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LWL Industriemuseum Zeche Hannover
in Bochum-Hordel

Die Zeche Hannover entstand 1857 auf einem Acker am Rande der Bauernschaft Hordel und erhielt ihren Namen nach dem Wohnsitz ihres Gründers Carl Hostmann im damaligen Königreich Hannover. Die aufwändige Gestaltung der beiden mächtigen Fördertürme verlieh der Zeche einen festungsartigen und zugleich repräsentativen Charakter. 1872 kaufte der Essener Industrielle Alfred Krupp die Zeche Hannover zur Versorgung seiner Gussstahlfabrik mit hochwertiger Kohle und errichtete im nahe gelegenen Günnigfeld die Schachtanlage Hannover III. Mit dem Bau eines Kraftwerks, einer neuen Kokerei und des neuen Förderschachtes V wurde die Zeche Hannover bis 1908 zur Großzeche ausgebaut. Die Zeche mit ihrem ständig steigenden Arbeitskräftebedarf zog zunächst Arbeitswillige aus Westfalen, Hessen und dem Rheinland an. Darüber hinaus fanden Zuwanderer aus West- und Ostpreußen, Schlesien, Posen und Masuren eine Einstellung auf Hannover. 1960 kamen die ersten Griechen, bald darauf auch Italiener, Jugoslawen, Türken und Marokkaner. Im Umland der Zeche fehlte stets geeigneter Wohnraum für Bergleute. Nach dem Bau der Kolonien Hannover und Eickel durch die Bergwerksgesellschaft ließ Krupp ab 1907 die Kolonie Dahlhauser Heide errichten. Es wurde eine riesige Werkssiedlung aus 339 Doppelhäusern als Gartenstadt mit geschwungenen Straßen und einer zentralen Parkanlage geschaffen. Die Zeche Hannover erwies sich als Entwicklungszentrum für Spitzentechnologie. Neben zahlreichen Innovationen bei Kohlegewinnung und Transport war die Zeche federführend in der Entwicklung der Fördersysteme.

 

Aus der 1958 einsetzenden Bergbaukrise ging die Zeche Hannover zunächst als Sieger hervor: 1967 wurde der Schacht II zum zentralen Förderschacht aller Bochumer Bergwerke ausgebaut. Die Zeche Hannover wurde 1969 in die neu gegründete Ruhrkohle AG eingebracht. Mit der anhaltenden Bergbaukrise kam jedoch bald das Aus: 1973 wurde die Zeche Hannover als letztes Bergwerk in der ehemaligen Bergbaustadt Bochum stillgelegt. 1979 erfolgte der Abriss der Betriebsgebäude. Nur die ältesten – der Malakowturm mit Maschinenhalle sowie das Grubenlüftergebäude blieben als Industriedenkmal erhalten. 1981 übernahm der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die Zeche Hanover in sein LWL-Industrie-museum und restaurierte das Gebäude. Seit 1995 ist das Denkmal für Besucher zugänglich.

Malakowturm
Durchgang zur alten Siedlung
Lüfter mit Lüftergebäude Zeche Hannover ca.1920 erbaut
Von der repräsentativen Doppelschachtanlage sind heute noch der Malakowturm und das Maschinenhaus als Industriedenkmal erhalten.

Marcus Kiel erneuert seine Stiefel-Installation: Vor dem LWL Industriemuseum Zeche Hannover stehen wieder 350 Paar alte Bergarbeiter-Stiefel. Auffallen sollen sie. Und Denkanstöße geben.

350 Paare ausrangierter Bergarbeiterschuhe markieren den Weg von der ehemaligen Waschkaue hin zu dem ebenfalls abgerissenen Förderturm, in dem die Kumpel vor Stillegung der Zeche Schicht für Schicht eingefahren sind. Dicht an dicht gesetzt, wirken die Schuhe wie der Ausschnitt eines unendlichen Zuges der Bergleute, die in normaler Schrittweite scheinbar gleichmütig ihrer Arbeit entgegengehen. Einerseits fällt es leicht, sich die Menschen in den Schuhen vorzustellen. Andererseits ist es gerade ihre Abwesenheit, die der Installation einen bedrückenden, fast schon gespenstischen Eindruck verleiht. Die Paare sind auf der gesamten Fläche gleichmäßig verteilt, einen engeren Bezug untereinander hat Kiel vermieden. Nirgendwo findet ein Gespräch statt oder werden Blicke getauscht. Die Vorstellung eines Schweige- oder Trauermarsches liegt näher, als die des lebhaften Schichtbeginns. Das Wort „Fortschritt“, der Titel dieser Arbeit, bekommt hier den Klang eines Abgesangs auf den Bergbau, der in seiner durch die Zeche Hannover repräsentierten industriellen Form eben diesem Fortschritt hat weichen müssen. Nicht nur zum Schacht führen daher die Schritte, die der Künstler mit ausgedienten Schuhen nachgestellt hat, vielmehr ist ihr Ziel nicht bezeichnet, sie schreiten ins Ungewisse, „fort“ von hier und sie verweisen so auf das Verschwinden der Menschen, die diese Schuhe einmal trugen.

Dampfbetriebene Fördermaschine

Menschliche Schicksale stehen auch im Zentrum der Arbeit „Schwarze Nacht“. Sie zeigt die Namen der 20 beim schwersten Grubenunglück auf Zeche Hannover im September 1939 ums Leben gekommenen Bergleute. Die Leuchtkästen lassen den Schacht zu einer monumentalen Gedenkstätte werden. Kiel rückt auch hier die Erinnerung an Individuen in den Mittelpunkt der Betrachtung. Ihre leuchtenden Namenszüge gewinnen eine Eindringlichkeit, wie sie von Neonschriften bekannt ist. In der Aufarbeitung der Geschichte der Zeche Hannover war von diesen Menschen bislang nicht die Rede. Mit der Installation rücken sie und mit ihnen ein besonderer, wenn auch tragischer Moment, in der Geschichte der Zeche wieder ins Bewusstsein.

Kinderspielplatz

Die Bergarbeiterhäuser am Rübenkamp

 

Nicht nur die Bergwerksgesellschaft und Zechenbesitzer Alfred Krupp ließen Wohnraum für Bergleute bauen. Auch Privatleute errichteten Wohnhäuser nahe der Zeche und vermieteten sie gewinnbringend an Bergleute. Ein Ensemble von drei privat gebauten Siedlungshäusern aus den 1890er Jahren konnte vom LWL-Industriemuseum erhalten werden und wird in das Museum der Zeche Hannover einbezogen. Die Häuser verfügten ursprünglich über je 131 Quadratmeter Wohnraum und boten Platz für vier bis fünf Wohnungen. Ein Haus ist heute annähernd im Originalzustand von 1890/91 erhalten. Die anderen wiesen nach dem Zweiten Weltkrieg einen hohen Schadensgrad auf und wurden beim Wiederaufbau 1949/50 teilweise verändert. Seit 1997 sind die drei Gebäude ein eingetragenes Denkmal und stehen heute im Besitz des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.

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