Das Bethaus im Wittener Muttental

Das Bethaus im unteren Muttental ist das letzte seiner Art im Ruhrgebiet. Im frühen Ruhrbergbau waren sie weit verbreitet und erfüllten mehrere Funktionen: als Ort des Gebets vor und nach der Schicht, damit aber auch einer Anwesenheits-kontrolle, denn so wurde festgestellt, wer zu Schichtbeginn einfuhr und ob nach Schichtende alle auch wieder wohlbehalten zurück gekehrt waren.

Dieses Bethaus ist ein spätes seiner Art und wurde 1830 unter der Leitung des Bergamtes Dortmund erbaut. Die Baukosten von 564 Reichstalern und 15 Silbergroschen für das aus Bruchsteinen errichteten Gebäude teilten sich die f in der Nähe liegenden Zechen Morgenstern, Louisenglück, Turteltaube Nord und Süd. Später stießen noch die beiden Zechen Österbank und Aufgottgewagt mit jeweils 62 Reichstalern hinzu. Schon nach sieben Jahren wurde das Bethaus 1837 wieder geschlossen, weil die beteiligten Zechen ihren Betrieb in der Nähe einstellten oder ganz schlossen. Das vorhandene Inventar wurde versteigert und der Erlös von 145 Reichstalern zu gleichen Teilen an die beteiligten Zechen ausgezahlt.

 

In dem Bethaus befand sich mehr als ein Gebetsraum im Obergeschoss. Das am Hang gelegene Bruchsteingebäude verfügte über ein Geschoss mit darunter liegendem Sockelgeschoss und rückwärtigem Fachwerkanbau. Das Sockelgeschoss wird durch eine hohe äußere Steintreppe überwunden. Das Walmdach ist mit einem Glockentürmchen verziert, dessen Spitze von einem Posaunenengel bekrönt wird.

Im unteren Raum wird die Holzdecke durch eine Mittelsäule gestützt. Er diente früher als Schmiede und Magazin, wo der Bergmann unter anderem sein Werkzeug, das Gezähe, lagerte. Der dort tätige Schmied härtete und schärfte die stumpf gewordenen Keilhauen und Meißel, so dass sie für die nächste Schicht wieder einsatzfähig waren. Im oberen Stockwerk waren außer dem Betraum auch ein Versammlungssaal untergebracht. Dort trafen sich die Bergleute vor und nach der Untertageschicht, um die täglich anstehenden Fragen und Probleme mit dem Schichtmeister zu besprechen.

 

Nach der Außerdienststellung diente das Bethaus lange als Wohnhaus und erhielt dafür seinen Fachwerkanbau im hinteren Bereich. 1971 wurde das Haus unter Denkmalschutz gestellt. Von 1974 bis 1992 gehörte es dem Bergbau-Museum Bochum.

 

Nach der Übernahme durch die Stadt Witten richtete das Westfälische Industriemuseum im Untergeschoss, der ehemaligen Zechenschmiede, eine neue Ausstellung "Vom Bethaus zur Kohle - Bergbaugeschichte im Wittener Muttental und Ruhrtal" ein. Besucher hatten bis 2017 die Möglichkeit, unter Anleitung eines erfahrenen Schmiedes selbst ans Werk zu gehen und das älteste Handwerk der Welt zu erlernen. Ob Nägel, Hufeisen oder Bohrer - der Phantasie von Jung und Alt waren keine Grenzen gesetzt. 2017 verstarb der „Glücksschmied“, Volker Avermann, überraschend im Alter von 65 Jahren. Der gebür- tige Wittener betreute seit 2008 das ehemalige Bethaus der Bergleute, lebte und arbeitete hier im Muttental. Unzähligen Besuchern hat er in den vergangenen Jahren einen Einblick in die Schmiedekunst gegeben. Avermann galt als Herz und die gute Seele des Bethauses, kümmert sich um die Pflege und Instandhaltung, war bei Veranstaltungen aktiv, betrieb eine kleine Gastronomie für die Spaziergänger und beantwortete täglich Fragen zur Geschichte des Bruchsteinbaus.

2016 erstrahlte das Bethaus der Bergleute im Muttental nach einer Komplettsanierung wieder in neuem Glanz. Der Fußboden und die Wandvertäfelung wurden aufgearbeitet, Tische und Stühle sind neu, die Küche wurde modernisiert, und statt einer abgerockten Toilette finden sich nun zwei moderne WCs im Bethaus. Eine Leinwand und ein Beamer für Präsentationen stehen vorort nun auch zur Verfügung. Mitte Januar 2016 wurde mit der Renovierung begonnen. Kosten: rund 60.000 Euro, die durch Spenden, Fördermittel, Eigenkapital, Stadtmarketing und das Einrichtungshaus Ostermann zusammenkamen. Die tätigen Firmen, darunter auch Wittener Betriebe, haben durch das Einräumen von Rabatten ebenfalls einen Teil zur Förderung des Projekts geleistet.