der "Dreikönigsgeschichte" aus Kap. 2 des Matthäus-Evangeliums: Von rechts hinter dem Giebel setzt sich der Stern von Bethlehem in Bewegung und dreht sich vor, bis er in der Mitte über der Madonna stehenbleibt. Dann öffnet sich die Tür rechts von der Madonna, heraus tritt zuerst ein junger Diener, gefolgt von den Figuren der Hl. Drei Könige. Sie defilieren von rechts nach links vor der Madonna, wobei die drei Könige sich ehrfürchtig vor ihr verneigen. Ein zweiter, alter Diener beschließt das Defilé. Dazu erklingen von einem Glockspiel die beiden Melodien "In dulci jubilo" und "Lobe den Herren".

Links und rechts von dem Balkon sind je vier Doppelarkaden gemalt, aus denen Herbeigeeilte dem Schauspiel des Vorbeizuges der hl. drei Könige zusehen. Auf der linken Seite ganz rechts, mit rotem Mantel, rotem Barett und goldener Kette hat sich Ludger tom Ring selbst porträtiert. Unter den anderen Figuren links dürften weitere Personen dargestellt sein, die am Bau der Uhr beteiligt waren. — Unklar ist, wen die Personen in den Arkadenöffnungen auf der rechten Seite darstellen; die dunkelhäutigen Männer mit Kraushaar rechts außen sind wohl Diener aus dem Gefolge der drei Könige. — Es ist aufgefallen, dass sich unter den gemalten Personen kein Geistlicher und keine Frau befindet.

Zweidimensionalen Balustrade links und rechts des Königsbalkons

Die lateinische Inschrift oberhalb des Ziffernkreises weist auf die wichtigsten Funktionen der Uhr hin: 

 

"In hoc horologio mobili poteris haec aliaque multa dinoscere:..." 

 

Übersetzt: 

"Auf dieser beweglichen Uhr kann man dies sowie vieles andere ablesen: Die Zeit der gleichen und ungleichen Stunden; den mittleren Gang der Planeten; das aufsteigende oder absteigende Tierkreiszeichen, überdies die Aufgänge und Untergänge einiger Fixsterne. Ferner auf beiden Seiten des Werkes die Herrschaft der Planeten in den astronomischen Stunden. Oben den Opfergang der drei Könige, unten das Kalendarium mit den beweglichen Festen."

Und nur einmal am Tag treten die Könige aus ihrem Sperrholzobdach heraus. Die Metallfiguren tragen bunte Gewänder, die vermutlich in den 60-er Jahren erneuert worden sind. Ihre Diener dagegen sind hölzern – durch und durch. Zu Fünft umringen sie das Jesuskind, das seit über 450 Jahren dort auf dem Schoße seiner Mutter sitzt. 1929 hatte die Uhr ein neues Werk erhalten, das seit seiner Wiedereinsetzung 1951 wie am Schnürchen läuft.

 

 

Figur Kaiser Karl der Große

 
 

▲ Kaiser Karl der Große

 

Während die Konsole der Karlsfigur auf das Jahr 1604 verweist, ist die Figur Karls des Großen erst im 19. Jahrhundert geschaffen worden. Sie bildet ein Pendant zur Gestalt Kaiser Heinrichs II. Beide Kaiser sind häufig in Kirchenräumen zusammen dargestellt und wurden als bedeutende Stifterpersönlichkeiten verehrt. Die Figur zeigt die üblichen Bekleidungsstücke: Rüstung und Mantel. In den Händen hält Karl die Reichsinsignien, auf dem Kopf sitzt die Bügelkrone. Über dem Brustharnisch ist wie bei Kaiser Heinrich II. eine Kette mit dem Orden vom Goldenen Vlies zu erkennen. Die Gestaltung ist an der Figur Karls des Großen im Paradies orientiert. Vermutlich war auf der Konsole eine andere Statue angebracht, die verloren ging oder beschädigt wurde und durch die Figur Karls des Großen ersetzt wurde. Auch ein zu vermutender nachgotischer Baldachin ist heute nicht mehr vorhanden.

 

Ludolf Valke (auch unter dem Namen Valcke bekannt) (* im 16. Jahrhundert; † 1634) war Domherr in Münster und Drost des Amtes Rheine-Bevergern. Er wurde als Sohn des Caspar Valke zu Rockel und dessen Gemahlin Agnes von Merveldt geboren. Sein Bruder Caspar wurde Besitzer des Hauses Rockel, seine Schwester Elisabeth war Äbtissin im Stift Metelen, Agnes heiratete Johannes von Letmathe zu Langen und Johannaheiratete Dietherich Voß zu Beesten.

 

Mit dem Erhalt der Tonsur am 9. November 1586 wurde er auf ein geistliches Leben vorbereitet. Auf Präsentation des Turnars sollte er zwei Tage später die Dompräbende des verstorbenen Domherrn Goddert von Raesfeld erhalten. Ludolf nahm diese am 17. November in Besitz und wurde am 11. Juni 1591 emanzipiert, nachdem er ein Zeugnis der Universität Padua vorgelegt hatte. Am 11. Dezember 1598 wurde Ludolf Hofjunker beim Kurfürsten Ernst von Bayern. Wegen einer möglichen Kollision mit der Präsenzpflicht beschloss das Domkapitel den Entwurf eines Statuts, wie in solchen Fällen künftig zu verfahren ist. Im Jahre 1604 stiftete Ludolf eine gepanzerte Statue Karls des Großen mit Zepter und Weltkugel sowie dem Wappen seiner Eltern. Sie stand im Ostquerschiff des Doms zu Münster. Im Jahre 1611 wurde Ludolf zum Drosten des Amtes Rheine-Bevergern bestallt. Er heiratete am 26. Oktober 1615 Johanna Maria von Neuhoff. Aus der Ehe sind die Kinder Stephan, ∞ Elisabeth Anna von Rhede, Jobst (Dompropst in Minden), Maria Margaretha, ∞ Bernhard von Kerckerinck zur Borg und Adolph (Kapitular) hervorgegangen.

 

 

 

Grabdenkmal des Dompropstes Ferdinand von Plettenberg

 

▲ Grabdenkmal des Dompropstes Ferdinand von Plettenberg

Ebenfalls im Johanneschor, dem Südarm des Ostquerhauses, befindet sich das Grabdenkmal des Dompropstes Ferdinand Freiherr von Plettenberg, der im Jahre 1712 verstarb. Dieses Grabdenkmal aus der Zeit des Spätbarock, das Johann Vilhelm Gröninger wohl zwischen 1712 und 1722 anfertigte, kann als ein Höhepunkt der künstlerischen Entwicklung der Grabmäler und Epitaphien des Domes angesehen werden. Über einem hohen, dynamisch konkav eingezogenen Sockel mit der Memorieninschrift ist als freiplastische Szene vor einem reliefierten Hintergrund das Gebet Christi am Ölberg aus Alabaster dargestellt. Der Sockel endet seitlich mit schräg gestellten Mauerpartien, die mit Volutengebilden besetzt sind. Fein abgestufte Profile schließen den Sockelaufbau nach oben hin ab. Die Figurengruppe wird gerahmt von einer eindrucksvoller Sandstein-Portalarchitektur aus schräg-gestellten Lisenen, deren Spiegel Wappenschilde zieren, und besonders betont durch jeweils eine äußere, schräg abgewinkelte dorische Säulenordnung. Ein Gebälk mit einem flachbogigen Giebel schließt die Architektur ab.

 

Sakramentskapelle

Aus der Barockzeit (von 1766) stammt der silberne Altaraufsatz mit dem Tabernakel ("Zelt"). Dieser Altar ist stets liebevoll mit Kerzen und Blumen geschmückt. Hier holen und hierher bringen die Kommunion-Austeilenden die gewandelten Hostien, die in Gottesdiensten übrig bleiben.

Epitaph Bernhard von Münster, Laurentiusaltar St.-Paulus-Dom Münster

 

Laurentiusaltar

 

Bernhard von Münster (* 1500; † 1. Mai 1557 in Münster) war ein Dompropst in Münster. Er entstammte als Sohn der Eheleute Johann von Münster zu Meinhövel und Berta Hilla von Diepenbrock dem hochfreien westfälischen Adelsgeschlecht von Münster. Anna Tartenmeckers (auch Teuteberg, Totenmakers) war seine Konkubine. Mit ihr hatte er sieben Kinder, was in der Reformationszeit toleriert wurde. Seine Tochter Catharina heiratete den Bischofssekretär Johann Droste († 1596). Dieser entstammte einer illegitimen Verbindung des Stiftsbursars von St. Ludgeri (Münster), Johann Droste zu Handorf, einem Sohn des Bürgermeisters von Münster Everwin II. von Droste zu Handorf. Sein Bruder war der bischöfliche Offizial und humanistische Schriftsteller Everwin von Droste zu Hülshoff.

 

Bernhard war im Jahre 1522 Domherr und wurde am 13. November 1553 als Nachfolger Wilhelm Kettelers zum Dompropst gewählt und am 1. Januar 1554 vom Bischof bestätigt. Er war Befehlshaber des Hauses Lüdinghausen und im Besitz der Obödienz Scholving sowie des Archidiakonats Stadtlohn. Nach dem Tode seines kinderlosen Neffen Heinrich von Münster errichtete er im Jahre 1555 den Laurentiusaltar im münsterischen Dom, vor dem er nach seinem Tode am 1. Mai 1557 bestattet wurde. Hier befindet sich sein Epitaph. Zu seinem Nachfolger wurde der im Collegium Germanicum in Rom erzogene und ausgebildete Johann Schencking – aus einer münsterischen Erbmännerfamilie stammend – vom Papst bestimmt. Das Domkapitel verweigerte jedoch wegen seiner Herkunft die Amtseinsetzung. Dies war der Beginn des bis zum Jahre 1708 andauernden münsterischen Erbmännerstreits.

 

 

Epitaph des Domherrn Johann von Hüchtebrock, gestorben 1615

 
 
 
 
 
 

Das mit Wappen und Engeln reich verzierte Epitaph ist ebenfalls dem Stil des Manierismus zuzuordnen und wurde von einem unbekannten Bildhauer geschaffen. Der Hauptteil des Epitaphs zeigt die bewegte Szene der Dornenkrönung Christi. Davor kniet der Stifter in Talar, Chorhemd und gefälteltem Kragen, der Halskrause. Christus sitzt, umgeben von Soldaten, die ihm die Dornenkrone aufdrücken, vor der mächtigen Geißelsäule im Hintergrund. Zwei Vorgesetzte Säulen mit plastischen Ornamenten im unteren Teil tragen in der Mitte ein aufgebogenes Gebälk, das den Szenenraum bildet. Die unten angehängte Inschriftkartusche, die reich mit Knorpelwerkornamenten und Cherubsköpfchen umfasst ist, zählt die Namen und die Titel des verstorbenen Domherrn Johann von Huchtebrock. Besonders beherrschend sind auch die sechszehn Ahnenwappen, die vom unteren Teil, an den Seiten des Hauptteils verlaufend, im Hauptwappen des Verstorbenen gipfeln, über dem eine Statue des Christus Salvator mit Weltkugel angebracht ist. Engel mit Blütengehängen an den Seiten des Mittelteils bilden einen zusätzlichen Ornamentschmuck.

Statue des heiligen Johannes von Nepomuk

Die Figur wurde von Domherr Matthias Engelbert Friedrich Burchard Freiherr von Westerholt gestiftet, der 1729 starb. Die vielfältige geschweifte Sockelstruktur trägt die lisenengerahmte Figurennische. Die Lisenen sind mit Blütengehängen verziert. Ein Segmentgiebel schließt das Architekturgehäuse nach oben hin ab, von dem Lambrequins herabhängen. Durch einen Schleier, der zur linken Seite herabfließt, sieht man eine breit angelegte Muschel, die den Kopf des Heiligen hinterfängt, der gleichsam aus einem fiktiven Raum durch den Vorhang auf den Betrachter zugeht. Zuseiten der Plinthe sind zwei Putten zu sehen. Der linke Putto legt den Finger auf seinen Mund und hielt ehemals einen Schlüssel empor, als Sinnbild für das Beichtgeheimnis. Der Rechte umfasst einen heute abgebrochenen Palmzweig, das Zeichen für einen Märtyrer. In kecker Weise sieht rechts aus halber Höhe ein Putto aus dem Vorhang hervor. Der heilige Nepomuk ist traditionsgemäß als Domkapitular gekleidet. Über einem Talar trägt er ein Rochett mit reicher Spitzenborte und um die Schulter eine Almutia. Auf dem Kopf trägt er ein Barett. In bewegter Haltung hält er einen großen Kruzifixus mit Palmwedel. Neben dem prächtigen, im Zentrum des Sockels angebrachten Wappen von Westerholt, das von zwei Schwänen flankiert wird und eine Inschriftkartusche besitzt, sind zwei Flachreliefs zu erkennen, deren Umriss ebenfalls subtil geschweift ist, wie es typisch ist für die Zeit der Régence. Hier sind zwei Begebenheiten aus dem Leben des heiligen Nepomuk zu erkennen, links wird die Beichte der Königin gezeigt, der der geharnischte König Wenzel in Begleitung eines Hundes entgegentritt, um vom heiligen Nepomuk den Inhalt dieser Beichte zu erfahren. Auf der rechten Seite ist zu sehen, wie der gefolterte Märtyrer durch Soldaten von der Moldaubrücke gestürzt wird. Im Vordergrund sind ein Soldat und eine Frau mit Kind zu erkennen. In Pomuk, Böhmen, 1314 geboren und seit 1370 Kleriker, war Nepomuk zugleich Notar an der erzbischöflichen Gerichtskanzlei zu Prag. Nachdem er 1380 Priester geworden ist, wird er neun Jahre später zum Generalvikar des Erzbischofs Johann von Jenzenstein. Da er sich weigert, ein Beichtgeheimnis der Königin Wiederzugeben, wie es auf dem Sockel der Statue dargestellt ist, lässt König Wenzel ihn foltern und 1393 von der Moldaubrücke werfen. Als der Leib ans Ufer gespült wird, wird er schließlich im Dom bestattet. Als man 1719 sein Grab öffnete, waren die Gebeine und vor allem die Zunge unversehrt. 1729, genau in dem Jahr, in dem Freiherr von Westerholt starb, wurde Johannes von Nepomuk heiliggesprochen. Die Ent-stehung des Monumentes steht somit in engem Zusammenhang mit der einsetzenden Heiligenverehrung der Zeit nach 1729. Vor allem im 18. Jahrhundert wurde der heilige Nepomuk als Brückenheiliger an vielen Stellen in Westfalen verehrt.

Blick in den Alten Chor, mit barockem Hochaltar

 
Der Flügelaltar, darüber das Rundfenster, das man „Seelenbrause“ nennt.
 

Nach einem Entwurf von Fritz Thoma wurden in die Westwand zwölf kreisförmig angeordnete Rundfenster eingebaut, die weitere vier quadratisch angeordnete Rundfenster umschließen. Diese Gestaltung lehnt sich mit deutlichen Spuren der Baukunst der 1950er-Jahre an das ursprüngliche romanische Westwerk an. Unter der Bevölkerung kursieren spöttische Bezeichnungen für die 16 Rundfenster. So ist etwa von „Keller-Fenstern“ (in Anlehnung an den damaligen Bauherren Bischof Keller), von „Seelenbrause“ oder „Wählscheibe Gottes“ die Rede.

 
Taufbecken mit Löwenmotiv im Westchor
 
 
 

Doch nicht nur alte Kunst finden die Besucher beim Gang durch den Dom. Der Kirchenführer weist auf ein Triptychon des Künstlers Thomas Lange in der südlichen Turmkapelle, auf die Fenster von Georg Meistermann im Kapellenkranz des Domes und auf den Kreuzweg von Bert Gerresheim im Chorumgang hin. Man legt auch Wert auf moderne Kunst – als Glaubenszeugnisse der Gegenwart.

Durch eine vom Kirchenraum abgehende Holztür erreicht man den Kreuzgang, der 1390-1395 entstanden ist und in seinem Inneren den Friedhof der Domherren umfasst. Angebaut an den Kreuzgang ist die Domkammer, die bedeutende Zeugnisse des Kunsthandwerks der Bildhauerei und der Malerei aus der 1200-jährigen Geschichte des St.-Paulus-Domes enthält.

█ Kreuzgang, Anbauten und Domherrenfriedhof

Nördlich des Doms liegt der Kreuzgang, der durch die Türen der nördlichen Querhausarme erreicht werden kann. Der Kreuzgang entstand in den Jahren 1390–1395. Vom Kreuzgang aus erreicht man die Sakristei, die Marienkapelle, die angebaute Domkammer und den Gartensaal.

 

Kapitelsaal

Von der Sakristei aus gelangt man in den Kapitelsaal. In diesem Saal tagt das Domkapitel, wenn ein neuer Bischof gewählt wird. Im Kapitelsaal befindet sich ein dunkler Holztisch, an dem zwölf hochlehnige Stühle für die Mitglieder des Domkapitels stehen. An den Wänden befinden sich Holz-Vertäfelungen, ähnlich denen im Friedenssaal des historischen Rathauses. Sie zeigen Wappen ehemaliger Domkapitulare, die bis Anfang des 19. Jahrhunderts aus dem Adel stammten.

 

Bischöflicher Gartensaal

Vom nördlichen Kreuzgang aus gelangt man in den (rekonstruierten) bischöflichen Gartensaal, der auch als „Kachelzimmer“ oder „das blaue Zimmer“ bezeichnet wird. Der historische Gartensaal aus der Zeit um das Jahr 1750 war ein festlicher Rokokoraum im bischöflichen Palais am Domplatz, der zum Garten hin gelegen war. Bekannt war der Gartensaal für seine weiß-blau-gemalten Majolika-Platten an den Wänden. Bei einem Bombenangriff am 10. Oktober 1943 wurde das bischöfliche Palais samt Gartensaal weitgehend zerstört. Von den Kacheln blieben 20 große Kisten mit ca. 4.000 Scherben übrig. Mitte der 1970er Jahre begann man mit einer Teilrestaurierung der Großfliesen aus dem 16. Jahrhundert, von denen nur ca. ein Drittel erhalten waren. Die geretteten Scherben wurden, soweit möglich, im Handorfer Vorsehungskloster zu einem Mosaik zusammengesetzt, in künstlerischer Feinarbeit restauriert und soweit nötig ergänzt. Anfang der 1980er Jahre wurde im Zuge des Neubaus von Offizialat und Domkammer beschlossen, den früheren Bischöflichen Gartensaal angrenzend an den Kreuzgang des Domes wiedererstehen zu lassen. 1984 wurde der Raum eingeweiht.

 

Domherren-Friedhof

Im Inneren des umschlossenen Kreuzganges befindet sich der Friedhof der Domherren. Der Friedhof wird heute noch für Begräbnisse genutzt. Zuletzt wurden hier im Jahre 2009 Weihbischof Josef Voß, im Jahre 2012 Weihbischof Alfons Demming, im Jahre 2014 Domvikar Hans Ossing und im Jahre 2022 Dompropst Josef Alfers beigesetzt.

Relief im Kreuzgang
 
 

Epitaph des Domvikars Heinrich Poppe

Das Epitaph des Domvikars Heinrich Poppe (+1703) wurde von Johann Mauritz Gröninger geschaffen. Das heute an der Nordwand des nördlichen Kreuzganges angebrachte Epitaph zeigt unterhalb eines Muschelnimbus die steil aufgerichtete Gruppe der Maria, die den Leichnam Christi hält. Die Figur des Christus ist spannungsvoll links neben dem Körper Mariens angeordnet und wird von ihr zugleich gehalten. Der Kopf liegt auf Mariens Schoß. Die gleichsam bewegt erscheinenden gegensätzlichen Kopf- und Körperhaltungen sind sehr eindrucksvoll gestaltet. 

 

Altar mit der Gregorsmesse

▲ Relief Altar mit der Gregorsmesse im Kreuzgang. Dieser äußerst qualitätvolle spätgotische Altar von Heinrich Brabender ist als Pendant zum Johannesaltar entstanden. Beide Altäre stammen ursprünglich aus dem ehemaligen Zisterzienserinnenkloster Vinnenberg und gelangten 1898 in das Bischöfliche Diözesanmuseum in Münster. Der Altar mit der Gregorsmesse kann aufgrund einer spätgotischen Inschrift auf der Schmalseite auf das Jahr 1502 datiert werden. Es handelt sich um einen kastenförmigen Schrein, der in Felder untergliedert ist.
 

In hochrechteckigen, von sich verschränkendem Maßwerk reich gegliederten Feldern sind paarweise die vier lateinischen Kirchenväter angeordnet:

 

Auf dieser Seite Augustinus, Ambrosius 

Christus steht, vor einem Strahlenkranz auf der schräg in den Raum hineinweisenden Grabplatte, die sich wiederum auf einem Altarstipes erstreckt. In anbetender Haltung sind hinter dem Sarkophag die aufblickenden Figuren der Maria und des Johannes zu erkennen. Zerbrechlich und zugleich prägnant ist die Figur des Christus gestaltet mit dem für Heinrich Brabender typischen, fein empfundenen Antlitz und der subtil modellierten Leiblichkeit. 

In hochrechteckigen, von sich verschränkendem Maßwerk reich gegliederten Feldern sind paarweise die vier lateinischen Kirchenväter angeordnet:

 

 

Auf dieser Seite Gregor der Große und Hieronymus

▲ In feinem Detailreichtum ist am linken Bildrand eine Fegefeuer-Darstellung integriert, die die Hoffnung der Stifter auf Linderung der Qualen im Jenseits pointiert zum Ausdruck bringt: Ein Engel reicht den im Feuer schmorenden Seelen Wasser aus einem Krug, ein anderer hält einen Rosenkranz bereit, während darüber ein Weiterer Engel eine Gestalt aus den lodernden Flammen emporzieht.

 

 

▲ Im Zentrum ist die Gregorsmesse dargestellt:

 

Der Legende nach war Papst Gregor während einer Messfeier der gekreuzigte Christus erschienen. Papst Gregor, der vor dem seitlich mit Altarvelen ausgestatteten Altar steht, wird von zwei Diakonen der Chormantel gehalten. 

Von besonderer Subtilität sind die reichen, zeitgenössischen Gewänder, wie der Chormantel des Papstes und die Dalmatika des Diakons und des Subdiakons.

Unter der Sarkophag- und der Hauptszene ist ein nicht mehr vollständiges Chronogramm zu erkennen. Unterhalb der Szene sind in drei Nischen, die wie eine Predella aufgebaut sind, die großen Heiligen des Benediktinerordens dargestellt:

▲ Heiliger Märtyrer Valentinus, der heilige Bischof Benno und der heilige Abt Gallus

▲ Mönchsvater Benedikt von Nursia zwischen zwei fürbittenden und zwei betenden Mönchen

▲ Heiliger Beda Venerabilis, der heilige Joscio von St. Bertin und der heilige Abt Columban

Die Törichten und Klugen Jungfrauen im Kreuzgang

▲ Zuseiten eines großen Gitters befinden sich die Figuren der klugen und törichten Jungfrauen, die aus dem Gewände des ehemaligen Festportals. Sie wurden wohl um 1620/30 von Gerhard Gröninger im Stil des Manierismus geschaffen. Die Klugen waren an dem nördlichen, die Törichten am südlichen Gewände des Westportals von 1516 angebracht. Die klugen Jungfrauen sind alle der Maria zugewandt, während die anderen sich in verzweifelten Gesten zum Teil nach innen bzw. nach außen wenden. Die Figuren sind von außergewöhnlicher Eindringlichkeit. Sie tragen antikische Gewänder die aus einem Kleid und einem darüber liegenden Mantel bestehen, die in weich gemuldeten, ungewöhnlich plastischen Faltenstrukruren herabfließen und unter denen sich der Körper deutlich sichtbar abzeichnet. Die klugen Jungfrauen tragen die nach oben gerichteten Lampen, sie werden den himmlischen Bräutigam Christus kennenlernen. Die törichten Jungfrauen hingegen haben ihre Lampen bereits benutzt und kein zusätzliches Öl für ihre Lampen mitgeführt, wie die nach unten gerichteten Lampenkörper verdeutlichen.

Die klugen Jungfrauen und die Bronzefigur "Der Bettler"

▲ Im Kreuzgang wurde der "Bettler", eine Bronzefigur des Künstlers Ernst Barlach, aufgestellt. Die Plastik des "Bettlers" ist eine der qualitätsvollsten und beeindruckendsten Schöpfungen Barlachs. Dass die Figur jetzt im Dom zu sehen ist, ist ein Glücksfall. Der Künstler schuf das Modell im Jahr 1930. Die Bronzefigur im Dom ist einer von insgesamt acht Güssen, die die Nachlassverwaltung Barlachs um 1979/1980 anfertigen ließ. Die 2,17 Meter große Figur stand bisher in der St.-Laurentius-Kirche in Herne. Sie ist eine private Stiftung des Pfarrers Franz Josef Hoffmann, der sie jetzt dem Dom in Münster übergab, um sie einem größeren Publikum zugänglich zu machen.

Ehemaliges Taufkapellengitter

Altes schmiedeeisernes Tor im Kreuzgang

Figuren des Hl. Johannes und der Hl. Agnes

Johann von Letmathe (*16. Jahrhundert; †17. Jahrhundert) war ein römisch-katholischer Geistlicher und Domherr in Münster. Er war der Sohn des Temmo von Letmathe zu Langen und dessen Gemahlin Jaspara Droste zu Vischering. Sie war die Tochter des Heidenreich Droste zu Vischering. Sein Bruder Franz (1575–1638) war Subdiakon und Domherr in Münster. Heidenreich, sein anderer Bruder, Subdiakon und Domdechant in Münster. Am 22. August 1577 erhielt Johann durch den Turnar Rudolf von Münster eine Dompräbende und nahm am Tag darauf Besitz von der freien Präbende des Heidenreich Droste zu Vischering. Am 11. Dezember 1589 legte Johann eine Bescheinigung über den Empfang der Weihe zum Subdiakon vor und nahm das dompropsteiliche Lehen Overbeck in Besitz. Am 4. Februar 1596 verzichtete er zu Händen des Vizedominus Dietrich von Plettenberg. Dieser gab die Pfründe an seinen Bruder Franz. Mit der Eheberedung am 18. Februar 1596 heiratete Johann Agnes Valke zu Rockel. Aus der Ehe ging der spätere Domherr Heinrich von Letmathe hervor. Johann war Stifter der Statue des Evangelisten Johannes und der Heiligen Agnes.

 

Heinrich von Letmathe wurde als Sohn des ehemaligen Domherrn Johann von Letmathe und dessen Gemahlin Agnes Valke zu Rockel geboren. Mit dem Erhalt der Tonsur am 19. November 1613 wurde er auf ein geistliches Leben vorbereitet. Am 28. Dezember 1620 legte er eine Zusage auf die Dompräbende des Domherrn Engelbert von Brabeck vor und nahm diese am 29. Januar 1621 in Besitz. Am 2. Dezember 1641 verzichtete er und heiratete Maria von Syberg zum Busch. Deren Sohn war der spätere Domherr Johann Caspar von Letmathe.

 

 

Grabplatte des Dompropstes Johann Rotger Torck

Johann Rotger Torck  (+1686) war wohl einer der wichtigsten Dompröpste der Kathedrale. Er hat als Erster den bedeutenden Bildhauer Johann Mauritz Gröninger mit einer Skulptur im Hochchor beauftragt. Umso erstaunlicher ist es, dass sein 1686 entstandener Grabstein relativ einfach gestaltet ist. Von zwei Rahmenprofilen eingefasst, umgibt ein Blütengehänge mit Früchten als Rahmung den Grabstein. Zentral sind Inschrifttafel und Doppelwappen zu erkennen, während die Inschrift, die die Verdienste des Verstorbenen und seine Titel angibt, von Knorpelwerk umfasst ist, wird das Doppelwappen Torck-Schencking von Palmetten gerahmt und von der Adelskrone bekrönt. In den Ecken die Familienwappen der Großeltern.

Vermutlich vom gleichen Bildhauer stammt das ebenfalls 1686 entstandene Epitaph des Johann Rotger Torck, das als Bruchstück ehemals in der unteren Kapelle des Südturms angebracht war und sich auf das Grab des Johann Rotger Torck vor dem Treppenabgang bezieht. Die hochrechteckige, sehr ausführliche Inschrifttafel ist erneut mit Fruchtblütengehängen verziert, oben halten zwei Putten das nur noch fragmentarisch erhaltene Wappen Torck.

Marienkapelle

 
 
 
 

Die Marienkapelle liegt am Kreuzgang, direkt neben der Sakristei, deren Gewänder-Schränke man durch die  geöffnete Verbindungstür erkennen kann. Die Kapelle ist nur selten geöffnet. Der Bischof kleidet sich für Gottesdienste in der Marienkapelle an, zu der es von der Sakristei aus einen Zugang gibt. Die übrigen Zelebranten und Geistlichen bereiten sich in der Sakristei auf die Feier vor. In der schlichten Kapelle fällt der Blick sogleich auf das romanische Kreuz hinter dem Altar.

Innenraum des umschlossenen Kreuzganges mit dem Friedhof der Domherren

Man kann den Paulus-Dom nicht verlassen, ohne den Friedhof der „Domherren“ zu besuchen, einen der bewegendsten Ort der Stadt. Eine paradiesische Stille umgibt uns hier. An diesem Vormittag blühen an fast allen Gräbern leuchtend gelbe und rote Geranien. Und so geht man die meisten der hier Bestatteten wieder einmal durch: den 1927 verstorbenen Domvikar Hermann Kerkhey, den 1982 verstorbenen Regens Johannes Weinand, den Domprediger Adolf Donders, den Dompropst Clemens Eehelmeier, den Domvikar Holling, den Domchordirektor Hubert Leiwering und den Platz des treuen und tapferen Generalvikars Franz Meis (+1946), der „rechten Hand“ Galens, von etlichen anderen hier beigesetzten Verstorbenen zu schweigen… Fast mit jedem dieser Namen verbindet sich eine Geschichte, ja, ein Schicksal. Und alle miteinander gehören untrennbar zu Münster.

 

Apropos Galen: Sein Grab im Dom hatten wir schon vorher bei unserem Rundgang besucht. Bekannt wurde Galen vor allem durch sein öffentliches Auftreten gegen die „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ in der Zeit des Nationalsozialismus. Ein Rückblick: Am 16. März 1946 kehrte Galen, von Papst Pius XII mit den Insignien der Kardinalswürde ausgestattet, nach Münster zurück. Auf den Trümmern des von Bomben zerstörten Doms sprach er zu fünfzigtausend Menschen. Dort sagte er den Satz: “Ich wusste, dass Ihr hinter mir standet."

 

Schon bei Besuchen von Kriegsgefangenenlagern im Raum Tarent und Bari im Februar und März 1946 erwähnte von Galen in Ansprachen seine Todesahnungen. Der ihn begleitende Domkapitular berichtet den Satz: "Meine Zeit ist bald vorbei, und wenn ich dort oben bin, wendet euch nur an mich.“  Am 19. März 1946 wurde Bischoff von Galen mit starken Bauchschmerzen in das St.-Franziskus-Hospital in Münster eingeliefert und starb dort am 22. März 1946, wenige Tage nach seiner Rückkehr. Sein Werk war getan. Auf seinem Weg zum Grab in einer Seitenkapelle des Doms folgte ihm eine erschütterte Volksmenge - mitten durch das zerstörte Münster.

 

Münster, denke immer daran und vergiss nicht, wessen Leib Du in deinem Zentrum beherbergen darfst. Es ist die Gestalt eines Menschen, der die höchsten der menschlichen Tugenden verkörpert - ein Mann des Mutes und der Wahrhaftigkeit. Ein Frommer, ein Christ. Ein Heiliger. 2005 wurde Bischoff von Galen seliggesprochen.  

 
 
 
 

Totenleuchte und Grabplatte des Generalvikars Franz Friedrich Wilhelm von Fürstenberg

Auf dem Domherrenfriedhof befindet sich ganz zentral eine Totenleuchte aus Baumberger Sandstein. Die sechsseitige Totenleuchte setzt sich aus dem Sockel- und Leuchtenaufbau, der mit Strebepfeilern, Fialen, Kreuzblumen und Maßwerkschmuck ausgestattet ist, zusammen. Totenköpfe am Sockel und zwei gewandete Gestalten des Todes auf einem bekrönenden Postament deuten auf die Vergänglichkeit des Irdischen hin und beziehen sich zugleich auf die Funktion des Aufbaus auf dem Domherrenfriedhof. Die Totenleuchte wurde mehrfach erneuert. Mitte des 16. Jahrhunderts geschaffen, wurde 1929 ein neuer Korpus errichtet. 1985 wurde die Leuchte vollständig kopiert und rekonstruiert. Die Totenleuchte wird von einer kreisrunden Buchsbaumbepflanzung eingefasst. Auf der Nordseite, zum Kreuzgang gelegen, befindet sich innerhalb dieser Bepflanzung eine schlichte querrechteckige Grabplatte aus Bronze für den Generalvikar Franz Friedrich Wilhelm von Fürstenberg (1729-1810). Franz Friedrich Wilhelm von Fürstenberg wurde nach seinem Studium der Philosophie und des Kirchenrechts in Köln, Salzburg und Rom im Jahre 1753 Domherr in Münster. Seit 1770 war er Generalvikar. Als bedeutende bildungspolitische Maßnahme gründete Fürstenberg im Jahre 1773 die Universität in Münster.

 

Epitaph des Domvikars Hermann Kerkhey

Hermann Kerkhey ✝ 09. Juli 1866; * 07. August 1927

Domvikar in Münster 1896

Dr. theol. und phil. 1892 Priesterweihe,

1895 Kaplan in Herbern,

1896 Domvikar in Münster,

1902-1906 Hilfsprediger am Dom

 

wdf - wupper digitale fotografie

 Alle Bilder auf diesen Seiten unterliegen dem © von Klaus-D. Wupper. Das Copyright für veröffentlichte, vom Betreiber dieses Onlineangebotes selbst erstellte Objekte bleibt allein beim Autor der Seiten.
Eine Vervielfältigung oder Verwendung solcher Grafiken, Sounds oder Texte in anderen elektronischen oder gedruckten Publikationen ist ohne ausdrückliche Zustimmung des Betreibers nicht gestattet.

wdf - wupper digitale fotografie 0