Propsteikirche St. Ludgerus (Ludgerus-Dom)

Die 1892 - 1898 erbaute Propsteikirche St. Ludgerus, steht auf den Fundamenten einer älteren Vorgängerkirche. Der neugotische Billerbecker Dom, aus den Materialien der Baumberger Sandsteine erbaut, ist ein monumentaler Bau der Münsteraner Kirchengeschichte. Am Hauptportal der Westfassade befinden sich rechts und links zwei Steinfiguren, der Hl. Abt Gregor von Utrecht und der Hl. Nikolaus, der frühere Patron der Kirche. Über dem schönen Kirchenportal, im Giebelfeld und in einer Nische mit Baldachin, befindet sich eine Skulptur des Hl. Ludgerus, dargestellt mit Hirtenstab, segnender Hand und zu Füßen eine Gans.

Westfassade

Im Inneren des Doms präsentiert sich das mächtige Mittelschiff mit Kreuzrippengewölbe, auffällig die im gotischen Stil bunten Kirchenfenster des Altarraums, die je nach Sonnenlicht, die ehrwürdigen Gemäuer des Gotteshauses erleuchten lassen. Natürlich ist auch hier die Ludgerusverehrung überall präsent. Zum Beispiel die wunderbare Kanzel von Bernhard Frydag, ein bekannter deutscher Bildhauer aus Münster, er stellte das Kunstwerk aus Baumberger Sandstein her. Der schöne Altar aus weißem Carraramarmor und im Chorraum die barocke Liudgerbüste, ein Reliquiar aus dem Jahre 1735. Steinmetze, Bildhauer, Kunstschreiner und Glaser haben hier Meisterliches vollbracht. Hervorzuheben ist die Arbeit und Leidenschaft des Architekten und Baumeisters Wilhelm Rincklake, der später als Pater Ludger im Kloster Maria Laach lebte. Aber auch die vielen anderen fleißigen Arbeiter, die unter den damaligen schweren Bedingungen am Kirchenbau beteiligt waren, muss man an dieser Stelle erwähnen. All die Kraft, die man in Billerbeck aufbrachte und den Stolz der Bürger, die bis heute an der Liudgerverehrung festhalten, zeugen doch von einer starken christlichen Glaubensgemeinschaft ihres Patrons, der ihnen Kraft und Halt gab. Im Südturm des Doms befindet sich die Sterbekapelle des Hl. Ludgerus, das Ziel vieler Pilger und Wallfahrer, die Billerbeck bis heute besuchen.

Hauptaltar

Der geöffnete südliche Seitenchor

 

Er ist dem heiligen Josef geweiht, der bei geöffnetem Altar mit dem Jesuskind zu sehen ist. Rechts und links von ihm befinden sich Gemälde und Reliefs, die sich auf das Leben Josefs beziehen. Das Bild des geschlossenen Altars nimmt Bezug auf die Erhebung Josefs zum Schutzpatron der Kirche durch Papst Pius IX. am 8. Dezember 1870; daneben (rechts) die Heiligen Franz von Sales, Alfons von Liguori und der selige Hermann-Joseph; (links) Theresia, Birgitta und die selige Maria von den Engeln. Die drei Fenster zeigen weitere Darstellung aus dem Leben des Heiligen.

Beichtstuhl im Mittelschiff

Altar in der Sterbekapelle

Ludgerus (742-809) oder auch kurz Ludger, wie er im Münsterland gerne genannt wird, war ein sanftmütiger Prediger, er pilgerte gerne über die Lande und verkündete in den kleinen Gemeinden in Friesland, Sachsen und des Münsterlandes das Wort Gottes. Karl der Große, der die Sachsen mit dem Schwert zum Christentum bekehrte, erhoffte sich die Hilfe des gelehrten Missionars Ludgerus. Zuviel Blut hatte die Christianisierung des Landes gekostet. Ganz anders der hl. Ludgerus, er überzeugte mit Sanftmut und Güte, ganz wie Jesus oder seine Vorbilder die Apostel Paulus und der Missionar Bonifatius. Mit seiner Leidenschaft und Hingabe zu Gott, eroberte er die Herzen der Menschen zum Christentum.

 

Ludgerus entstammte einer wohlhabenden Familie eines friesischen Adelsgeschlechts. Viele Jahre war er Schüler des Abtes Gregor von Utrecht und lernte im Martinsstift der Utrechter Domschule. Auch bei Alkuin von York (England) studierte er und wurde zum Diakon geweiht. Der spätere Missionar Ludgerus wird bis heute als der Apostel der Friesen und des Münsterlandes bezeichnet. Er gründete die Klöster in Essen-Werden und St. Ludgeri in Helmstedt. Im Jahre 805 wurde er auf Wunsch Karls des Großen in Köln zum ersten Bischof von Münster geweiht.

 

Seine letzte Reise trat er am Passionssonntag, dem 25. März 809 an, nachdem er in Coesfeld eine Predigt hielt, machte er sich auf den Weg nach Billerbeck, um auch dort eine Predigt zu halten, wo er dann einen Tag später verstarb. Sein Neffe der Priester Gerfrid, der in einer Lichterscheinung den nahen Tod Liudgers vorhersah, fand ihn später tot vor. Seine Grabstätte befindet sich, wie auch die seines Bruders Hildigrim, in der Krypta der Ludgerusbasilika in Essen-Werden. Dem hohen Bekanntheitsgrad Liudgers zufolge, auch durch die Zerstreuung und Verteilungen einzelner Reliquien, unter anderem an seinen Wirkungsstätten, wird bis heute zu Ehren des Heiligen Liudger gedacht.