LWL-Freilichtmuseum Hagen: 1000 Jahre Technik- und Handwerksgeschichte (Teil 2)

Papiermühle "In der Calle"

Die Papiermühle "In der Calle" stand ursprünglich in Iserlohn in der Nähe des Seilersees. Die Entstehungsgeschichte dieser Büttenpapiermühle geht auf das Jahr 1721 zurück. Sie wurde im Jahre 1817 von dem in Hagen-Delstern geborenen Friedrich Schulte (1802-1872) für 3600 Reichsthaler erworben. Er erweiterte das Mühlengebäude durch einen mehr- geschossigen Fachwerkbau. Das Untergeschoss wurde mit Bruchsteinen aufgemauert. Die Umbauarbeiten Friedrich Schultes wurden durch den Mühlenbaumeister Johann Hermann Stindt unterstützt. Das Gebäude der Papiermühle bestand bis 1962. Zur Mühle gehörte ein Wohnhaus, welches 1973 abgerissen wurde. Das gesamte Inventar des Wohnhauses und der Mühle ging verloren, 1974 wurde das Papiermühlen-gebäude im Freilichtmuseum wieder errichtet und mit einem rekonstruierten Inventar ausgestattet, das typisch für eine vorindustrielle Papiermühle ist: ein Mühlrad mit Stampfwerk, ein Papiermacher-arbeitsplatz mit Bütte und eine Papierpresse. Heute werden in der Museumspapiermühle verschiedene Büttenpapiere nach handwerklicher Tradition hergestellt. Die Nebenräume des Gebäudes werden von der Museums-pädagogik genutzt. Im Obergeschoss befindet sich die Ausstellung "Papier und Umwelt".

Druckerei Haus Vorster

Das Haus Vorster, in dem sich die Museumsdruckerei befindet, wurde 1712 im spätbarocken Fachwerkstil errichtet. Auf Grund der Auflagen der Feuerversicherung war die Fassade lange mit einem Zementputz versehen. Anfang der 1950er Jahre wurde der Putz entfernt und die repräsentative Fachwerkkonstruktion wieder freigelegt. Haus Vorster war Teil eines großen Firmenkomplexes, der Papierfabrik A. D. Julius Vorster in der Stennert bei Hagen-Eilpe. Gegründet wurde der Betrieb von den beiden Söhnen von Mathias Vorster, Dietrich und Adolf, im Jahre 1712. Die erste Papiermaschine wurde bei Vorster um 1850 aufgestellt. Vor allem in den 1920er und 1930er Jahren folgten umfangreiche Investitionen in die technische Ausstattung.

Durch Kriegseinwirkungen im Herbst 1943 war die Produktion so stark eingeschränkt, dass die Stilllegung des Betriebes beschlossen wurde. Aber schon 1946 wurde der Um- und Ausbau des Werkes begonnen. Im Jahre 1959 übernahm die Feldmühle AG das Werk in Eilpe mit seinen rund 850 Mitarbeitern, weiches dann aber 1965 stillgelegt wurde. Seit 1991 gehört die Feldmühle-Gruppe zum Konzern der Stora bzw. Stora Enso Kabel. Das Haus Vorster symbolisiert die lange Tradition der Papierherstellung in der ehemaligen Grafschaft Mark. Im Obergeschoss des Gebäudes befindet sich die Dauerausstellung  "Bütten, Siebe und Tamboure" zur Geschichte der Papierherstellung.

Tabakfabrik

1969/70 wurde die um 1800 erbaute Tabakfabrik aus Glandorf im nördlichen Westfalen ins Freilichtmuseum transloziert. Bei der Translozierung wird das Gebäude dokumentiert, abgebaut und anschließend möglichst originalgetreu an anderer Stelle wiederaufgebaut. Der Betrieb gehörte zum Anwesen der Familie Herbermann, die eine erstmals 1833 nachweisbare Rauchtabakfabrik betrieb. Mit Zigarren handelte die Familie nur in geringem Maß. Die Verarbeitung von Rohtabak zu Zigarren begann in Westfalen in den 1830er Jahren, zu einem Zeitpunkt, zu dem europaweit ein Siegeszug der Zigarre begann. Erforderte das im 17. und 18. Jahrhundert verbreitete Pfeifenrauchen ein ganzes Arsenal von Gerätschaften und Handgriffen, so musste die Zigarre nur noch beschnitten und in den Mund gesteckt werden. Tabakgenuss war somit schneller und leichter geworden. Das Zentrum der westfälischen Tabakverarbeitung lag in den Kreisen Minden, Lübbecke und Herford. Im späten 19. Jahrhundert verlagerte sich die Herstellung dann in ländliche Gebiete Ostwestfalens, in denen genügend Arbeitskräfte zur Verfügung standen. Um Zigarren in Handarbeit herzustellen, sie zu rollen, werden nur wenige Hilfsmittel benötigt: Zur Grundausstattung gehören Arbeitstisch, Rollbrett und Zigarrenblätter, seit den 1860er Jahren ergänzt durch Wickelformen und Zigarrenpresse. Die im Westfälischen Freilichtmuseum Hagenhergestellten Zigarren können im Krämerladen erworben werden.

Kolonialwarenladen und Fleischerei

Krämer, die Betreiber kleiner Läden insbesondere in Städten, führten ein breites Warensortiment: Haltbare Lebens- und Genussmittel, Gewürze, kleine Haushaltsartikel und die später so bezeichneten Kolonialwaren. Die Versorgung der Bevölkerung in den Städten wurde mit der fortschreitenden Industrialisierung immer wichtiger, da die Möglichkeiten der städtischen Bevölkerung, sich selbst zu versorgen immer mehr abnahmen. Das Gebäude, in dem Kolonialwarenladen und Fleischerei untergebracht sind, besteht aus Teilen eines Iserlohner Wohnhauses. Die Inneneinrichtung wurde aus mehre- ren Ladeneinrichtungen zusammengestellt. Solche Krämer- oder Kolonial-warenladen waren bis weit ins 20. Jahrhundert hinein kleine Ladenlokale, in denen schon aus Platzgründen wenig Gewicht auf eine besondere Warenpräsentation gelegt werden konnte. im Jahr 1913 beschrieb der Volkswirtschaftler Werner Sombart einen solchen Laden:  "Treten wir in einen solchen alten Kram, so erhalten wir denselben Eindruck, wie wir ihn heute noch an ganz weltfremden Orten erleben können, wo sich alle überhaupt zum Verkauf vorkommenden Gegenstände - als da sind Konfekt, Spirituosen, Zigarren, Rauch-, Kau-, Schnupftabak, Schiefertafeln, Papier und andere Schreibwaren, Stoffe, Nähgerätschaften, Spaten, Ketten, Sensen, Peitschen, Farben, Heringe, Sirup usw. - in der einen Gemischtwarenhandlung beieinander finden".  Kaum weniger bunt ist die heutige Angebotspalette des Kramerladens.

Sägemühle und Ölmühle

Ein kleines Mühlenensemble prägte lange Zeit den Anblick eines „Gielauer Mühle“ genannten Anwesens in Gielau im niedersächsischen Kreis Lüchow-Dannenberg. Es bestand aus einer Öl- und Sägemühle sowie einer Kornmühle. Die 1380 erstmals erwähnte Anlage war seit 1876 im Besitz der Familie Dietrich, die sie als Nebenerwerb neben der Landwirtschaft betrieb. Diese Anlage lieferte das Vorbild für die im Museum errichtete kombinierte Öl- und Sägemühle.

Das Gebäude wurde mit leichten Veränderungen nachgebaut, die Inneneinrichtung konnte weitgehend übernommen oder anhand originaler Vorlagen rekonstruiert werden.

 

Sägemühle

In der Holzbearbeitung stellte die Sägemühle die erste Station nach dem Fällen der Bäume dar. Hier wurden die Stämme zu Brettern und Bohlen zurechtgeschnitten und für die weitere Verarbeitung vorbereitet. Die Bezeichnung Mühle rührt von der ursprünglichen Antriebsform, einem Wasserrad, her. Bis 1932 wurde auch die Gielauer Anlage auf diese Weise betrieben, danach wurde ein Elektromotor eingebaut. In dem Betrieb wurde mit zwei Formen der Gattersäge gearbeitet: dem Vertikal- und dem Horizontalgatter. Diese bestehen beide aus einer Vorschubmechanik, bei der der Holzstamm mit einem auf Schienen gelagerten Schlitten gegen das Sägeblatt geschoben wird. Das Sägeblatt ist in einen rahmenartigen Aufbau fest eingespannt und schneidet den Stamm in der gewünschten Dicke. Bei der Einstellung der Stärke muss auch auf den Faserverlauf im Holz geachtet werden, damit es anschließend optimal weiterzuverarbeiten ist. Bei einer Vertikalgattersäge sind mehrere Sägeblätter senkrecht gespannt, bei einem Horizontalgatter nur eines in waagerechter Richtung. Sägegatter mit vertikalen Sägeblättern gab es bereits im Mittelalter, die horizontale Variante wurde 1815 von dem Franzosen Cochot entwickelt. Ihr Vorteil liegt in einem ruhigeren laut und daher einer höheren Schnittqualität. Aus diesem Grund wurden die Horizontalgatter häufig für den Schnitt edlerer Hölzer eingesetzt. Mit dem funktionsfähigen Horizontalgatter der Gielauer Sägemühle können immer noch Holzstämme von bis zu zehn Metern Länge und einem Meter Dicke bearbeitet werden.

 

Ölmühle

Zur Herstellung von pflanzlichem Öl werden in dem wasserradgetriebenen Stampfwerk Leinsamen, Raps, Sonnenblumen- kerne oder Bucheckern zerquetscht. Der Ölmüller füllt den entstandenen Brei in grobmaschig gearbeitete Matten, die er unter dem Stampfwerk mit Hilfe von Holzkeilen zusammenpresst. Die Matten sind aus Kuhschwanzhaaren gefertigt und können sich nicht mit Öl voll saugen. Bei der ersten, "kalten" Pressung, entsteht goldgelbes Speiseöl von hoher Qualität. Der in den Matten verbleibende Ölkuchen wird zerkleinert, erhitzt, nochmals in Matten gefüllt und erneut gepresst. Der Vorgang des Warmpressens kann noch bis zu zwei weitere Male vorgenommen werden, das gewonnene Öl wird allerdings immer minderwertiger. Die zuletzt übrigen Ölkuchen wurden getrocknet als Futter für Schweine verkauft.

Lokomobile

Viele Betriebe erfuhren im Laufe ihrer Geschichte die ganze technische Entwicklung von der Naturkraft (Muskel, Wasser, Wind) über die Dampfkraft, den Verbrennungsmotor bis zum Elektroantrieb. Von der Dampfkraft wurde im 19. Jahrhundert immer mehr in der Industrie, im Gewerbe und in der Landwirtschaft Gebrauch gemacht. Sie diente als Kraftquelle zur Erzeugung von Elektrizität, zur Wasserversorgung, sie wurde in allen Branchen eingesetzt - vom Bergbau über die Papierherstellung bis zur Metall- und Holzverarbeitung. Lokomobilen, für die Bezeichnung als Lokomobile maßgebend ist die unlösbare Verbindung zwischen Kessel und Maschine in der Form, dass die Maschine auf dem Kessel angeordnet ist, wurden in größerem Umfang Ende des 19. Jahrhunderts eingesetzt. Konnten 1885 in Preußen 8990 Lokomobilen gezählt werden, so gibt die Statistik für 1904 bereits 23013 Lokomobilen an, von denen allein 6543 im Gewerbe eingesetzt wurden. Die bedeutendsten Lokomobilfabriken in Deutschland waren in dieser Zeit die Firma Wolf, Magdeburg-Buckau und die Firma Lanz, Mannheim, Von Lanz stammt die im Museum gezeigte Lokomobile des seltenen Typs ZF mit einer Leistung von 13 PS bei 10 bar Dampfdruck. Sie ist eine der letzten bei Lanz gebauten Maschinen.

Brauerei / Brennerei

Der Betrieb in der Museumsbrauerei wurde zu Beginn der Saison 2016 wieder aufgenommen. Je nach Jahreszeit und den Wünschen der Kundschaft werden verschiedene Biersorten in der Brau-Manufaktur hergestellt. Für Museumsgäste wird vor allem das „Keller-Bier“ – naturtrüb, unfiltriert gebraut. Während der Saison wird das Bier in der Braustube ausgeschenkt, dem Gasthof Post, dem Schmiedekeller und den Museumsterrassen, der Verkauf erfolgt im „Ausschank“ und im „Museums-Shop“ und über den lokalen Getränkehandel sowie Gastronomie. Das Brauerei-Gebäude wurde 1800 vom Eisenwarenfabrikanten Johann Caspar Harkort (1753-1818) auf dem Gut Harkort in Haspe erbaut und als Brennerei, Speicher, Kelterei und Brauerei genutzt. Gebraut wurde dort für die Familie, das Personal sowie auch als Deputat für Lieferanten. 1974 wurde die Brauerei Stein für Stein abgebaut und fand im Freilichtmuseum Hagen einen neuen Platz. In den 90er Jahren wurde eine moderne Brauanlage eingebaut – die seit 2016 wieder zum Einsatz kommt.

Brennerei

Durch das „Brennen“, durch Destillation wird aus gegorenen Flüssigkeiten ein alkoholreiches Getränk oder auch ein trinkbares Ge-misch von Alkohol und Wasser mit Aromastoffen. Als Grundlage für solche Branntweine wurden und werden in Westfalen vorwiegend Getreide, Kartoffeln und auch Obst genommen. Bis in das 19. Jahrhundert hinein wurde hier vorwiegend Kornbranntwein hergestellt, noch heute wird Branntweinherstellung in Westfalen entsprechend häufig mit Kornbranntwein gleichgesetzt. Dann dominierte der Kartoffelschnaps: Mit der Ausdehnung des Kartoffelanbaus wurde die Brennerei in Westfalen willkommenes landwirtschaftliches Nebengewerbe, anfallende Rückstände konnten als wertvolles Viehfuttermittel verwendet werden. Neben Gerste und Kartoffeln wurde in Westfalen auch Obst als Ausgangsmaterial genutzt. Auch die Brennerei des Freilichtmuseums ist eine Obstbrennerei. Der Betrieb wurde völlig überarbeitet, um die Herstellung von Obstbränden unter Berücksichtigung der heute umfangreichen zolltechnischen und lebensmittelrechtlichen Vorschriften zu ermöglichen.

Huf- und Wagenschmiede, Stellmacherei

Von einem guten Hufschmied wurde nicht nur erwartet, dass er die Eisen aufschlug, sondern auch auf die Besonderheiten des zu beschlagenden Tiers einging, die verschiedenen Verhältnisse von Bodenbeschaffenheit und Witterung bei der Auswahl der Eisen berücksichtige und die Hufeisen ebenso wie die Nägel selbst herstellte. Fabrikhufeisen, die nur noch angepasst werden mussten, gab es erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Hufschmiede des Freilichtmuseums stammt aus dem Ort Zurstraße bei Hagen: 1793 gründete der Schmied Hakenberg hier eine Schmiede - ein verkehrsgünstiger Standort direkt an der alten Handelsstraße zur Hansestadt Breckerfeld. Über Generationen hinweg wurden in dieser Schmiede neben dem Hufbeschlag auch alle eisernen Teile für Karren, Schlitten und Wagen hergestellt. 1970 wurde die Hufschmiede in abgewandelter Form ins Freilichtmuseum umgesetzt. Die erhaltenen Anschreibebücher aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verzeichnen neben dem Hufbeschlag auch Arbeiten wie Pflugschare schleifen, Küchengeschirr löten, Schürhaken schmieden usw. Das Beschlagen eines Pferdes mit neuen Hufeisen kostete nach diesen Unterlagen 1876 4,40 Mark, für das Umlegen vier alter Eisen verlangte Hakenberg 1,20 Mark. Im selben Jahr verdiente ein qualifizierter Fabrikarbeiter 5 bis 6 Mark täglich.

Sattlerei

Das Gebäude, in dem sich die Sattlerei befindet ist ein freier Entwurf unter Verwendung des Giebels des "Krasshauses", eines ehemaligen Reidemeisterhauses aus Hagen-Haspe. Die Reidemeister waren Händler, die vom An- und Verkauf, hauptsächlich von Eisenwaren lebten. Die Einrichtung der Sattlerei wurde mit Hilfe des Sattler- und Raumausstatter-handwerks Westfalen-Lippe aus den Beständen verschiedener Werkstätten zusammengetragen. Es sind alle Werkzeuge und Geräte vorhanden, die der Sattler zur Ausübung seines Handwerks - der Herstellung von Geschirr und Reitsätteln - braucht. Das wichtigste Hilfsmittel ist das "Nähross", auf dem der Sattler rittlings sitzt, vor sich das Werkstück in einer hölzernen Klemme eingespannt, um es von Hand zusammenzunähen. Für kleinere Handnäharbeiten gibt es den "Nähkloben" der bei der Arbeit zwischen die Beine geklemmt wird. Sattlerhandwerk ist überwiegend Handarbeit. Die um 1900 eingeführte Sattler-Nähmaschine wurde selten benutzt. Außerdem finden sich in der Einrichtung viele kleinere Handwerkzeuge wie Ahlen, Nadeln und das typische Halbmondmesser zum Zuschneiden des Leders.

Portefeuille - Werkstatt

Die Einrichtung dieser Portefeuille-Werkstatt stammt aus der bis 1973 betriebenen "Werkstatt für feine Lederwaren" von Friederich Hess in Burscheid. Hess gründete sein Geschäft 1925 in Solingen. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb zerstört und nach dem Krieg in Burscheid neu gegründet. Die Werkstatteinrichtung besteht aus einem Zuschneidetisch, einer Schärfmaschine zum Ausdünnen der Lederkanten, einer Portefeuille-Nähmaschine (Linksarmmaschine) und einem weiteren Arbeitstisch. Außerdem finden sich mehrere Nähkloben für Handnäharbeiten sowie zahlreiche kleine Handwerkzeuge wie Hämmer, Zangen und Ahlen. Die Hauptarbeit der Portefeuillerie war die Montage, daneben führte man auch Reparaturen aus, Neben Leder verarbeitete der Portefeuillier z.B. auch Metall, Textilien und Perlen. Die vielseitige Produktpalette reicht von Necessaires über Brieftaschen und Handtaschen bis zu Koffern. Portefeuilleriewaren sind modeabhängig, schon im 19. Jahrhundert wurden die wechselnden Kollektionen fabrikmäßig hergestellt Friedrich Hess hatte sich auf die Zulieferung bestimmter Artikel für eine Fabrik spezialisiert, deren Massenfertigung sich wegen der geringen Stückzahl nicht lohnte.

Dampfmühle

Lange Jahre tat sie seit Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Dienste, die Dampfmahlmühle auf Gut Reichsmark bei Hohensyburg. Dann wurde die Inneneinrichtung durch das Westfälische Freilichtmuseum übernommen. Das Museums-gebäude, in dem sie sich nun befindet, ist eine Rekonstruktion. Aus Gründen der besseren Anschaulichkeit wurde die Dampfmaschine als Antriebsmaschine im Mühlengebäude aufgestellt. Üblicherweise waren Kraftmaschinen und Mahlwerke aus sicherheitstechnischen und hygienischen Gründen räumlich voneinander getrennt. Die auf dem Dampfkessel stehende Dampfmaschine wurde von der Firma Dürholz in Remscheid übernommen, die andere Dampfmaschine von Gut Reichsmark. Die von der Maschine erzeugte Kraft wird über eine Transmission auf die beiden Mahlwerke übertragen, die Getreidekörner werden zwischen zwei Mahlsteinen zerrieben. In der Mahltechnik entspricht die Dampfmahlmühle des Museums so noch der traditionellen Herstellungsweise, die auch in Wasser- und Windmühlen üblich war. Der Einsatz von Dampfmaschinen bedeutete in Deutschland seit den 1820er Jahren einen gewaltigen technologischen Entwicklungsschub. Mühlen waren nicht länger von den Naturkräften Wind und Wasser abhängig und daher nicht mehr standortgebunden. So verdrängten Dampfmahlmühlen seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts allmählich die Wind- und Wassermühlen, die sich nur vereinzelt bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts behaupten konnten.

Seilerei

Der Seilereibetrieb Lefken aus Glandorf im südlichen Niedersachsen bestand ursprünglich aus zwei Seilerbahnen, sogenannten "Doppelspinnbahnen", verbunden durch einen Lagerraum, und einem Wohnhaus mit angebautem Stall und Düngerschuppen. Im Jahr 1964 wurde die 72 Meter lange Doppelspinnbahn mit dem vorgelagerten Gebäude vom Westfälischen Freilichtmuseum Hagen übernommen und 1967 wieder aufgebaut. Bei dem Gebäude handelt es sich dem Grundriss und der Raumautleilung nach um eine typische überdachte Seilerbahn des 19. Jahrhunderts. Am Kopfende der Bahn befindet sich das Lagerhaus mit dem Hechelboden im Obergeschoss, wo Hanf gehechelt wurde. im Erdgeschoss des Lagerhauses bewahrte man die Arbeitsgeräte auf: Seilerräder, Spinnmaschinen, Kammgeschirre und schlittentypische Geräte der Handseilerei. Hier wurden auch Reparaturen durchgeführt und kurze Seile geschlagen. Auf der langen Seilerbahn im hinteren Teil des Gebäudes spann man Garn und stellte lange Seile her. Glandorf war wegen des ursprünglich hier betriebenen intensiven Hanfanbaus und der Nähe zum größten Hanfmarkt in Westtalen, Telgte an der Ems, ein günstiger Standort für Seilereien. Daher siedelten sich im 19. Jahrhundert zahlreiche Seilereibetriebe hier an.