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Fabricius-Denkmal Witten

Es war eine finstere Epoche. Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) begann als Religionskrieg zwischen Katholiken und Protestanten und war auch ein Konflikt um die politische Vorherrschaft in Europa. Kriegszüge, Plünderungen, Hungersnöte und Seuchen verheerten und entvölkerten weite Teile Deutschlands. Etliche Künstler und Literaten haben die Not der Menschen in der Zeit dieses Krieges in ihren Werken verarbeitet. Der Dichter Julius Sturm schreibt: »Da sah’s im Dorf gar übel aus / die Scheuern leer, kein Brot im Haus; / Im Stalle weder Pferd noch Kuh, / und vor dem Feind die Furcht dazu.«

 

In Bommern hinter dem evangelischen Friedhof steht an der Straße Im Brahm ein Denkmal für einen Mann, der in dieser schweren Zeit eine gute Rolle gespielt hat. Die Wittener gehörten der protestantischen Kirche an und wurden von den Streitkräften der Gegenreformation bedroht. Witten lag an einer wichtigen Straße, so dass die Stadt immer wieder von verschiedenen Heeren besetzt wurde. Die Söldner kamen aus anderen Teilen Deutschlands und Europas. Besonders die Menschen in den Vororten und den verstreut liegenden Bauernhöfen hatten unter der mordenden und brandschatzenden Soldateska zu leiden.

Als der Krieg allmählich aufhörte, ein Glaubenskrieg zu sein, belagerten im Jahre 1635 die protestantischen Schweden zehn Tage lang die Stadt. Nach der Zwangserhebung von Geldbeträgen war Witten völlig verarmt – historische Quellen künden vom Elend, das der Krieg über die Bevölkerung gebracht hatte. Hier ist von den »erschöpften und abgebrannten Einwohnern« die Rede. Besonders die prekäre Situation der Menschen in Bommern ist gut dokumentiert.

Das Lebensgefühl war von großer Angst bestimmt – viele Zeitgenossen deuteten den Krieg gar als Zeichen des nahe bevorstehenden Weltunterganges.

Das Denkmal erinnert an Johannes Fabricius, der im Jahre 1636 im Alter von 91 Jahren Gottesdienste für seine Gemeinde abhielt. Er war Pfarrer und hatte das Amt längst an seinen Sohn übergeben. Doch der war drei Jahre zuvor von plündernden Söldnern aus Lothringen erschossen worden, als er vom Fenster des Pfarrhauses aus versuchte, mit ihnen zu verhandeln. Also war Johannes Fabricius wieder in den Pfarrdienst zurückgekehrt.

Bommern gehörte damals zur Gemeinde Wengern und dort war die Pest ausgebrochen, jene grauenvolle Seuche, die seit dem Mittelalter ›Der schwarze Tod‹ genannt wurde. Wegen der Ansteckungsgefahr trauten sich die Bommeraner nicht mehr nach Wengern in die Kirche. Also kam Fabricius jeden Sonntag zur Gemeindegrenze in der Deitenbecke und hielt dort, wo heute das Denkmal steht, den Gottesdienst unter freiem Himmel ab. Getrennt durch den Bach hörten auf den sich gegenüberliegenden Hängen Bommeraner und Wengeraner gemeinsam die Worte ihres Pfarrers. Die Pest sollte trotz aller Vorsichtsmaßnahmen bald auch auf Bommern überspringen. Johannes Fabricius’ Dienst an der Gemeinde blieb in Erinnerung: Im Jahre 1843 errichteten ihm die Gemeinden Bommern und Wengern das Denkmal. Es verwitterte in den kommenden Jahrzehnten und versank immer tiefer im weichen Boden der Deitenbecke. 1921 legten ihn die Lehrer Karl Siepmann und Andreas H. Blesken[*] mit ihren Schülern anlässlich eines Wandertages wieder frei. Seit 1925 findet hier alljährlich ein Gedenkgottesdienst für Johannes Fabricius statt, der trotz seines abrahamitischen Alters seiner Gemeinde geistlichen Trost zugesprochen hat. Ein Vers aus dem Alten Testament steht in großen Lettern auf der Mauer: »Gedenket an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben. Ihr Ende schauet an und folget ihrem Glauben nach«.

 

Quelle: Stadtmagazin

 

[*] Andreas Heinrich Blesken (*09.08.1874 - †14.11.1959), geb. in [Soest-] Ampen, er besucht hier die Volksschule und danach die Rektoratsschule in Soest, 1890-1896 die Präparande und das Lehrerseminar in Soest, 1896-1899 ist er Lehrer in Hattingen, ab 1899 Lehrer in Bommerholz - heute Witten-Herbede -, 1908 hier Hauptlehrer, 1930-36 ist er Rektor in Hagen-Vorhalle, lebt nach seiner Pensionierung in Witten-Bommern; er stirbt hier am 14. November 1959.

 

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