Industriedenkmal Zeche Zollern

Die Zeche Zollern ist ein Ankerpunkt der Europäischen Route der Industriekultur. Prunkvolle Backsteinfassaden und opulente Giebel mit Zinnenkranz und Ecktürmchen rund um den grünen Ehrenhof erinnern auf den ersten Blick eher an eine Adelsresidenz als an eine Schachtanlage, auf der Kohle gefördert wurde. Kaum mehr vorstellbar ist heute, dass das Ensemble nach der Stilllegung in den 1960er Jahren abgerissen werden sollte. Wichtigstes Objekt im Kampf um den Erhalt war die Maschinenhalle mit dem eindrucksvollen Jugendstilportal – heute eine Ikone der Industriekultur. Der Erhalt des Vorzeige-Baus aus Stahl und Glas 1969 rettete nicht nur die gesamte Anlage, sondern markiert gleichzeitig auch den Beginn der Industriedenkmalpflege in Deutschland.

Der Entwurf für eine Maschinenhalle in Backsteingotik lag bereits vor, da änderte der Zechendirektor im Jahr 1902 spontan seine Pläne. Unter dem Eindruck zweier völlig neu konstruierter Pavillons auf der Düsseldorfer Industrie- und Gewerbeausstellung ließ er stattdessen von einem neuen Architektenteam unter der Leitung des Berliner Architekten Bruno Möhring die erste moderne Industriehalle des Ruhrgebiets errichten.

 

Neben einem starken Repräsentationswillen spielte wohl auch der Zeitfaktor eine entscheidende Rolle: Da man einen Stahlskelettbau in kürzerer Zeit fertig stellen konnte, war eine frühere Produktionsaufnahme möglich. Das filigrane Stahlskelett der Halle überspannt einen fast hundert Meter langen, lichtdurchfluteten Raum. Zwei Ausstattungsdetails haben die Halle besonders bekannt gemacht: die große marmorne Schalttafel, die wie ein Altar der Elektrotechnik wirkt, sowie das ovale Eingangsportal, das nicht nur zu einem Symbol des Jugendstils wurde, sondern der Halle auch zu ihrem Ruf als wohl bekanntestes Industriedenkmal Deutschlands verhalf.

 

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