Motorschiff Schwalbe II

1938 wurde die seit Jahren gesperrte Nachtigallbrücke gesprengt, weil sie den Anforderungen eines modernen Straßenverkehrs nicht mehr entsprach. Deshalb konnte man sich hier nur noch mit einem Kahn übersetzen lassen. Im Brückenwärterhaus an der ehemaligen Steinhauser Brücke (Nachtigallbrücke) wohnte der Fährmann Paul Schulz. Mit seinem Kahn setzte er fröhliche Wanderer über die Ruhr, wie schon sein Vater Bergleute aus den Ruhrbergen übergesetzt hatte. Die Tage der Ruhrschiffahrt kannte Paul Schulz sicherlich aus den Erzählungen seiner Eltern oder von „Opa“ Striepen, dessen Vater 1889 einer der letzten Schleusenwärter der Herbeder Schleuse aus der Zeit der Ruhrschiffahrt gewesen war. Der Traum von Paul Schulz war es, ein eigenes Schiff auf der Ruhr zu führen. Er machte ihn wahr: 1966 kaufte er ein gebrauchtes Schiff. Dieses war 16 m lang und 1923 in Königswinter gebaut worden. Nach einer Werftüberholung transportierte es am 3. August 1967 die Wittener Firma „Paul Rosenkranz“ auf einem Tieflader quer durch die Stadt zur Ruhr und ließ es dort zu Wasser. Es wurde auf den Namen „Schwalbe“ getauft. Zunächst wurde ein Personenverkehr zwischen Bommern und der Schleuse Herbede durchgeführt. Nachdem 1984 diese Schleuse gegenüber der Ruine Hardenstein völlig neu erbaut worden war, konnte die Fahrtroute bis Herbede und zum Kemnader See erweitert werden. Seit 1987 verkehrt eine „neue“ Schwalbe zwischen Bommern und dem Kemnader See. Die Stadtwerke, inzwischen Inhaber der „Wittener Schiffahrt“, kauften das neue Schiff für 400.000 DM bei der „Lux-Werft“ in Mondorf. Mit einer Länge von 22 m finden darauf gut 100 Passagiere Platz.

Das Fahrgastschiff Schwalbe II ist ein Ausflugsschiff auf der Ruhr und auf dem Wittener Teil des Kemnader Sees mit dem Heimathafen Witten. Die Schwalbe II verfügt über 150 Plätze auf 2 Decks. Sie verkehrt 3 bis 4 mal täglich im Linienverkehr zwischen den Stationen Freizeitzentrum Kemnade am Kemnader See, Lakebrücke in Herbede, Herbeder Schleuse, Burgruine Hardenstein, Zeche Nachtigall und der Anlegestation Uferstraße in Bommern. Eine Rundfahrt dauert etwa zwei Stunden und beinhaltet zwei Schleusungen. Seit einigen Jahren besteht die Möglichkeit, Trauungen durch das Standesamt Witten auf dem Schiff vornehmen zu lassen.


Die nachfolgenden Bilder entstanden in den Jahren 2006 bis 2015.