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LWL Industrie-Museum Zeche Nachtigall
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur

Im Naherholungsgebiet Wittener Muttental kann man 450 Jahre Bergbaugeschichte erleben. Über 30 Stationen zu Fuß oder mit der Museumsbahn informieren über den Ursprung des Bergbaus. Dazu zählen das LWL-Industriemuseum, der Besucherstollen, das Gruben- und Feldbahnmuseum sowie das ehemalige Bethaus der Bergleute. Die Zeche Nachtigall des LWL-Industriemuseums ist eine der ältesten Zechen im Ruhrgebiet. Hier beginnt der Kohleabbau nach einer Legende vor einigen Jahrhunderten aus Lochgrabungen (Pingen). Da in Witten das Kohleflöz bis an die Tagesoberfläche reicht, ist die Kohle tatsächlich zunächst ohne großen Aufwand zu erreichen. Später wird ein Stollen in den Hang an der Ruhr getrieben, der über Tage betreten wird. Dieser Stollen ist auch heute noch zugänglich und im Rahmen der Führung zu besichtigen. Der industrielle Abbau beginnt im 18. Jahrhundert, im 19. Jahrhundert erfolgt der Tiefbau.

Zeche Nachtigall: Eingangsbereich und Maschinenhaus
Von der alten Zeche ist nur noch die Maschinenhalle geblieben
Maschinenhaus der Zeche Nachtigall - vorbildlich renoviert

Die Wittener Schiefertonzylinder, 2009, 430 x 130 cm

Zwei hohe zylindrische Skulpturen aus gebranntem Schieferton dominieren seit 2009 den Museumshof zwischen den alten Gebäuden der Zeche Nachtigall. Es sind die Werke des international renommierten Bildhauers Karl Manfred Rennertz. Im Rahmen der Reihe „Atelier.Industrie“ zeigte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in die sechste Ausstellung mit Arbeiten des Kunstprofessors, der in Detmold lehrt und in Baden Baden zu Hause ist. Das Besondere an den vier Meten hohen Säulen, die in der Art eines Bruchsteinmauerwerks hochgezogen werden, ist das Material: Es stammt direkt vom Museumsgelände: schiefertonhaltiger Abraum des alten Steinbruchs, der vor 100 Jahren von der Ziegelei Dünkelberg genutzt wurde. Das schwarze Gestein verwandelte sich bei einer Brenntemperatur von 1050 Grad im Keramikofen in ein „freundliches Ziegelrot“, so Rennertz. Und noch eine Überraschung erlebte der Bildhauer: „Entgegen aller keramischen Erfahrung schrumpfte das Gestein nicht zusammen während des Brandes, sondern ging auf wie ein Hefekuchen und die schiefrige Schichtung wurde sichtbar.“

Betriebsgebäude und Ziegelei Dünkelberg

An vier Stellen in der Stadt stehen Edgar Melenks Bienenstöcke: am Institut für Waldorfpädagogik, im Nawit-Garten an der Zeche Nachtigall und auf dem Gelände des Industriemuseums sowie im Gebiet Kleine Borbach. Außerdem in Dortmund, Herdecke und sogar am Bodensee.

Die Zeche Nachtigall liegt umgeben von stiller Natur und hohen Felshängen.

Schlosserei der Zeche Nachtigall

Ausstellung im Maschinenhaus

Im ehemaligen Maschinenhaus beginnt mit dem „mühsamen Weg ins Industriezeitalter" der Museumsrundgang. Eine audiovisuelle Zeitreise mit der Postkutsche führt ins Ruhrtal bei Witten und bringt die Museumsgäste in die Entstehungs- und Betriebszeit der Zeche Nachtigall. Zeitgenössische Musik erklingt, während historische Bilder aus drei Jahrhunderten vorbeiziehen. Sie erinnern an wichtige zeitgeschichtliche Ereignisse und zeigen, wie sich Landschaft, Technik und Arbeitswelt in dieser Zeitspanne verändert haben. Besucher hören hier auch den Gesang der Nachtigall, die zur Entstehungszeit der Zeche im Ruhrtal heimisch war. Die Dampffördermaschine von 1887, zuletzt auf der Zeche Prosper Haniel in Bottrop im Einsatz, hat das Museum mit Hilfe eines Elektromotors wieder funktionstüchtig gemacht.

Schwarzes Porzellan: Kohlekeramik aus Bochum

Bei Steinkohle denken viele an Fördertürme, Bergleute und ihre harte Arbeit unter Tage. Dass aus dem Gold der Ruhr auch Kunst entstehen kann, beweist die Ausstellung mit mehr als 130 Objekten aus der Sammlung von Dr. Jürgen Huesmann. In der Kohlekeramischen Anstalt auf der Zeche Hannover in Bochum – heute ebenfalls Standort des LWL- Industriemuseums – wurden zwischen 1947 und 1967 Kunstgewerbeartikel aus gepresstem Kohlenstaub produziert. Die seinerzeit weit verbreiteten Medaillen und Plaketten wurden von Bergbau und Industrie, aber auch von Sportverbänden und Kirchen, Städten und Gemeinden in Auftrag gegeben. Selbst Gebrauchsgegenstände wie Spardosen, Zifferblätter für Uhren, Feuerzeuge und Aschenbecher stellte der Betrieb her.

Zeche Eimerweise: Kleinzechen im Ruhrgebiet

Entstanden in der Not der Nachkriegsjahre, waren von 1945 bis 1976 über 1000 Klein- und Kleinstzechen zwischen Dortmund und Essen in Betrieb, etliche davon auf Wittener Gebiet. Die funktionstüchtigen Nachbauten auf dem Museumsgelände veranschaulichen zusammen mit Fotos und Dokumenten die Betriebsweise solcher Kleinbetriebe. Die Kleinzeche Ingeborg in Witten-Durchholz stand Pate für die Rekonstruktion auf dem Museumsgelände.

Stollenführung

Das Ruhrgebiet ist auf Kohle gewachsen. Schon vor Jahrhunderten förderte man an den Hängen des Flusses, der dem Revier seinen Namen gab, die schwarzen Diamanten zu Tage. Auf Zeche Nachtigall bringen Führer die Besucher zurück in die Zeit, als man zum Kohleabbau noch waagerechte Stollen in die Hänge trieb und später die ersten Schächte in die Tiefe grub. Ausgerüstet mit einem Bergmannshelm gelangen Interessierte im Besucherbergwerk durch niedrige Gänge zu einem echten Steinkohleflöz.

Der Dünkelbergstollen hat einen Zugang über Tage

Helm auf, Grubenlampe an, ein kräftiges „Glückauf“ geschmettert – und los geht es, hin zur Kohle. 350 Meter weit führt der Stollen in den Berg hinein. Es ist dunkel, es ist eng, über weite Strecken geht es nur gebückt voran. Aber es ist nichts im Vergleich zum Alltag der Bergleute, die hier einst ihr Brot verdienten.

Teile des Stollensystems werden künstlich bewettert, es wird also permanent Frischluft eingeblasen. Beim Betreten des Stollens wird mit einer Klapptafel markiert, dass eine oder mehrere Gruppen im Tunnelsystem unterwegs sind. Vor einer optischen Überprüfung der Anlage wird die erste Gruppe am Tage allerdings nicht in den Stollen hineingelassen. Spätestens nach dem dritten Anstoßen des Helmes an tragenden Balken ist man dankbar, einen Kopfschutz erhalten zu haben. Insbesondere lange Personen haben diesmal deutliche Nachteile. Kinder sind hier im Vorteil. Für sie gibt es sogar besonders kleine Helme.

Ehemalige Bergleute führen durch Nachtigall- und Dünkelbergstollen, vorbei an der Figur der Heiligen Barbara, die über die Kohle-Kumpel wacht, vorbei am Blecheimer-Klo, für das der „Kübelmajor“ zuständig war, und an den Gerätschaften, mit denen die Kohle abgebaut wurde. Einmal im Monat wird es noch intensiver: Fünf Stunden (inklusive Mahl und Bergmannsschnaps) dauert die Hauerschicht, bei der die alten Maschinen laufen.

Hier stößt der Besucher in einer Nische auf eine Figur der Heiligen Barbara, Schutzpatronin der Bergleute. Ohne diese Figur würden sich auch heute noch viele Tunnelbauer weigern, in den Berg einzufahren.

Ein Gang führt ins Innere des Hettberges. Hier wurde vor der Zeit der Tiefbauschächte die Kohle gefördert. Im Besucher-Stollen ist auch heute noch ein echtes Steinkohleflöz zu entdecken. Geitling II heißt das Flöz, aus dem die Kohle gefördert wurde.

Expansion?

Von Unkraut überwuchert, mit einem Bretterzaun notdürftig gegen die Straße abgegrenzt – so liegt seit vielen Jahren das Gelände der ehemaligen Eisengießerei Ritz ungenutzt neben dem Industriemuseum Zeche Nachtigall im Muttental. Sollte sich der LWL als interessierter Käufer des Geländes durchsetzen, so würden historische Gebäudeteile der alten Gießerei erhalten bleiben: Jene Maschinenhalle, die der Ritz-Vorgänger und Multiunternehmer Dünkelberg einst für die Herstellung von Maschinen zur Ziegelproduktion baute. Ein weiterer Grund, warum das Gelände kulturgeschichtlich interessant ist: Unter der Halle, die von Ritz errichtet wurde, befindet sich  der Tiefbauschacht Neptun - der erste Schacht der Zeche Nachtigall. Der industriell verseuchte Boden auf dem Gelände ist bereits vor mehreren Jahren entsorgt worden. Ein weiteres Argument für den Geländeerwerb durch den LWL: Zeche Nachtigall verfügt über nur wenig Parkplätze vor der Haustür. Auch die würden dann in größerer Zahl auf dem Ritz-Gelände entstehen. Der offizielle Parkplatz für Zeche Nachtigall ist zwar am Eingang des Muttentals - aber der liegt gut 1,5 Kilometer entfernt.

 

Im August 2017 wird klar: Obwohl der LWL-Liegenschaftsbetrieb mehrfach Kontakt zum aktuellen Besitzer Casa Real aufgenommen hat, der es verkaufen möchte, sind die Verhandlungen an unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert. „Bei einer Gegenrechnung für einen Parkplatz lohnt sich der Kauf nicht“, meint der Museumschef. Überdies sollen sich im Boden weitere Altlasten befinden. Und die Hallen sind in so marodem Zustand, dass sie nur abgerissen werden können. Zache weiter: „Die Entsorgungskosten hätte dann der LWL tragen müssen.“ Einen Alternativort für Parkplätze zu finden, werde sich „wohl länger hinziehen“. Der Museumschef meint: „Einerseits wollen wir Natur und Umwelt schonen. Andererseits unseren Besuchern eine Infrastruktur bieten, die heute Standard ist.“ (WAZ 14.08.2017)

Am Ringofen der Ziegelbrennerei Dünkelberg, Zeche Nachtigall

Noch im letzten Jahr der Zechenschließung 1892 erwarb der Bauunternehmer Wilhelm Dünkelberg das heutige Museums-Gelände. An der Stelle der Zechenbauten um Schacht Hercules entstand zwischen 1897 und 1899 die heute noch geländebeherrschende Doppel-Ringofenanlage, in der jährlich bis zu elf Millionen Ziegel gebrannt werden konnten. Ausgangsmaterial für die Ziegel war Schieferton, der im Ruhrtal unterhalb der Kohleflöze lagert. Die Ausstellung im östlichen Ringofen folgt dem Weg des Rohstoffs: Von der Gewinnung des Materials im Steinbruch über seine Verarbeitung bis zum Brennen im Ringofen und dem Verladen der Ziegel lernen die Besucher den Ziegler-Alltag bis in die 1960er Jahre kennen. Im Inneren des Ringofens stehen Ziegel und Rohlinge gestapelt, Staub und Asche bedecken den Boden des Arbeitsplatzes. Beleuchtete Bilder und Zitate aus der Arbeitswelt der Ziegler unterstützen die Raumwirkung des Denkmals. An der Rampe der Ruhrtalbahn wurden früher Ziegel und Sandstein verladen. In einem Bahnwaggon zeigt das Museum, wie dringend die Steine während der rasanten industriellen Entwicklung um 1900 im Ruhrgebiet gebraucht wurden.

Das Material wird im Kollergang (schwere, drehende Walzen) mechanisch zerkleinert.

Aufbau des Ofens: Ein Ringofen besteht aus 14 bis 20 Brennkammern, Schürebene und Kamin. Die Brennkammern bilden miteinander den Brennkanal. Jede der Kammern hat eine Öffnung ins Freie, eine Verbindung zum Kamin (Fuchs) und mehrere Schürlöcher im Deckengewölbe. Die Brennkammern sind rund um den gemeinsamen Kamin angeordnet. Das Feuer wandert von einer Kammer zur anderen. Durch eine geschickte Steuerung des Luftzuges im Ofen wird die eingesetzte Wärmeenergie mehrfach genutzt.

 

Luftführung: Während des Betriebes sind fast alle Kammern des Ofens mit Ziegeln beschickt. Bis auf einige Kammern in der Abkühlungszone sind alle befüllten Kammern zugemauert. In zwei Kammern brennt das Feuer mit der erforderlichen Brenntemperatur von etwa 1100 bis 1200 °C. Die Zuluft für das Feuer strömt durch die unvermauerten Kammeröffnungen in den Brennkanal. Bevor sie das Feuer erreicht, erwärmt sich die Luft an den bereits gebrannten Ziegeln und kühlt diese ab. Die Rauchgase entweichen nicht durch den Fuchs der Brennkammer. Sie werden über die frisch eingestapelten Rohlinge geführt und wärmen sie vor. Erst durch den Fuchs der letzten Kammer, die mit einer Papierwand (Papierschieber) von der nächsten Kammer abgetrennt ist, strömen die Rauchgase zum Schornstein. Dieser erzeugt durch seine Höhe den erforderlichen Zug.

 

Befeuerung: Die Befeuerung des Ringofens erfolgt von der Schürebene aus. Der Brenner schüttet regelmäßig Kohlen die Schürlöcher der gerade befeuerten Kammer. Das Hauptfeuer wandert täglich um etwa eine Kammer weiter. Dies geschieht, indem der Bremer in die Schürlöcher der nächsten Kammer Kohle einfüllt. Danach verschließt er den bisher offenen Fuchs und öffnet den Fuchs der folgenden Kammer. Durch die hohe Temperatur der Rauchgase entzündet sich die eingefüllte Kohle. Der Papierschieber vor der Kammer mit dem nun geöffneten Fuchs verbrennt. Es dauert etwa zwei Wochen, bis das Feuer einmal den gesamten Brennkanal durchwandert hat.

 

1859 erhielt der Baumeister Friedrich Eduard Hoffmann in Preußen und Österreich ein Patent zur „Erfindung eines ringförmigen Ofens zum ununterbrochenen Brennen aller Arten von Ziegeln, Tonwaren, Kalk, Gips und dergleichen“. Das Patent wurde ihm später wieder aberkannt, nachdem nachgewiesen werden konnte, dass der Maurermeister Arnold aus Fürstenwalde bereits 1839 den Ringofen erfunden hatte, aber kein Patent anmeldete. 1873 wurde er für seine Erfindung Ehrenbürger von Fürstenwalde.

 

Der Ringofen revolutionierte die Ziegelindustrie des 19. Jahrhunderts. Der kontinuierliche Brand lieferte zum ersten Mal eine gleichbleibende Qualität der Ziegel, während das Ergebnis in den vorher üblichen Kammeröfen nach jedem Brand anders aussah. Außerdem brannten die Ringöfen erstmals ununterbrochen Tag und Nacht, was den Bedarf an Arbeitskräften sprunghaft anwachsen ließ, zugleich aber auch eine vorher nie gekannte Steigerung der Ziegelproduktion ermöglichte. Heute erfolgt die Ziegelherstellung maschinell. Einige wenige Ringöfen blieben erhalten  und werden als Industriedenkmale geschützt.

Unter dem großen Dach der Ziegelei: Schürebene des Hoffmannschen Ringofens der ehemaligen Ziegelei Dünkelberg

Blick von der Schürebene in den Ringofen der Ziegelei
Aufgedecktes Schürloch zum Befüllen mit Kohle
Kohleloren
Die leere Brennkammer der stillgelegten Ziegelei
Fertig gebrannte Ziegel
Ausstellung in der Ringofenkammer

Der Weg in die Tiefe: Ausstellung im Gewölbe des Ringofens

Am Beispiel des Schachtes „Hercules“ aus dem Jahr 1839 wird ein wichtiges Kapitel Bergbaugeschichte wieder mit Leben gefüllt: Der Übergang vom Stollen- zum Tiefbau markiert den Übergang vom ländlich geprägten Raum zum Industrierevier.

Auf ihrem Weg in die Tiefe mussten die Bergleute zahlreiche Hindernisse überwinden und Probleme lösen. Sie brauchten Licht und Luft, um Ihrer Arbeit in der Grube nachgehen zu können. Und nicht nur Kohle wurde aus dem Schacht gefördert, auch Wasser musste fortlaufend aus der Grube gepumpt werden.

Durch eine „Dunkelzone“ gelangen Besucher in die unbekannte Untertagewelt. Modelle machen hier zum Beispiel deutlich, wie das verzweigte System der Frischluftzufuhr funktionierte und wie die ideale Anlage einer Zeche unter Tage aussah. Dem vielbesungenen „Licht in der Nacht“ ist ein eigener Bereich gewidmet. Diese und andere Themen werden an einem ungewöhnlichen Ausstellungsort behandelt: Nach der Stilllegung der Zeche wurde der Schacht mit einem Ziegelringofen überwölbt.

Zeche Nachtigall, Hängebank Schacht Herkules

Zahlreiche Exponate versprühen den Charme des Vergangen

Ausgebauter Förderkorb mit Hunt in der Zeche Nachtigall
Ausgebauter Förderkorb mit Hunt in der Zeche Nachtigall

Auf dem Schiff geht es um die Kohlenschifffahrt zwischen Witten und Ruhrort: Wie sah die Ruhr damals aus? Mit welchen Schwierigkeiten hatten die Schiffer zu kämpfen? Thema auf dem Schiffbauplatz ist der historische Schiffbau an der Ruhr, aber auch der Nachbau für das Museum. In der Kohlenniederlage, einem nachempfundenen typischen Lagerplatz am Fluss, geht es um den Kohlenhandel. Die Geschichte des Flusses nimmt einen breiten Raum ein. Mit dem Einzug der ersten Eisenbahnen ins Ruhrtal bekam die Kohlenschifffahrt Konkurrenz. Als die Zeche Nachtigall 1849 die Verbindung zum Schienennetz herstellte, hatte der Fluss als Absatzweg seine Bedeutung verloren. Knapp 40 Jahre später wurde die Schifffahrt eingestellt. Wie bescheiden die Anfänge der Eisenbahnen aussahen, zeigt die Rekonstruktion von zwei Wagen der 1829 gebauten Muttentalbahn.

Schifffahrt auf der Ruhr - Die Anfänge

Bereits vor knapp 1.000 Jahren wurden Schiffe auf der Ruhr erstmals schriftlich erwähnt: Im Jahre 1033 verlieh Kaiser Konrad II. der Abtei Werden das Schifffahrtsrecht bis zur Rheinmündung. Und doch sollte es noch einige Jahrhunderte dauern, bis von einem regelmäßigen Verkehr die Rede sein konnte. Den Grund dafür liefert der rund 235 Kilometer lange Strom zwischen Winterberg und Duisburg-Ruhrort selbst. Mit seinen engen Windungen und Schleifen, seinem teils starken Gefälle, aber auch aufgrund des jahreszeitlich immens schwankenden Wasserstandes waren die Voraussetzungen denkbar ungünstig.

 

Leinen los für die Ruhraak!

Ihr Name kommt von dem frühniederländischen und/oder neufriesischen Wort ›aeke‹ oder ›aek‹ und ist sprachgeschichtlich mit dem neuhochdeutschen ›Nachen‹ verwandt: die Ruhraak. So hieß der Schiffstyp, der speziell für die Ruhr mit all ihren Charakteristika entwickelt wurde. Es handelte sich um ein sehr flaches Fahrzeug aus Eichenholz – 34,5 bis 38 Meter lang und bis zu 5,12 Meter breit – mit einem Mast für das Focksegel sowie einem gaffelgetakelten Großsegel. Zwischen 90 und 165 Tonnen konnte der ›Flachfrachter‹ tragen, hierbei spielte vor allem Kohle eine immer bedeutendere Rolle. Doch auch Korn- und Ölmühlen, Hammerwerke, Blaufärbereien sowie Gießereien und sogar eine Gewehrfabrik nutzten die Ruhraak für den Transport ihrer Güter. Längst war es also nicht mehr allein das Salz, welches seinen Weg über die Wasserstrecke hin zu seinen Abnehmern fand. Im Gegenteil: Das Frachtaufkommen in der Salzfahrt nahm stetig ab, weswegen bereits im Jahre 1801 die obersten drei Schleusen bei Witten, Wetter und Herdecke wieder aufgegeben wurden.

 

Schiffer, Knechte und Aakjungs

Man könnte meinen, dass sich die Ruhr aufgrund ihres Ausbaus zu einem bequem und zügig befahrbaren Verkehrsweg gemausert hätte. Mitnichten! Schifffahrt auf der Ruhr war echte Schwerstarbeit für die üblicherweise vierköpfige Crew. Eine Ruhraakbesatzung bestand nämlich in der Regel aus einem Schiffer, zwei Schiffsknechten sowie einem Schiffsjungen (im Volksmund auch ›Aakjunge‹ genannt), die sich die kleine Kajüte mit ihren schmalen Holzbänken an den Wänden nebst Ofen als Schlafstätte teilten. Sie waren dafür zuständig, das Gefährt hin- und zurück zu navigieren, starke Strömungen, aber auch flache Niederungen zu beherrschen – durch enge Kehren und Windungen, unter niedrigen Brücken hindurch. Zudem konnten Hoch- und Niedrigwasser und sogar Eisgang die Fahrt arg erschweren. Von daher musste der Steuermann sehr genau auf Wasserstände und Wetterveränderungen achten.

Nach Originalplänen von 1840 wurde der Ruhrnachen für die Zeche Nachtigall gebaut.

Treideln oder treiben lassen

Flussabwärts Richtung Rhein konnten die beladenen Aaken bei günstigen Winden mit der Strömung treiben. Doch aufgrund der vielen Schleusenaufenthalte dauerte diese Route durchaus bis zu sechs, sieben Tage an und barg so manche Tücke, wie der Hattinger Wasserbaumeister Ludwig Henz in einer Niederschrift 1840 berichtete: »Die Thalfahrt ist besonders deshalb schwierig, weil das Beharrungsvermögen eines, mit bedeutender Geschwindigkeit bewegten (...) Schiffes zu einer solchen Größe anwächst, dass die erforderlichen Seitenbewegungen zur Anhaltung der Fahrbahn, zur Drehung der langen Schiffe in den scharfen Krümmungen und zur Aufrechterhaltung bei widrigen Winden einen ungewöhnlichen Aufwand an Kraft und Geschicklichkeit fordert. Oft muss das Schiff so schnell gewendet werden, dass der Steuermann das Ruder nicht allein regieren kann und einen, oder gar zwei Mann dabei zur Hülfe nehmen muss.« Stromaufwärts ging es um einiges flotter: Lediglich zwei, drei Tage wurde für die Strecke Ruhrort–Witten gerechnet. Allerdings war man hier – gegen die Strömung – auf tatkräftige PS-Unterstützung angewiesen. Auf seitlich angelegten Leinpfaden (sie bilden heute einen Teil des Ruhrtal-Radwegs) liefen die Treidelpferde, welche die Schiffe zogen. Sie konnten entweder bei entsprechenden Unternehmen oder ansässigen Bauern angemietet werden.

Öko - Markt im LWL Ind.-Museum Zeche Nachtigall

Während des Öko-Marktes locken Aussteller mit natürlichen Produkten aus Werkstatt, Feld und Garten auf die Zeche Nachtigall. Zwischen Ringofen, Stollen und Steinbruch gibt es ein buntes Angebot mit Waren aus biologischem Anbau und traditionellem Handwerk aus der Region. Für die Besucher gibt es Führungen, Vorführungen und Mitmachaktionen rund um das Industriedenkmal und seine Geotope. Erntefrisches Obst und Gemüse, duftendes Brot, naturbelassener Honig vom Imker, selbstgemachte Liköre und Marmeladen, schmackhafte Wildkräuter und andere Spezialitäten aus der Natur: Das Angebot der mehr als 30 Händler ist vielseitig. Mit Handwerkserzeugnissen aus Leder, Wolle, Filz, Holz und Stein lädt der Markt zum Kaufen, Schauen und Ausprobieren ein. Von Öko-Textilien über Recyclingprodukte, naturnahe Pflanzberatung bis hin zu Bio-Cocktails reicht das Angebot. Die Biologische Station Witten e.V. (NaWit) informiert über ihre Naturschutzarbeit in der Region und bietet die Gelegenheit, mit einer Handpresse frischen Wittener Streuobstwiesen-Apfelsaft zu pressen und zu verkosten. Die Zeche Nachtigall liegt nicht nur inmitten überregional bekannter Geotope, sie verfügt auch auf ihrem Gelände über zwei geologische Aufschlüsse - den Steinbruch Dünkelberg und das Besucherbergwerk. 

Adresse & Kontakt

LWL-Industriemuseum

Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur

Zeche Nachtigall

Nachtigallstraße 35

58452 Witten

Tel.: 02302 93664-0

Fax: 02302 93664-22

E-Mail: zeche-nachtigall@lwl.org

Sekretariat: Raphaela Klages

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