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Föhr: Die drei alten Inselkirchen

Als Wahrzeichen der Insel Föhr bergen die drei mittelalterlichen Kirchen aus dem 12./13. Jahrhundert im Inneren einzigartige Sehenswürdigkeiten wie Altarbilder, Schnitzereien und alte Taufsteine. Die größte von ihnen ist die mächtige St. Johannis-Kirche in Nieblum – auch Friesendom genannt. Neben dem Friesendom sind auch die St. Laurentii-Kirche in Süderende und die St. Nicolai-Kirche in Wyk-Boldixum von sehenswerten Friedhöfen umgeben: Bei einem Rundgang auf diesen denkmalgeschützten Friedhöfen kann man in die Welt der Walfänger und Kapitäne eintauchen. Die „sprechenden" Grabsteine berichten als steinerne Zeugen vom bewegten Leben der Föhringer Seefahrer. Allen voran der des „Glücklichen Matthias“ – dem erfolgreichsten Walfänger der Nordfriesen. Sein Grabstein ist auf dem Friedhof der St. Laurentii-Kirche in Süderende bestaunen.
 

Karin Hansen berichtet: "Kommt ein Besucher zum ersten Mal auf die Insel, wird oft erst einmal die Gegend erkundet, sei es zu Fuß, per Fahrrad oder mit dem Auto. Auffallend sind dann die drei großen Kirchen, zu denen mehrere Dörfer gehören. Alle drei Kirchen wurden zum Beginn des 13. Jahrhunderts errichtet, St. Nicolai im Osten der Insel ist vermutlich die jüngste.

 

Auffallend ist besonders bei der im westlichen Teil der Insel stehenden Kirche St. Laurentii, dass diese nicht in der Mitte des Dorfes Süderende steht, sondern draußen in der Feldmark. Dass die Bewohner der umliegenden Dörfer einen etwa gleich langen Weg zur Kirche haben sollten, war kaum beabsichtigt, damals waren die Ziele ganz andere. An solchen Orten befanden sich, oft auf einer Anhöhe, einstmals vorchristliche Heiligtümer, mit einer christlichen Kirche wollte man diese aus dem Gedächtnis der Menschen löschen.

 

Bei der Kirche St. Johannis in Nieblum scheint es als ob die Kirche im Dorf steht, wenn man sich dann aber etwas näher mit der Geschichte befasst, erkennt man, dass auch diese Kirche einmal auf freiem Feld stand, denn erst nach der ersten großen Mandränke 1362, siedelten aus den heute südlich gelegenen Watten, damals bewohntes Land, Menschen in die Nähe der großen Kirche. Der Ortsname „Nieblum“ bestätigt dies, „Neues Bohl“, was soviel wie „Neuer Ort“ bedeutet.

 

Auch die Kirche St. Nicolai steht außerhalb der Dörfer Wrixum und Boldixum, wobei Wyk erst seit etwa 1600 zu diesem Kirchspiel gehört. Um die Entstehung der großen Kirchenbauten zu erklären, muss man weit in die Geschichte zurückgehen.

 

Es beginnt in Friesland, dem heutigen Westfriesland, hier herrschte der friesische König Radbod. Er wurde ständig von den angrenzenden Franken bedroht und angegriffen. Die Franken wollten nicht nur das Land Friesland mit seinen reichen Handelsstädten, sondern auch das Christentum den Menschen bringen. Bei diesen Kämpfen verlor der König um 689 sein Land und musste nach Helgoland fliehen, damals das heilige Land, das Forsete, dem Gott des Friedens, der Versöhnung und Eintracht gewidmet war. Mönche folgten dem König und veranlassten ihn, sich taufen zu lassen. Es wird überliefert, dass Radbod, als er zur Taufe bereits einen Fuß in das Wasser gesetzt hatte, die Frage stellte, wie es sein würde, wenn er als Christ nach dem Tod ins Paradies käme, ob er dann seine Vorfahren dort treffen würde. Der Mönch verneinte dies, das Paradies sei nur den Christen vorbehalten. Darauf stieg der König wieder aus dem Wasser mit den Worten, seine Vorfahren seien alle ehrliche, aufrichtige Menschen gewesen, er wolle auch nach seinem Tode mit ihnen vereint sein. Radbod eroberte 714 mit einem starken friesischen Heer seine Gebiete zurück. Er starb im Jahre 719. Die Friesen wehrten sich weiter gegen die Eroberung durch die Franken, wurden aber Ende des Jahrhunderts ein Teil des Frankenreiches. Nach kriegerischen Auseinandersetzungen und Flutkatastrophen ging auch der reiche Handelsort und Königssitz Dorestad verloren. Im 8. Jahrhundert wurde der heilige Hain mit der Quelle auf der heiligen Insel Forsetes zerstört und die heiligen Schafe getötet.Um 800 wanderten die Friesen in das heutige Nordfriesland ein, sicher nicht nur wegen der Flutkatastrophen, sondern auch weil es hier möglich war, nach dem alten Glauben zu leben. Bekanntlich gehörte das heutige Nordfriesland bis 1864 zum dänischen Gesamtstaat und als der dänische König Harald Blåtand (Blauzahn) um 960-965 durch Kaiser Otto gezwungen wurde, in der Taufe den christlichen Glauben anzunehmen, mussten dies die Untertanen ebenfalls. Es war nicht so einfach den Menschen einen fremden Glauben aufzuzwingen, man wollte an dem seit alters her überlieferten Asaglauben festhalten. Wenn dies nicht mit Zwang erreicht werden konnte, wurde es mit anderen Mitteln durchgesetzt, z.B. durften nur getaufte Christen in christlichen Orten Handel treiben. Kaufleute haben sich ihrer Geschäfte wegen taufen lassen, schließlich kam es auf einen Gott mehr oder weniger nicht an. Auch die Geschichte des Missionars Poppo ist bezeichnend. Poppo wurde als Kind von Mönchen erzogen, er versuchte später seinerseits seine Landsleute zum Christentum zu bekehren. Da er mit der Mentalität dieser Menschen vertraut war, zeigte er ihnen mit Hilfe von Taschenspielertricks die Macht des christlichen Glaubens. Die Überlieferung erzählt, dass die Menschen sich nicht von den Mönchen vorschreiben lassen wollten, die Verehrung der alten Gottheiten zu unterlassen und nach den neuen Gesetzen zu leben. Man fand, dass diese Mönche, welche ihnen Vorschriften machten, keine Ahnung vom wirklichen Leben hätten, da sie ehelos lebten und nicht für eine Familie sorgen mussten. Folglich erhielten die Mönche, welche die Menschen im Norden zum Christentum bekehren sollten, für eine kurze Zeit die päpstliche Erlaubnis, ja sogar die Pflicht eine Ehe einzugehen.Am Ende des 1. Jahrtausend wurde auch das heutige Nordfriesland christlich. Auf alten Karten sieht man im heutigen Wattengebiet und auf den Inseln Gebäude mit der Bezeichnung „Kapelle“, am bekanntesten dürfte die St. Annen Kapelle, zwischen Amrum und Föhr sein, aber es gab auch eine Kapelle bei Midlum. Vor einigen Jahren wurden die Fundamente der Kapelle bei Bauarbeiten gefunden. Als vor etwa 50 Jahren ein Haus in Midlum abgebrochen wurde fanden sich sehr alte Balken im Dachstuhl, welche von dieser Kapelle stammen sollen, Abschnitte aus diesen Balken wurden geborgen. Durch dendrochronologische Untersuchungen, könnte man erfahren, wann die ersten christlichen Kapellen auf Föhr erbaut wurden. Die katholische Lehre wurde auf Föhr abgelöst von der lutherischen Lehre, als drei Föhrer Studenten Luthers Predigten in Wittenberg gehört hatten. Bei ihrer Rückkehr waren die Gäste auf einer Kindstaufe, es kam zu einem kontroversen Disput mit den anwesenden Mönchen. Einer der Mönche ritt nach Amrum um seine Brüder vor der neuen Lehre zu warnen, er würde unbeschadet nach Föhr zurückkehren, wenn ihm das gelingen würde. Bei seiner Rückkehr scheute das Pferd, er fiel herunter und brach sich den Hals. Das hielt man für ein Gottesurteil und schloss sich der neuen Lehre an. Ganz einfach war das nicht, denn es ging auch um die Säkularisierung des Kirchenvermögens. Im Laufe der Jahre waren der Kirche viele Ländereien übereignet worden, diese wurden nun zum großen Teil den Besitzern oder ihren Nachfolgern zurückgegeben. Es gab harte Streitigkeiten in deren Verlauf es zu einem Mord auf dem Weg zwischen Övenum und Alkersumstieg kam, welcher von da an als „Mordweg“ bezeichnet wurde.

 

Die drei großen Föhrer Kirchen blicken auf eine sehr bewegte Geschichte zurück, nicht nur im Bezug auf die Religion. Die Kirchen waren ursprünglich sehr viel kleiner, sie waren aus Feldsteinen erbaut und wurden erst nach und nach zu ihrer heutigen Größe errichtet, das erkennt man auch an den unterschiedlichen Baustilen. Zunächst waren es reine Saalkirchen, spätere Anbauten gaben ihnen das heutige Aussehen und die Kirchtürme wurden erst sehr viel später gebaut. Immer wieder müssen die Kirchen außen und innen renoviert bzw. restauriert werden. An die verschiedenen Renovierungen erinnern eiserne Jahreszahlen an den Außenmauern, teilweise werden auch die Initialen der Kirchenältesten gezeigt. Die notwendigen Maßnahmen zum Erhalt dieser ehrwürdigen Bauten erfordern sehr viel Geld. Mit Spenden für diesen Zweck kann sich jeder an dem Ziel, diese geschichtlichen Denkmale für die folgenden Generationen zu erhalten, beteiligen."

 

Quelle: ÜÜB FEER, Nr. 04/2014 Karin Hanse

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