Friedhof der Ev. Kirchengemeinde Bommern

Der Friedhof der Evangelischen Kirchengemeinde Bommern verfügt bei einer Größe von rund 24.000 m² über rund 3.000 Grabstätten. Mit dem Bau der Trauerhalle wurde im Frühjahr 1898 begonnen. Am Totensonntag 1898 wurde die Trauerhalle mit einer kirchlichen Feier geweiht. Im Jahre 1968 wurde die Trauerhalle erweitert. Die Fenster wurden 1998 von Oswald Krause-Rischard entworfen, gefertigt von der Glaserei Derix, Taunusstein. In dem Giebel der Trauerhalle hängt seit dem Frühjahr 1994 eine Stahlglocke mit einem Durchmesser von 480 mm und einem Gewicht von 30 kg. Die Glocke ist freistehend und mit einem Hammer versehen. Die Glocke wurde 1879 im Haus Buschey als Notglocke montiert und 1994 der ev. Kirchengemeinde Bommern für den Friedhof geschenkt.

IN MEMORIAM JOHANNA UND REINHOLD URBAN 1954 / 1945   KH.U. / G.L. UNGER
IN MEMORIAM JOHANNA UND REINHOLD URBAN 1954 / 1945 KH.U. / G.L. UNGER

„Das Paar“, 1988

 

Auf dem Friedhof in Witten-Bommern befinden sich drei Skulpturen, die nach Entwürfen des Malers, Bildhauers und Schriftstellers Karlheinz Urban gefertigt sind. Ausgeführt hat die Arbeiten der Steinmetz Klaus Unger. Eine Skulptur befand sich zunächst auf dem Grab des 1994 verstorbenen Künstlers, der sich um das kulturelle Leben in Witten verdient gemacht hat. Hier ist ein Liebespaar dargestellt („Das Paar“, 1988). Die Arbeit ist 1.80 Meter hoch und aus Naturstein gefertigt. Die Köpfe der beiden Personen sind einander zugeneigt, die Augen sind geschlossen. Die Körper von Mann und Frau werden in dieser leicht abstrahierten bildhauerischen Umsetzung zu einer geschlossenen Form, welche die ganze Vertrautheit einer innigen Liebesbeziehung zum Ausdruck bringt. Zwei weitere, ebenso gelungene Varianten des Themas befinden sich an anderen Stellen des Friedhofs.

 

Die Skulptur „Das Paar“ steht heute in direkter Nähe zur Friedhofskapelle auf einem von Grabstellen umrahmten Rasenstück, Ort für die Kranzniederlegung am Volkstrauertag.

 

Karlheinz Urban, geboren am 26. April 1915 in Schweidnitz/Schlesien, hatte 1987 seinen Wohnsitz nach Witten-Bommern an die Bleichestraße 11 verlegt. Hier verstarb er im Jahr 1994. Er war Mitglied im Autorenkreis Ruhr-Mark. Von 1974 bis 1984 war er Organisator von Wettbewerb für Lyrik der Stadt Witten.

 

Karlheinz Urban begann seine Laufbahn als bildender Künstler als Autodidakt erst im Alter von 47 Jahren. Als seine kunstpädagogischen Lehrer nennt er so bekannte Persönlichkeiten wie Oskar Kokoschka und Alfred Hrdlicka. Als Gasthörer wohnte Urban an der Ruhr-Universität in Bochum den Vorlesungen über Kunstgeschichte bei. Aber das schloss nicht aus, dass er zugleich - in ganz anderer Richtung - das Verwaltungsexamen ablegte. Anfang 1962 schenkte der in Witten lebende Bildhauer Peter Lechner seinem kunstinteressierten Mitbürger Urban einen Klumpen Ton und forderte ihn auf, aus dieser gestaltlosen Masse Figuren zu formen. Was mehr als Zufall begann, erwies sich schon bald als fortdauernde Lebensnotwendigkeit: ein neuer Plastiker kündigte sich an. Urban wird als talentierter Bildhauer in Erinnerung bleiben. Giesserei-Abfälle (Schlacke-Spritzer) des Wittener Stahlwerks inspirierten Karlheinz Urban zu seinen Werken. Er schuf daraus verschiedenste Plastiken, so zum Beispiel die komplette Gestaltung des Altarraums der Kirche auf der Oberkrone, Witten und das Relief „Die Menschenfischer“ von 1978 im Foyer der Freien evangelischen Gemeinde in Bommern.

IN MEMORIAM JOHANNA UND REINHOLD URBAN 1954 / 1945   KH.U. / G.L. UNGER
IN MEMORIAM JOHANNA UND REINHOLD URBAN 1954 / 1945 KH.U. / G.L. UNGER

 

 

Der Friedhof der Evangelischen Kirchengemeinde Bommern und seine Geschichte

aus: „FESTSCHRIFT zum 100 jährigen Bestehen der Evangelischen Kirchengemeinde Bommern 1990“

 

Mit dem Loslösungsgedanken der Bommeraner evangelischen Christen von der Kirchengemeinde Wengern, mit dem Ziel einer eigenen Kirchengemeinde, tat sich dann auch das Problem der Friedhofseigenständigkeit auf. Es sollte nun schnellstens ein passendes Grundstück besorgt werden. Da machten dann am 23. September 1890 die Abgeordneten der politischen Gemeinde der Kirchengemeinde Bommern den Vorschlag, in die seit dem 29. Oktober 1889 andauernden Kaufverhandlungen der politischen Gemeinde mit dem Kötter Diemling, Am Beisen (heute Beisenweg), über die Erstellung eines „Totenhofes“ einzutreten. Nach einer gemeinsamen Sitzung der politischen und kirchlichen Gemeindevertretung in der Gaststätte „Keßler am Berchem“ wurde man sich einig, dass die Kirchengemeinde Bommern mit dem Beschluss vom 30. November 1890 in den Kaufvertrag für das Friedhofsgelände „Dümlings Kamp“ (Diemlings Berg) einträte.

 

Die Größe des Geländes (von der jetzigen Trauerhalle bis zum später einbezogenen Fabriciusquerweg) betrug „3 Morgen und 122 Quadratruten“ (nach heutigen Maßen knapp 1 Hektar) bei einem Kaufpreis von 5.250,- RM bei 4 % Zinsen für den Verkäufer. Die Übernahme des Grundstückes erfolgte dann nach aufsichtsbehördlicher und kirchenbehördlicher Klärung und Genehmigung am 21. Juli 1891. Die Witwe Dr. Reese (damals Besitzerin von Haus Buschey) erklärte sich bereit, der Kirchengemeinde Bommern einen Betrag von 4.000, - RM zu leihen, bei 3 % Zinsen (Die Sparkasse forderte 3,3 %). Die Restfinanzierung erfolgte durch sofortigen Gruftenverkauf an interessierte Gemeindemitglieder. Somit war ein Grundstück vorhanden, aber kein Zuweg zum Grundstück, da der jetzige vordere Friedhofsteil bis zur Trauerhalle noch in anderem Besitz war. Nach kurzen Verhandlungen gab die Witwe Lagemann den Weg zum Haus Im Brahm 7 (jetzt Haus Werkmeister, ehemaliges Geburtshaus Lagemann) als Zuweg zum Friedhof im Wegerecht frei und stellte ihr Wohnzimmer dem Pfarrer als Umkleidezimmer zur Verfügung. Die erste Beerdigung auf dem Friedhof Bommern war für den Quartiergeber des neuen Pfarrers, Friedrich Keßler. In den Jahren 1894/95 wurden die ersten Verhandlungen zum Bau einer Leichen- bzw. Trauerhalle mit den Abgeordneten der politischen Gemeinde geführt, da es des Öfteren schon schwierig wurde, eine Hausaufbahrung durchzuführen. Im Frühjahr 1898 wurde mit dem Bau der Leichenhalle begonnen, an dem sich die politische Gemeinde zur Hälfte beteiligte.

 

Am Totensonntag 1898 wurde die Trauerhalle (Leichenhalle) mit einer kirchlichen Feier eingeweiht. Ein Versuch, bei der Verkoppelung (Flurbereinigung) im südöstlichen Teil des Bodenborns und der Elberfelder Straße um 1908 - 1909 ein Erweiterungsgelände für den Friedhof zu erwerben, schlug fehl. Im Jahre 1926 war die Friedhofserweiterung dann dringend notwendig. Auch die Verhandlungen mit Herrn Werkmeister zum Erwerb seines Kottens am Friedhof scheiterten, er wollte seinen Besitz nicht mit dem Kotten der Kirchengemeinde an der Alten Straße (Friggen-Kotten) tauschen. So wurde "Stembergs Wiese", das Gelände zwischen dem jetzigen Haupteingang und der Trauerhalle, dazugekauft. In den 50er Jahren entstand erneuter Platzmangel, sodass man sich entschloss, den unteren Friedhofsteil von den Erben des Gutsbesitzers Lohmann zu erwerben. Später wurde der obere Teil der ehemaligen Fabriciusstraße eingezogen und dem Friedhof zugeordnet. Dafür stellte die Evangelische Kirchengemeinde das Gelände für den jetzigen Umgehungswanderweg zur Verfügung.

 

1968 wurde die Trauerhalle erweitert. Eine erneute größere Friedhofserweiterung stand 1990 bevor. Die Größe des Friedhofs betrug 1990 ca. 2,5 ha zuzüglich des Erweiterungsgeländes von 1 ha, welches bis zur Mitte des nächsten Jahrhunderts Platz bietet.