Herbede

Eine Frau namens Werica aus dem Weiler Herbede im Gau Hatterun war seit ihrer Geburt blind geblieben. Auch sie ließ sich von ihren Eltern und Verwandten zu den Reliquien des Märtyrers Alexander führen. Dort erhielt sie ihr Augenlicht. Darauf kehrte sie mit fröhlichen Blicken freudig und beglückt auf demselben Wege heim, auf dem sie vorher in Trauer und Angst gekommen war.“

In diesem Ausschnitt aus dem Bericht über die Überführung der Gebeine des heiligen Märtyrers Alexander von Rom nach Wildeshausen wird Herbede für das Jahr 851 erstmals erwähnt (Translatio S. Alexandri auctoribus Ruodolfo et Meginharto, Kapitel 12, Absatz 1, um 865). Der Ursprung Herbedes dürfte jedoch schon vor 700 liegen, während der Ortsname Witten erstmals 1214 urkundlich erwähnt wird.

Der Amboss-Brunnen am Platz an der Schmiede erinnert an dessen Geschichte

Nur 5 Gehminuten von der Anlegestelle Lakebrücke der MS Schwalbe liegt der historische Ortskern Herbede mit zahlreichen alten Fachwerkhäusern und Villen aus verschiedenen Epochen.

Geht man die Herbeder Meesmannstraße als Auswärtiger entlang, so könnte man fast an diesem Platz vorbeilaufen. So unauffällig ist der Zugang, der zum Platz an der Schmiede führt. Erst bei seinem Betreten stellt man verblüfft fest, wie groß er ist. Im Zuge der Umgestaltung der Meesmannstraße und der Entwicklung von Herbede ist der Platz an der Schmiede in den 1980er Jahren konzipiert worden. Bis dahin hatte er eher den Charakter eines Hinterhofs. Im Bereich des Platzes waren früher auch mal die Kohlenhandlung Hagebusch, später Fricke, und im hinteren Teil das Lager der Holzhandlung Wischmann.

An die Namensgebung erinnert ein Brunnen mit einem schräg gestellten Amboss, der in den 80er Jahren von einem Künstler gestaltet wurde. Im Garten des Fachwerkhauses Brinkmann befindet sich noch ein Original-Amboss aus der Schmiede. Das Fachwerkhaus von 1689 liegt auf der Ecke zum Platzeingang an der Meesmannstraße. Die eigentliche Schmiede befand sich in dem dahinterliegenden Bruchsteinhaus aus dem Jahr 1893. Sehr wahrscheinlich ist, dass auf dem Platz auch mal eine Art Dorfteich war, weil die Schmiede zum Kühlen des Eisens mit Wasser arbeiteten. Bis 1972 fuhr, über die Herbeder Ruhrbrücke kommend, bis zum Platz an der Schmiede die Straßenbahnlinie 12.

Haus Schellenberg, erbaut zwischen 1660 und 1680

Haus Schellenberg ist ein zweigeschossiges Fachwerkhaus mit einem hohen Sockel aus Ruhrsandstein. Der Sockel wird durch eine hohe, doppelläufige Freitreppe überwunden. Das gusseiserne Geländer, zwei Flacherker und die alte Haustüre bestimmen das Erscheinungsbild. Mit dem Haus verbunden sind zwei Nebengebäude in Fachwerkkonstruktion, das eine von 1725 mit Rokokoformen in der Türlaibung, kleinem, hölzernem Balkon, hohem Bruchsteinsockel und Teilverschieferung, das andere vom Ende des 18. Jahrhunderts, vermutlich eine ehemalige Wagenremise. Zur Gesamtanlage gehört ferner ein großes Scheunengebäude des ehemaligen Hofes Lürmann aus Bruchstein mit Ziegelgiebeln und zwei großen Toren. Die Hofeinfahrt ist gefasst durch eine Bruchsteinmauer mit Eckpilastern und einem Eisentor.

 

Eins der ältesten Fachwerkhäuser in Witten

Haus Schellenberg gehörte ursprünglich zum Hof Starmann. Es war vermutlich Gerichtsstätte, nachdem seit 1668 Gerichtsverhandlungen nicht mehr auf Haus Herbede abgehalten werden durften. Aus der Starmann-Familie gingen mehrere Justitiare des Hauses Herbede hervor. Es handelt sich um eins der ältesten Fachwerkgebäude im Stadtgebiet und gehört zusammen mit weiteren Gebäuden am Wehr des Mühlengrabens zum interessanten Architektur-Ensemble im Bereich der Herbeder Ruhrbrücke. Die Innenaufteilung der Scheune des ehemaligen Hofes Lürmann und der Giebelaufbau aus Ziegeln lassen vermuten, dass das Scheunengebäude verändert wurde. Nach Bränden im 19. Jahrhundert ist kein Wohnteil mehr nachzuweisen. In der Scheune sind historische Dokumente und Maschinen der Firma Friedr. Lohmann GmbH als Ausstellungsstücke untergebracht.

 
 

Mühle am Lohmannswehr

Das Gebäude Ruhrtal 12 ist die alte Korn- und Hofesmühle zu Haus Herbede, die in ihren Ursprüngen weit in die Vergangenheit zurückgeht. Erwähnung in Dokumenten findet die Mühle im 18. Jahrhundert. Alten Unterlagen zufolge wurden zum Mühlenbetrieb zunächst zwei große Wasserräder benutzt, die im wilden Wasser liefen. Aus dieser Zeit stammt noch das Bruchstein-Sockelgeschoß des Gebäudes. Um 1820 wurde die Mühle umgebaut und um die beiden oberen Geschosse in Ziegel und Fachwerk im Stil einfacher Gewerbearchitektur jener Zeit erweitert. Im Zuge der stürmischen Entwicklung der Industrialisierung im 19. Jahrhundert suchte der Unternehmer Friedrich Lohmann seit 1853 geeignete Flächen zur Anlage eines Walz- und Hammerwerkes. Er übernahm 1858 die Mühle und nutzte die damit verbundenen Wasserrechte für seinen hierhin verlegten Betrieb. Der Mahlbetrieb wurde 1858 eingestellt. Das Mühlengebäude wurde um 1870 zu Wohnzwecken umgebaut. Die 1960 daneben errichtete Turbine gestattete keine Wohnnutzung mehr in dem Mühlengebäude.

 

Inhalt und Historie des Gebäudes sind für Witten bedeutsam

Nach sehr gründlicher Restaurierung 1990/91 befindet sich heute in dem Mühlengebäude das private Familien-/Firmenarchiv Lohmann. Das Gebäude ist aus landesgeschichtlichen, wirtschaftsgeschichtlichen und städtebaulichen Gründen für Witten bedeutsam. Es gibt Auskunft über die Lebens- und Arbeitsgrundlagen der Grundherrschaft auf Haus Herbede vor 1800. Darüber hinaus dokumentiert es den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruch von der Agrar- zur Industriegesellschaft auf der Basis der natürlichen Bodenschätze und der Wasserkraft im 19. Jahrhundert. Schließlich prägt das Gebäude mit seiner unterschiedlichen Materialwahl und seinen überhöhten Proportionen im städtebaulichen Zusammenhang mit den Nachbargebäuden die historische Wege- und Straßenverbindung über die Ruhr.

 

Leistungsfähige Turbine dient der Stahlproduktion

Die von Friedrich Lohmann begründete Firma nutzt bis heute die Wasserrechte der alten Mühle für die Stahlproduktion. Das Wasser der Ruhr wird vom Wehr bei der Herbeder Schleuse in einen Werkgraben abgeleitet. Er bildet den Obergraben für das Werkswehr, das ca. 3,30 Meter Gefälle aufweist. Der Untergraben führt das Wasser dem Kemnader Stausee zu. 1985 und 1992 wurde das Wehr umgebaut und eine neue Turbine mit 10,85 Kubikmeter pro Sekunde „Schluckvermögen“ und einer Leistung von 265 Kilowatt in Betrieb genommen. Seither wird die erzeugte Energie nicht nur dem Stahlwerk zugeführt, sondern auch in das öffentliche Netz eingespeist.

Villa Ruhrtal

Die dreigeschossige, repräsentative Unternehmervilla Ruhrtal 5 in Herbede gehört sicher zu den schönsten Gebäuden, die in Witten zu finden sind. Sie wurde um 1895 im Stil des Historismus in Formen der Neorenaissance errichtet. Das Gebäude verfügt über ein schiefergedecktes Mansarddach, die Fassade zeigt straßenseitig Putzschnitt. Gesimse gliedern den Baukörper horizontal, während der Mittelrisalit mit dem Hauseingang die Vertikale betont. Im Innern zeigt das Treppenhaus reich ausgestaltete Mosaikfußböden, bunte Deckenbemalungen sowie ein großes Rundbogenfenster mit Glasmalerei. Bauherr war der Unternehmer Fritz Brinkmann, der die Ruhrtaler Brauerei auf dem gegenüberliegenden Grundstück Ruhrtal 7 betrieb. 1920 musste die Brauerei eingestellt werden. Heute wird das Gebäude durch eine Dienstleistungsfirma und durch Wohnungen genutzt. Die Innenräume wurden vor einiger Zeit nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten restauriert.

 
 

Ein Bier in der „Windenschmitte“

Dem Ruhrgebiet und seiner Tradition fühlt sich J.D. Neuhaus eng verbunden. Seine Gäste aus nah und fern empfängt Gesellschafter Wilfried Neuhaus-Galladé am liebsten in der firmeneigenen Gastronomie „To ollen Windenschmitte“ mit einem Bier aus Bochum. Dafür – und für seine Verdienste um ein außergewöhnliches Familienunternehmen – wurde ihm von der Privatbrauerei Moritz Fiege im Jahre 2009 die begehrte Moritz Fiege Bierkutschermütze verliehen.

Ob Edel-, Hart- oder Weichholz: In der Herbeder Antik-Scheune findet man erlesene Antiquitäten und Raritäten aus vergangenen Epochen für jeden Geschmack. In den Ausstellungsräumen über 3 Ebenen wird eine große Auswahl an Uhren, Buffets, Schränken, Vitrinen, Vertikos, Sekretäre, Tische, Stühle, Schreibtische, Bilder und Dekorationsartikeln gezeigt .

 
 

Pfannkuchenhof

Der ehemalige Hof Schulte Saldenberg königlich preußische Domäne, wurde, wie die Inschrift auf der Giebelseite zeigt, 1777 erbaut und 1984 restauriert. Seit 1984 bekommen Sie hier in einem ruhigen, gemütlichen alten Fachwerkhaus und in direkter Nähe zum schönen Kemnader Stausee leckere Pfannkuchen serviert.

Ca. 50 verschiedene Pfannkuchen-Variationen werden hier angeboten, von süß bis herzhaft ist für jeden etwas dabei. Des Weiteren besteht auch die Möglichkeit Festivität in den Räumlichkeiten auszurichten.

 
 

Das vermutlich älteste erhaltene Baudenkmal des heutigen Wittens ist Haus Herbede. Es wurde im Jahr 1200 erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahr 1019 schenkte der deutsche Kaiser Heinrich II. dem Kloster Kaufungen bei Kassel den damals schon bestehenden Hofesverband Herbede, zu dem auch Heven und zahlreiche Höfe im heutigen Bochumer Stadtgebiet bis hin nach Dortmund-Dorstfeld gehörten. Die Äbtissinnen des Klosters mussten die Schutzherrschaft über den Hofesverband Herbede den Grafen von Berg von Altena-Isenburg und von der Mark überlassen. Diese setzten ihrerseits Verwalter in der Vogtei Herbede ein, die vor Ort auch als sogenannte Schultheißen die Polizei- und Gerichtsgewalt ausübten und die Steuern eintrieben. Ab 1311 wurden diese Verwalter von der Familie von Elverfeldt gestellt.

 

Gerichtsherrensitz Haus Herbede wird erstmals um 1200 erwähnt

In der Anfangszeit wurde die Verwaltung Herbedes und der zugeordneten Höfe vermutlich noch von einem größeren Hof im Ortskern aus geführt. Um 1200 wird dann erstmals der Gerichtsherrensitz Haus Herbede erwähnt, wahrscheinlich ein auf einem künstlichen Hügel errichtetes Holz- oder Fachwerkhaus, umgeben von einem Graben als Befestigungsanlage. Später wurde dann an selber Stelle ein Haus aus Ruhrsandstein errichtet und im Laufe der Jahrhunderte mehrfach erweitert. Nach umfangreichen Umbaumaßnahmen im 16. Jahrhundert finden sich heute zahlreiche Stilelemente der Renaissance in der Burganlage. Anfang des 18. Jahrhunderts wurden alle Gebäudeteile der vierflügeligen Hauptburg auf eine einheitliche Höhe abgetragen und dem Gesamtkomplex ein Walmdach aufgesetzt. Die hierdurch entstandene Ansicht der Hauptburg prägt bis heute das äußere Bild. Unter Napoleon endete 1809 die Patrimonialgerichtsbarkeit mit den zum Haus Herbede gehörenden Rechten. Die Familie von Elverfeldt lebte hier jedoch noch bis 1889, und damit insgesamt über 17 Generationen hinweg. Bis in die 1970er Jahre wohnten dann verschiedene bürgerliche Familien aus Herbede in dem ehemaligen Adelssitz und versuchten den schleichenden Verfall des Gebäudes aufzuhalten. Von 1972 bis 1985 diente das Haus der Unterbringung ausländischer Arbeitnehmer der Firma Dittmann & Neuhaus.

 

Haus Herbede ist seit 1983 in die Denkmalliste eingetragen

Nach Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Witten im Jahr 1983, wurde die mittlerweile stark restaurierungsbedürftige Burganlage von der Freizeitzentrum Kemnade GmbH erworben, um es vor dem weiteren Verfall zu retten. Bis Spätsommer 1988 erfolgte eine umfassende Sanierung und Restaurierung. Heute befinden sich im Haus Herbede eine öffentliche Begegnungsstätte und Gastronomie.

Wald an der Kämpenstraße

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