Ruhruniverität Bochum (RUB): Botanischer Garten

Pflanzen aus fast allen Kontinenten sind im Botanischen Garten der Ruhr-Universität gesammelt. 13000-15000 Arten, je nach Zählweise und wissenschaftlicher Betrachtung sind es, die auf 14 Hektar Freiland und knapp 5000 Quadratmetern Gewächshausfläche wachsen. Zum Vergleich: in Deutschland sind gerade einmal 4000 Arten heimisch. 40 Mitarbeiter betreuen das wilde Wuchern aus aller Welt hier. Die Grünanlage dient zunächst der Wissenschaft. Nicht nur bei der Ausbildung der Studierenden der Botanik, sondern auch in der internationale Forschung. Auch andere Fachrichtungen als die Biologie forschen hier. Vor allem die Geologie betreibt hier bodenkundliche Studien. Daneben ist vor allem auch die Erholung ein Ziel - nicht nur die von in Seminarpausen flanierenden Wissenschaftlern und Studierenden, sondern auch die von Bürgern der Stadt. Familien mit Kindern fänden es vor allem erfreulich, dass dieses grüne Freizeitvergnügen kostenlos sei. Zuletzt sei der Botanische Garten auch ein Aushängeschild der Universität. Die Kosten für den Betrieb belaufen sich im Jahr auf 1,6 Millionen Euro, die nicht von der Stadt, sondern von der Universität aufgebracht werden.

Ruhruniverität Bochum (RUB): Chinesischer Garten

Qian Yuan - der Garten der Dichter und Gelehrten

Die Philosophie des chinesischen Gartens

 

Der Gartenname "Qian Yuan" (Qians Garten) geht auf den berühmten Literaten Tao Qian (365-427 n. Chr.) zurück. Sein "Bericht vom Pfirsichblütenquell" erfreut sich seit Jahrhunderten großer Popularität in China. Die wunderschöne Geschichte erzählt von einem Fischer, der sich eines Tages zufällig in ein von der Außenwelt abgeschnittenes Traumland, das "Pfirsichblütenland" verirrt, in dem die Menschen in malerischer Umgebung ein harmonisches und sorgenfreies Leben führen. In dieser Geschichte formuliert Tao Qian seine Sehnsucht nach einer Idealgesellschaft und einem idyllischen Leben in Einklang mit der Natur. Der "Qian Yuan" wurde im Sinne dieser Philosophie errichtet.

 

Der Chinesische Garten Bochums ist als "Garten im Garten" im unteren Hangbereich des Botanischen Gartens konzipiert und vollständig von einer Mauer umgeben. Der Zugang erfolgt über Trittplatten in einem Eingangsbassin; die Anlage selbst umfasst 1000 m², wobei ein Teich die Hälfte dieser Fläche einnimmt. Dieses Beispiel für chinesische Gartenkunst stiftete die Tongji-Universität Shanghai der Ruhr-Universität als Zeichen der Freundschaft. Chinesische Architekten und Handwerker haben ihn 1986 aus originalen Bauteilen gestaltet, die über den Seeweg transportiert wurden. Beim Aufbau wurden 600 Tonnen Gestein unter Anleitung chinesischer Spezialisten zu Felsformationen aufgetürmt und mit Mauerdurchlässen, Terrassen und Pavillons versehen. Im Jahr 2001 sanierten chinesische Facharbeiter den Garten für vier Monate grundlegend, da insbesondere konstruktiv tragende Hölzer auf Grund eines Pilzbefalls vom Zerfall bedroht waren und die Dachziegel Frostschäden aufwiesen, so dass die Anlage vorübergehend geschlossen werden musste. Am 18. Oktober 2001 erfolgte die Wiedereröffnung des Gartens. 2014 wurde der Garten von chinesischen Handwerkern erneut saniert, 2015 durch Vandalismus schwer zerstört. Die Wiederherstellungskosten lagen im 5-stelligen Bereich, zum Teil aufgebracht durch Spenden der Bochumer Bevölkerung.

Der Chinesische Garten der Ruhruniversität Bochum ist der einzige Garten Deutschlands, der im Südchinesischen Stil ausgeführt wurde. Dieser Stil steht für einfache Materialien wie Naturstein, Holz, einfarbige Ziegel als auch für zurückhaltende Farbgestaltung und wird von hochrangigen Beamten, Gelehrten und Künstlern bevorzugt. Er orientiert sich an südchinesischen Hausgärten und soll den Eindruck hervorrufen, als seien die eingesetzten Landschaftselemente wie Wasser, Felsen, Erhebungen und die Terrainausprägung bereits durch die Natur vorgegeben und vorhanden gewesen. Deshalb wurden auch in Bochum diese schlichten Materialien und zurückhaltende Farben (Weiß, Schwarz, Braun, Grau und Dunkelrot) eingesetzt. Das Prinzip des Gartens ist dergestalt, dass Ruhe und Bewegung der Natur architektonisch zu einem Ganzen verwoben werden: das Wasser in ruhiger Form als Teich oder Brunnen, bewegt als Quelle oder Wasserfall. Auf den Wandelgängen, die die gesamte Anlage durchziehen, bewegt sich der Besucher zu den schönsten Blickpunkten im Garten und kann immer wieder in kleinen Pavillons innehalten, deren geschwungen auslaufenden Dachflächen mit einzigartigen und handgearbeiteten Ziegeln gedeckt wurden.

Mitten im botanischen Garten liegt der abgeschirmte chinesische Garten der Dichter und Denker. Dort ist ein Rundgang zugleich auch einen Begegnung mit der Spiritualität Chinas. Schon der Eingangsbereich ist ein Tribut an den dort tief verwurzelten Geisterglauben. Kein gerader Weg führt hinein. Viele Ecken müssen umgangen werden und da Dämonen dazu nicht in der Lage sind, können sie die von einer hohen Mauer umgebenen Anlage nicht betreten. Die runden Öffnungen in der Mauer stellen eine Verbindung zwischen innen und außen her. Das ist eine Referenz an die Besonderheit des Ortes, an die Situation des „Gartens im Garten“, an die tiefe und harmonisierende Verbindung von Mensch und Natur, an den verbindenden Geist im Menschen und in der Natur. Eine Vielzahl an harmonischen Landschaftsbildern gibt es auf engstem Raum im „Qian Yuan“ zu entdecken. Der chinesische Garten mitten im Ruhrgebiet vermittelt eine Idee davon, welche Bedeutung die Natur seit Jahrtausenden für den Menschen im Reich der Mitte hat. Und so beschreibt der Philosoph Tao Qian (365-427 nach Christus) in seinem „Pfirsichblütenquell“ die Geschichte von einem von der Außenwelt abgeschnittenen Traumland, in dem die Menschen in malerischer Umgebung ein harmonisches und sorgenfreies Leben führen. Es ist die Sehnsucht nach einer Idealgesellschaft mit einem idyllischen Leben im Einklang mit der Natur.

Wer nicht will, dass der Wind sein Haus zerstört,
muss die Fenster öffnen, damit der Wind hindurch kann.

 

(aus Asien)