Hoch auf dem Hügel - Die evangelische Kirche zu Herbede

Dem heiligen Vitus geweiht

Bereits die erste urkundliche Erwähnung der Bauerschaft ›Heribeddiu‹ in der sogenannten ›Translatio Sancti Alexandri‹, dem Überführungsbericht der Gebeine des heiligen Alexander von Rom nach Wildeshausen im Jahre 851, macht deutlich, dass der Hofesverband Herbede bereits um 850 bestanden haben muss, mehr noch: dass er christlich missioniert war. Wann genau die Gemeinde zum Christentum bekehrt wurde, ist nicht bekannt. Aller Wahrscheinlichkeit nach im 8. Jahrhundert. Das erste Gotteshaus in Herbede – die dem heiligen Vitus geweihte, heute evangelische Kirche in der Kirchstraße – datiert allerdings erst auf das Jahr 1032. Der Erzbischof Pilgrim von Köln, zu dessen Diözese der Gesamtbereich Wittens gehörte, schenkte sie dem damaligen Kloster Deutz, das 1002 von seinem Vorgänger gegründet worden war. Im Laufe des 11. Jahrhunderts hatte das Kloster die Kirchenherrschaft jedoch wieder verloren. Die Grafen von Berg setzten sich als Altarvögte von Deutz durch und übernahmen schließlich auch die Kirchenherrschaft in Herbede. Im Spätmittelalter sowie in der Neuzeit lag das Patronatsrecht über die Vituskirche bei den Vogtei- und Gerichtsherren von Elverfeldt.

 

 

Herbede wird evangelisch

Wann die Reformation in der Gemeinde angenommen wurde, ist nicht gänzlich geklärt. Jedoch verweist die Mehrzahl der Quellen auf den Zeitraum zwischen 1540 bis 1550. Während dieser Zeit soll der damalige Pastor Saldenberg, und mit ihm die Herbeder Gemeinde, das Augsburgische Bekenntnis vom Jahre 1530 angenommen haben. Nahezu geschlossen trat Herbede zum lutherischen Glauben über. Nur wenige hielten am katholischen Bekenntnis fest, darunter der Bruder des Pastors, der die Gemeinde schließlich verließ. Der letzte katholische Priester kehrte Herbede um 1590 den Rücken. Erst 250 Jahre später gelang es den Katholiken, in Herbede wieder Fuß zu fassen. 1888 begann der Bau einer eigenen Kirche: St. Peter und Paul. 1889 wurde sie fertiggestellt und eingeweiht.

 

 

Einsturz am Fest der Auferstehung

Das Aussehen der vorreformatorischen Kirche liegt im Dunkeln. Vermutlich handelte es sich um eine einfache Holzbasilika, die um 1500 restauriert wurde. Ein aus der östlichen Turmwand ragender Balkenrest ist datiert – so ergaben dendrochronologische Untersuchungen – auf das Jahr 1501. Ihre heutige Gestalt erhielt die evangelische Kirche erst im 19. Jahrhundert, nachdem sich die Bausubstanz zunehmend verschlechtert hatte. Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts hatte der damalige Pfarrer Wilhelm Rautert erkannt, dass das alte Gebäude einer umfassenden Restaurierung bedurfte, und wandte sich daher an die Regierung in Kleve. Mehrfach bat er um finanzielle Unterstützung, die ihm jedoch jedes Mal – aufgrund fehlender Geldmittel sowie infolge des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) – verwehrt wurde. Erst 1774 erhielt er die Genehmigung für eine Haus- und Kirchenkollekte für den Neubau. Doch bis zu dessen Realisierung vergingen abermals fast 40 Jahre. Es kam, was kommen musste: Während eines Ostergottesdienstes im Jahre 1803 stürzte die Kirche in sich zusammen. Lediglich der Turm blieb erhalten. Zu Schaden kam glücklicherweise niemand. Gewarnt durch auffällige Geräusche, konnten sich die Kirchenbesucher rechtzeitig in Sicherheit bringen.

 

 

Das neue Gotteshaus entsteht

Am 18. Juni 1811 war es endlich so weit: Der Grundstein für den Bau der neuen Kirche wurde gelegt. 1814 folgte die feierliche Einweihung. Zur Architektur: Obwohl erbaut im 19. Jahrhundert, folgte das neue Gotteshaus – errichtet an gleicher Stelle unter Verwendung von Resten des romanischen Turmes – dem Stil des ›Bergischen Barocks‹, ausgestattet mit einer umlaufenden Empore sowie dem damals üblichen Kanzelaltar im klassizistischen ›Schinkel-Stil‹. Die Orgel fand ihren Platz gegenüber der Altarwand auf der Empore. Der alte Taufstein wurde wieder aufgestellt.

 

 

Die Entfernung des Kanzelaltars sorgt für Aufregung

1933 wurde der Kanzelaltar – aus »Platzgründen«, wie es hieß – wieder reduziert: Die säulengetragene Empore über der Kanzel wurde entfernt. Dies traf jedoch nicht überall auf Zustimmung: Der Provinzialkonservator von Westfalen erhob Einspruch, indem er auf die Gesamtkomposition verwies, die doch »so originell und so bezeichnend für die Schinkel-Zeit« und daher erhaltenswert gewesen sei. Doch dieser Einwand stieß auf taube Ohren. Als eingetragenes Denkmal war lediglich der Kirchturm aufgeführt. Im Zuge einer weiteren Renovierung im Jahre 1965 wurden die Reste des Kanzelaltars sowie die Emporen abgetragen und der Kirchenraum nach Art der Spätmoderne umgestaltet.

 

 

Ein neuer Friedhof muss her

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts befand sich auf dem Gelände um die Kirche der Herbeder Gottesacker. Dieser wurde dem stetigen Anwachsen der Bevölkerung jedoch nicht mehr gerecht, so dass er 1848 geschlossen wurde. Bereits im folgenden Jahr wurde unweit der Kirche der ›alte Friedhof‹ eingerichtet, erweitert 1883 um den ›mittleren‹ sowie 1917 um den ›oberen Friedhof‹. Bei der späteren Planierung des Kirchhofes gingen zahlreiche Grabsteine verloren. Einige fanden sich als Bodenplatten bei Häusern und Höfen der Nachbarschaft wieder. Mit den Grabmälern verschwanden auch die in Stein gemeißelten Inschriften, von denen einige weiter zurückreichten als die Herbeder Kirchenbücher, die erst im Jahre 1693 beginnen. Nur wenige der alten Grabsteine entgingen diesem Schicksal, darunter das große Grabmal des Kirchenpatrons von Elverfeldt und seiner Gattin: Auf dem Rasen hinter der Sakristei hat es heute seinen ungestörten würdigen Platz.

 

Quelle: Stadtmagazin Witten, Artikel von S. 71 in Ausgabe 94 (12/2014)

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