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St.-Clemens-Kirche in Nebel (Amrum)

Mitten auf der Insel im Dorf Nebel liegt nahe am Watt die alte St.-Clemens-Kirche. Seit ca. 800 Jahren wird in ihr gebetet, Gottesdienst gefeiert, getauft, getraut, konfirmiert und Abschied genommen.

Die Kirche, die das Patrozinium des Heiligen Clemens von Rom als Schutzpatron der Seeleute trägt, wurde vermutlich 1236 erbaut und 1240 erstmals urkundlich erwähnt. Die Bewohner der damals einzigen Inseldörfer Norddorf und Süddorf konnten sich nicht einigen, in welchem Dorf die Kirche erbaut werden sollte, so dass sie zwischen den beiden Dörfern erbaut wurde. Die Kirche wurde anfangs als einfacher Holzbau errichtet und war vermutlich eine Filialkirche der Gemeinde St. Johannis in Nieblum auf Föhr. Die Kirche lag auf einer flachen Halbinsel, auf der der Föhrer Geistliche anlanden konnte. Später wurde die Kirche als einschiffiger, turmloser Bau im Stil der Romanik aus Backsteinen und Feldsteinen errichtet. Das Dach wurde mit Reet gedeckt. Später wurde die Kirche verputzt und weiß getüncht.

 

Um die Kirche herum entwickelte sich das Dorf Nebel zum größten Dorf der Insel. 1524 kam die Reformation nach Amrum, so dass die Kirchengemeinde evangelisch wurde. Von 1574 bis 1630 war Tycho Frudson (gelegentlich auch Frödden genannt) Pastor. Etwa zu seinem 50-jährigen Dienstjubiläum entstanden 1623 die aus Tannenholz gefertigte Kanzel und der Schalldeckel. 1634 wurde der Flügelaltar aus Dankbarkeit dafür errichtet, dass die Amrumer die Zweite Grote Mandränke überstanden hatten. Zwei Kronleuchter aus Messing wurden 1671 und 1685 von Amrumern gestiftet. In dieser Zeit (1629/1630–1686) amtierte Martin Flor 56 Jahre lang als Amrumer Pastor. 1692 wurde in einem kleinen, freistehenden Holzgestell eine Betglocke aufgehängt. Vor 1700 wurde die Westempore errichtet, später wurde auch eine Nordempore eingebaut. Von 1739 bis 1875 waren mit einer kurzen Unterbrechung nacheinander drei Mitglieder der Familie Mechlenburg Pastor, wobei jeweils ein Sohn das Amt übernahm. Der Letzte, Lorenz Friedrich Mechlenburg, verfasste ein Wörterbuch des Öömrang. 1886 wurde eine einmanualige Marcussen-Orgel im Altarraum eingeweiht. Um ihr Platz zu verschaffen, musste der Chor erhöht werden.

 

Im Jahr 1908 wurde der 36 Meter hohe, kupfergedeckte Kirchturm mit einer größeren Glocke hinzugefügt. Das Holzgestell wurde abgebaut. In den Jahren 1936 und 1957–1960 wurde das Innere der Kirche renoviert. Dabei wurde 1957 ein niedriger Chorbogen eingebaut. Zu den zwei gestifteten Kronleuchtern aus Messing kamen 1960 ein weiterer Kronleuchter und zwei Wandleuchter aus einem holsteinischen Gutshaus, ebenfalls aus Messing. 1981 wurde eine zweimanualige Orgel eingeweiht. 1984 wurde der Turm von außen vollständig renoviert.

Emporenbilder

In den Brüstungsfeldern der West- und Nordempore sind Christus und die zwölf Apostel dargestellt. Die Gemälde stammen aus dem 17. Jahrhundert.

Apostelgruppe

Die Kirche beherbergt eine Reihe von Kunstschätzen. Dazu gehört eine hölzerne, frühgotische Apostelgruppe (Das himmlische Abendmahl), die angeblich in einer Sturmflut auf Amrum angeschwemmt wurde und in der Südwand hängt. Die Figuren zeichnen sich durch strenge Frontalität, relativ große Köpfe und einfache Faltengebung aus. Die Gesichter spiegeln Innigkeit und tiefen Ernst wider.

Altar und Altaraufsatz 

1936 wurde der heutige Altar mit Rotsteinen im Klosterformat gebaut. Eine alte Grabplatte diente als Deckstein. Der alte Altar hatte 1886 einer Orgel weichen müssen. Der dreiteilige Altaraufsatz (Triptychon) stammt von 1634. Es handelt sich um ein Werk der Spätrenaissance. Er zeigt in der Mitte ein Abendmahlsbild und auf den Flügeln die vier Evangelisten, ausgeführt im manieristischen Malstil. Im Giebeldreieck über dem Altar werden Gottvater und die Taube als Symbol des Heiligen Geistes dargestellt. Inschriften auf der Rückseite der Flügel geben das „Vater Unser“ und die Einsetzungsworte zum Abendmahl wieder.

 

Die Orgel steht in Form einer Altarorgel auf einer Empore hinter dem Altar und wurde 1981 durch die Firma Becker erbaut. Das Instrument hat 18 Register (zuzüglich einer Transmission) auf zwei Manualen und Pedal und ersetzte die vormalige, einmanualige Orgel der Orgelbaufirma Marcussen. Ein niedriger Bogen, der den Altarraum vom übrigen Kirchenschiff trennt, ist ein akustisches Hindernis für den Orgelklang.

Lorenz Friedrich Marstrand Mechlenburg (* 15. Februar 1799 in Nebel auf Amrum; † 15. Oktober 1875) war ein dänischer evangelisch-lutherischer Pastor und nordfriesischer Dichter und Sprachforscher.

Lorenz Friedrich Mechlenburg war der Sohn des Pastors an der Amrumer St.-Clemens-Kirche Christian Riese Mechlenburg (1748–1833) und dessen Ehefrau Naemi Dorothea geb. Petersen (1770–1833). Von Kindheit an sprach er außer Deutsch und Dänisch den Amrumer friesischen Dialekt Öömrang. Nach dem Besuch der Gelehrtenschule in Husum studierte er an der Universität Kopenhagen Theologie und lernte zudem mehrere europäische Sprachen. 1825 bestand er sein Examen und kehrte nach Amrum zurück, um seinen fast achtzigjährigen Vater bei der Amtsführung zu unterstützen. Als sein Vater 1827 nach 40 Amtsjahren emeritiert wurde, wurde Mechlenburg sein Nachfolger. Damit war er nach seinem Großvater Friedrich Marstrand Mechlenburg (1710–1778), der von 1739 bis zu seinem Tod amtierte, und seinem Vater der dritte Pastor aus der ursprünglich aus Norwegen stammenden Familie Mechlenburg auf Amrum. Im selben Jahr heiratete er die Amrumerin Matje Tückes (1806–1874), eine Cousine von Knut Jungbohn Clement, mit der er zehn Kinder hatte.[2] Sein jüngerer Bruder Christian Riese Mechlenburg gründete 1836 die von König Friedrich VI. „Königlich privilegierte Apotheke“ in Leck. Mechlenburg, der sich auf seiner Heimatinsel sehr wohl fühlte, bat mit Rücksicht auf seine Familie 1842 um die Versetzung auf die besser dotierte Stelle an St. Laurentii auf Föhr, die gemeinsam mit Amrum ein Kirchspiel bildete. Da der Grund für die Bewerbung so offensichtlich rein materieller Art war, erhielt er die Stelle nicht, sondern blieb bis an sein Lebensende auf Amrum.

St. Clemens auf Amrum zu Mechlenburgs Lebzeiten um 19859, Gemälde von Carl Ludwig Jessen

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