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Hattingen - Drei-Burgen-Stadt über der Ruhr

Die Stadt Hattingen, gelegen im südlichen Ruhrgebiet, hat einige Sehenswürdigkeiten zu bieten. Allein Ruine Isenburg, Burg Blankenstein und Haus Kemnade sind einen Besuch in der bunten, quirligen Stadt wert. Vor allem aber der Reiz eines denkmalgeschützten Stadtkerns empfängt den Besucher: nicht Museumsduft, sondern eine bunte, quirlige Stadt voller Leben.

Hattingens Altstadt gilt seit dem Sanierungsplan von 1962 als einzigartig in Nordwestdeutschland: 150 Fachwerk-Häuser sind als Ensemble rund um die St. Georgs-Kirche erhalten. Zwischen diesen hervorragend renovierten Fassaden von Fachwerk schlängeln sich Gässchen mit immer neuen malerischen Blicken, hinter den schwarzweißen Giebeln mit viel Blumenschmuck liegen kleine Läden mit einer Fülle von allerschönsten Angeboten. Für die Einkehr öffnen Gaststätten, Restaurants und Cafés ihre Pforten und laden in die anheimelnd ausgestatteten Räume ein. Da wird der Einkaufsbummel zum Vergnügen!

 

Schon nach der Unterwerfung der Sachsen durch Karl den Großen entwickelt sich aus der Siedlung Hatneghen ein fränkischer Reichshof mit ca. 20 Unterhöfen im Umland von Hattingen. Erste urkundliche Erwähnung findet Hattingen mit der Bestätigung der Schenkung dieses Reichshofes an die Benediktinerabtei Deutz im Jahr 1019/20. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts waren die Grafen von Altena-Isenberg die Landesherren, aber schon wenige Jahre später wird die Isenburg am Ruhrübergang des „Kleinen Hellwegs“ zerstört. Hattingen liegt nun im Grenzbereich der Grafen von der Mark und der Grafschaft Berg. Der Landesherr stärkt diese Grenzsiedlung durch zahlreiche Vorrechte, aber eine Verleihung der Stadtrechte geschieht nicht. Die eigentliche Stadtwerdung entwickelt sich über 100 Jahre: 1396 gibt es einen Befestigungsvertrag und ab 1486 dürfen Bürgermeister und Rat eigene Gesetze erlassen. Bis zu mehrfachen Zerstörungen kann sich Hattingen zu einem wichtigen Handelszentrum entwickeln; 1554 gehört Hattingen nachweislich dem Bund der Hanse an. Aus dieser wirtschaftlichen Blütezeit sind viele Fachwerkhäuser in der Altstadt erhalten, die mit Pest, Feldzügen und dem Dreißigjährigen Krieg beendet ist. Im 18. Jh. entwickelt sich Hattingen zu einer bedeutenden Textilstadt; auch der Bergbau erhält durch die schiffbare Ruhr größere Bedeutung. Die mittelalterlichen Strukturen verschwinden zu Beginn des 19. Jahrhunderts, 1810 werden die Stadtmauern abgetragen und mit den Steinen die Wege gepflastert. Die Entdeckung des Spateisensteins führt 1854 zur Gründung der Henrichshütte; mit dem Anschluss an die Eisenbahn wird die Ruhrschifffahrt als Massentransportmittel abgelöst.

Das Reschop-Carré ist das neu gestaltete Eingangstor in die Hattinger Innenstadt und fügt sich architektonisch ansprechend der historischen Altstadt an.

 

EröffnungApril 2009
Einzelhandelsfläche13.000 m2
Anzahl der Läden30

Die Pfarrkirche St. Peter und Paul wurde 1870 erbaut. Damals gab es einen starken Zuzug von Menschen aus dem Osten, die Arbeit auf der neu errichteten Henrichshütte suchten. Damit wuchs die katholische Bevölkerung in Hattingen stark an. Die Ziegelsteine für den neugotischen Bau wurden direkt vor Ort gebrannt. Besonders wertvoll ist der Taufstein aus dem 16. Jahrhundert. Seit Oktober 2007 ist St. Peter und Paul die Pfarrkirche der gesamten Stadt Hattingen.

Katholische Kirche St. Peter und Paul

Steinhagen / Flachsmarkt

Das Steinhagentor wurde 2003 von dem Ettlinger Künstler Voré im Zeichen des Stahls entworfen und in die alte Stadtmauer integriert. Hier laden kleine Geschäfte zum Stöbern, Schauen und Genießen ein. Gekonnt wurden hier im Zuge der Stadtsanierung in den 70/80er Jahren moderne Bauten – teilweise als Seniorenwohnungen – in das alte Stadtbild integriert.

Unter Betreuung des Künstlers wurde das Werk in der Lehrwerkstatt der ehemaligen Henrichshütte angefertigt. Die Arbeit ist sehr differenziert und komplex. Eine diskutierende Menschengruppe in Sandstein steht vor einer geschliffenen Sandsteinstele und schafft somit eine Verbindung zur historischen Stadtmauer. Darüber schweben zwei Stahlträger aus Cortén-Stahl mit einem zunächst martialisch anmutenden Fallgitter, das bei längerer Betrachtung seine Bedrohlichkeit verliert und eher beschützend wirkt. Die Arbeit von Voré erweckt Assoziationen an ein mittelalterlichesTor.

Im Kulturhauptstadtjahr 2010 konnten aus Mitteln der Stiftung die „Engel ante portas“ von Urs Dickerhof am Holschentor verwirklicht werden. Der Künstler hat die ursprünglich für das Steinhagentor vorgesehene Arbeit etwas verkleinert und dem neuen Standort angepasst. Der Schweizer Künstler, Direktor der renommierten Kunstschule in Biel, schafft eine sehr heitere, menschliche Arbeit. Seine Figuren scheinen die schöne Stadt Hattingen förmlich erstürmen zu wollen. Mit Sack und Pack, zur Not auch über die Mauer, gelangen sie in die Altstadt. Die differenzierten Figuren aus verzinktem Stahl stecken voller Symbolik. Urs Dickerhof zählt zu den Schweizer Künstlern, deren Schaffen entscheidend von der PopArt geprägt ist.

Der Befestigungsvertrag von 1396 ermöglichte den Bau der ersten Befestigung Hattingens. Sie bestand aus einem „tun-stacket“, einem Flechtzaun zwischen Eichenpfosten, dem Stadtgraben und dem Wall aus dem ausgehobenen Material. Die Kirchwege aus den Bauernschaften und die beiden Eingänge der Fernstraße wurden durch fünf Stadttore gesichert. Die Stadtbefestigung gilt als Zeitpunkt der Stadtwerdung. Aus den Hattingern wurden Bewohner einer burgähnlichen Befestigung – Bürger.

Der wirtschaftliche Aufschwung – Hattingen war Mitglied des Hansebundes – ermöglichte zwischen 1586 und 1590 eine Erneuerung der Stadtbefestigung in Bruchstein. Sie bestand aus der inneren Mauer, der heutigen Grabenstraße, der Außenmauer und dem davorliegenden Stadtgraben. Der alte Wall wurde eingeebnet. Um 1820 wurde die Stadtbefestigung abgebrochen, da sie verteidigungstechnisch nutzlos geworden war und Hattingen in dieser Zeit über seine mittelalterlichen Grenzen hinauswuchs. Die Wirksamkeit der Befestigungsanlagen wurde im Dreißigjährigen Krieg auf eine harte Probe gestellt. Der in schwedischen Diensten stehende Oberst Wilhelm Wendt zum Krassenstein belagerte mit 3.000 Söldnern die Stadt. Nach zehntägiger verlustreicher Belagerung musste sich die Stadt ergeben und 3.000 Goldgulden Strafe zahlen.

Hattingen hat vor allem Schlagzeilen gemacht, als der letzte Hochofen der Henrichshütte 1987 abgeblasen wurde. Die Hütte war zwölfmal größer als die Hattinger City, und die Stadt konnte nur mit Hilfe vom Land, zäh ausgehandelten Sozialplänen und viel Sympathieprotest aus dem ganzen Land überleben. Umso mehr ist der Stadt anzurechnen, was sie sich – vom Reschop-Carre mal angesehen – alles bewahrt hat. Das Bügeleisen, das Zollhaus, die Lateinschule, das alte Rathaus und – die St. Georgs-Kirche mit dem schiefen Turm.

Am 23.6.1967 gab der Rat der Stadt grünes Licht für die Sanierung der Hattinger Altstadt. Schon damals waren lange vor dem Denkmalschutzgesetz 1980 viele historische Gebäude durch entsprechende Grunddienstbarkeiten freiwillig als Baudenkmäler geschützt. Der seinerzeit von Professor Einsele entwickelte erste Rahmenplan sah vor, den Kirchplatz, die ihn umgebende Emsche- und Kirchstraße sowie die sternförmig zulaufenden Zugänge unversehrt zu erhalten.

So wurden im Kern der Hattinger Altstadt schon frühzeitig Prioritäten für den Denkmalschutz gesetzt. Daneben gab es folgende Ziele für die Altstadtsanierung: - Verbesserung der Geschäftssituation - Neubau von Wohnungen - Einrichtung einer Fußgängerzone Die obere Heggerstraße hatte sich um das 1910 eingeweihte neue Rathaus zu einer vorrangigen Geschäftszone entwickelt. Die Läden in der Altstadt litten unter fehlenden Andienungsmöglichkeiten, dem störenden Durchgangsverkehr und unter fehlenden Stellplätzen. Hinzu kam die immer schlechter werdende Bausubstanz. Durch die Herausnahme des Autoverkehrs und durch den Bau von Parkhäusern an der Peripherie wurden diese Störungen beseitigt. Unter Abriss von Fachwerkhäusern in Klein-Langenberg wurde am südlichen Rande der Altstadt ein Kaufhaus als Magnet angesiedelt. Es wurde 1976 eröffnet. Die Geschäftssituation innerhalb der Altstadt entwickelte sich positiv.

Um der Verödung der Altstadt nach Geschäftsschluss entgegenzuwirken, sollte die Altstadt neben der geschäftlichen Entwicklung auch als Wohnstandort attraktiv bleiben. Dies ist durch zahlreiche Wohnungsbauprojekte an der Emsche und am Flachsmarkt im Wesentlichen gelungen. Zum Glück ist es bei diesen beiden Flächensanierungen geblieben. Schon zu Beginn der Altstadtsanierung wurden nach und nach zahlreiche Fachwerkhäuser umfassend und denkmalgerecht renoviert. Am 30.6.1969 fuhr die Straßenbahnlinie 8 zum letzten Mal durch die Heggerstraße von Hattingen nach Blankenstein. Schon am 7.12.1969 – also wenige Tage vor der kommunalen Neuordnung – konnte der erste Abschnitt der autofreien Fußgängerzone Heggerstraße, Gelinde und Obermarkt eingeweiht werden. Rechtzeitig zur Eröffnung des Kaufhauses konnte 1974 der letzte Teil der Fußgängerzone fertiggestellt werden. Somit waren schon zu Beginn der 70er Jahre die Weichen gestellt worden, in der autofreien Altstadt konnte sich das Geschäftsleben sowie ein interessantes Kulturangebot entwickeln. Die Altstadt wurde zu einem überregionalen Markenzeichen der Stadt, wobei das Wohnen in der Altstadt nach wie vor attraktiv geblieben ist. Seit Beginn der 90er Jahre ist die Fußgängerzone zum ersten Mal gestalterisch überarbeitet worden. Auch hier sind jetzt denkmalpflegerische Aspekte eingeflossen, indem die ursprünglichen Straßenprofile mit den typischen Rinnenführungen wieder aufgenommen wurden. Der in der Altstadt aufgestellte Altstadtrundgang erläutert auf über 30 Einzeltafeln die Geschichte der Stadt, ihrer Bürger und berichtet über zahlreiche Anekdoten.

Der Haldenplatz hat seinen Namen möglicherweise von der Fleischhalle nebenan, dem späteren Rathaus: Hallenplatz. Neuere Forschungen vermuten eine andere Namensherkunft. Die Fachwerkhäuser sind Kaufmannshäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert. In Haldenplatz 8 befand sich seit 1838 die erste Niederlassung der Sparkasse Hattingen.

"Bügeleisenhaus"

Das Bügeleisenhaus sieht heute längst nicht mehr aus, wie vor 400 Jahren. Balken wurden versetzt oder gekappt, was dem Haus fast zum Verhängnis wurde. „Das Haus wie wir es heute kennen, ist Fantasie“, sagt Lars Friedrich, Vorsitzender des Heimatvereins, über eines von Hattingens berühmtesten Denkmälern. Das steht zwar ganz real am Haldenplatz, das Bügeleisenhaus sieht aber längst nicht mehr so aus, wie zu der Zeit, als es erbaut wurde. Streng genommen ist es nicht einmal ein Haus – es sind zwei. Im Inneren des Gebäudes ist ein Giebel zu sehen – mitsamt verzierten Knaggen. Die zieren auch die Außenseite des Gebäudes und verraten: Nicht das gesamte Bügeleisenhaus stammt aus dem Jahr 1611. Zwar weist die Inschrift über dem Türbalken das Jahr als Baujahr aus, der vordere Teil des Gebäudes entstand aber erst 30 bis 40 Jahre später. An den Knaggen sieht man den Unterschied. „Die älteren sind sehr figürlich geschnitzt“, weiß Lars Friedrich. Die etwas jüngeren Verzierungen dagegen mit Perlenstab oder Blättern eher schlicht gehalten. Außerdem sind sie mit Fratzen versehen. „Zwei davon haben sogar ein Piercing in der Zunge“, lacht Friedrich. In der Hochzeit der Pest sollten sie das Böse vom Haus fernhalten. Und warum das Haus nun Fantasie ist? Weil heute vieles ganz anders ist, als ursprünglich: „Vom Giebel bis zur Farbe und auch der Innenschnitt der Räume“, zählt Friedrich auf. Überhaupt wurde am Haus durch seine Besitzer in mehr als 400 Jahren so viel geändert, dass an ein Wunder grenzt, dass das Bügeleisenhaus noch steht. Schon Metzger Salomon Schmidt, der das Haus 1856 gekauft hatte, nahm wesentliche Veränderungen vor. Das klassizistische große Fenster neben dem Eingang stammt aus dieser Zeit. Vor am Haus hatte er außerdem einen etwa drei Meter langen Stall angebaut. Der ist inzwischen aber wieder verschwunden. Ebenfalls verschwunden ist ein Teil der tragenden Deckenbalken im Innern. Um eine Wendeltreppe einbauen zu können, die in die zweite Etage führt, schuf der Eigentümer kurzerhand Platz und griff zur Säge. Als der Heimatverein das Haus 1955 kaufte und dann sanierte, war die Decke schon zehn Zentimeter abgesackt. „Es wurde ein neuer Eichenbalken eingebaut.“ Grundsätzlich wurden viele Fenster, Türen und ganze Balken bei der Sanierung verschoben. Übrigens ist auch die typische schmale Vorderseite des Hauses nicht original. Einst war sie verschiefert, dann war die als reines Fachwerk zu sehen. „Aber es ist die Wetterseite. Das Holz trocknet dort nie richtig und die Wand setzt Moos an“, weiß Friedrich. Deshalb durfte zumindest der obere Teil verkleidet werden, obwohl das nicht dem Zustand zum Zeitpunkt der Unterschutzstellung als Denkmal entspricht.

 

Quelle: WAZ DENKMAL-SERIE: Das „Fantasie-Haus“ als Hattinger Wahrzeichen

Knaggen und Balkenköpfe. An vielen der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Fachwerkbauten Hattingens sind kunstvoll geschnitzte Knaggen zu bewundern: hölzerne Streben, die ein vorkragendes Obergeschoß abstützen. Die Häuser in der Altstadt standen seit jeher dicht aneinander gedrängt. Die Gassen ließen gerade genug Platz für Ernte- und Kaufmannswagen. Wohnraum war äußerst knapp. Mit Hilfe der Knaggen-Konstruktion konnte im Inneren der Fachwerkhäuser zusätzlicher Raum gewonnen werden. Die Gassen wurden einfach überbaut.

Türbalken mit Hausspruch aus dem Jahre 1611

Das Gebäude ließ der Hattinger Bürger Wilhelm Elling im Jahre 1611 errichten. Er war vermutlich Kaufmann. Im Jahre 1620 erfolgte an der Giebelseite ein Anbau. Der aus dieser Zeit stammende Brunnen ist sechs Meter tief. Das Gebäude ist unterkellert. Der Türbalken trägt bis heute den Hausspruch:

 

BEHEVTE MICH HER FVR FEWR VND BRANDT

WILHEL ELLINGS HAVSZ BIN ICH GENANDT -

ALLE DIE MICH KENNEN DEN GEBE GOTT

WAS SIE MIR GVNNEN ANNO 1611

 

(Beschütze mich Herr vor Feuer und Brand, Wilhel(m) Ellings Haus bin (werde) ich genannt -

Alle, die mich kennen, den(en) gebe Gott, was sie mir gönnen Anno 1611)

 

 

Im Originaltext steht das Wort FEWER für Feuer, den größten Feind einer Stadt voller Holzhäuser; BRANDT meint den Wundbrand, ein Krankheitsbild der Pest, die um 1600 in Hattingen und ganz Europa wütete. Andere Interpretationen sehen im FEWER das Wundfieber der Pest und im BRANDT das vernichtende Feuer – beide Deutungsversuche sind möglich.

Das Alte Rathaus

Von hier aus wurden einst die Geschicke der mittelalterlichen Stadt Hattingen geleitet. So wie sich das Alte Rathaus heute dem Betrachter zeigt, wurde es allerdings nicht erbaut. Dieses Schmuckstück der Altstadt hat eine wechselvolle Geschichte, die schon vor 1420 als Markthalle für den Verkauf von Fleisch begann. Die Selbstverwaltung der Stadt erforderte schließlich Amtsräume für die Stadtschreiber, den Bürgermeister und die Ratsherren. So erneuerten die Bürger 1576 ihr „raithus“ über der Fleischhalle mit zwei Fachwerketagen und hoch aufragenden Spitzgiebeln. Damit waren Markthalle, Verwaltung und Versammlungsstätte unter einem Dach. Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Gebäude im klassizistischen Stil modernisiert. Die Spitzgiebel wichen Walmdächern, die Ratshalle erhielt große Fenster, das Fachwerk wurde dem Zeitgeschmack entsprechend verputzt. Die Markthalle wurde auf einen schmalen Durchgang reduziert, rechts und links baute man Gefängniszellen ein. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde ein Rathausneubau notwendig und das Alte Rathaus frei für die Nutzung als Heimatmuseum. In den 1950er Jahren wurden Kriegsschäden beseitigt und das frühere Erscheinungsbild mit seinen 400 Gefachen wieder freigelegt. Seit der 1993 abgeschlossenen Restaurierung befinden sich hier die Städtische Galerie und eine Kleinkunstbühne

Ende des 18. Jhs. wurde die Markthalle des "Alten Rathauses" auf einen schmalen Durchgang reduziert, rechts und links baute man Gefängniszellen ein.

Bis 1813 war der heutige Kirchplatz als Kirchhof Begräbnisstätte für die Hattinger Bürger. Danach wurde der Friedhof aus hygienischen Gründen vor die Stadtmauer verlegt. Einige Grabplatten des alten Kirchhofs um die St.-Georgs-Kirche sind bis heute erhalten. Der geschlossene Ring aus Fachwerkhäusern um den Kirchplatz steht auf ursprünglich kirchlichem Besitz. Als Grundsteuer wurden nicht Geld, Haustiere oder Getreide verlangt, sondern Bienenwachs, das zur Herstellung von Kerzen zur Beleuchtung der Kirche diente. Daher heißen die Häuser am Kirchplatz auch „Wachszinshäuser“. Der etwas erhöht liegende Platz ist über 5 schmale, zumTeil überbaute Zugänge erreichbar. Diese Zugänge werden auch „Röster“ genannt, weil sie mit Eisenrosten versehen waren, um freilaufende Haustiere, insbesondere Schweine, von Kirchplatz und Friedhof fernzuhalten. Die heutige Zufahrt ist erst durch den Abbruch eines Wohnhauses geschaffen worden.

Schon um 1400 ist für Hattingen eine Lateinschule belegt. 1584 wurde sie zu einer evangelisch-lutherischen Stadtschule umgewandelt. Das heutige Gebäude stammt aus dem Jahre 1721. Als die Schule zu klein wurde, baute man nebenan ein neues, größeres Schulgebäude. Im November 1824 konnte hier der Unterricht aufgenommen werden. Das Haus Kirchplatz 6-8 beherbergte 330 Jahre lang die Löwenapotheke. Erst 1982 zog die Apotheke zur St.-Georg-Straße um. „Hattingia“ heißt die Marmor-Statue auf dem Kirchplatz. Sie trägt eine fünftorige Mauerkrone auf dem Haupt und das Wappenschild der Stadt zur Seite. In ihren Händen hält sie einen „Immortellenkranz“ als Zeichen ihrer Unsterblichkeit. Sie wurde von dem Hildesheimer Bildhauer Küsthardt zur Erinnerung an die Gefallenen des deutsch-französischen Krieges 1870/71 geschaffen und am 5.8.1876 feierlich enthüllt.

Der Untermarkt mit seinen vielen Cafes und Gaststätten.

Der heutige Untermarkt bildete zusammen mit dem Obermarkt den Marktplatz des Marktortes Hattingen und war damit der Mittelpunkt des Handels- und Wirtschaftslebens. Schon in frühester Zeit hat der Marktplatz den örtlichen Handwerkern und Händlern, aber auch den Kirchspielbauern als Einzelhandels- und Kornmarkt gedient. Auch „durch die Lande ziehende Krämer“ und „Glas-, Pott- und Duppenträger“ boten ihre Waren auf dem Markt an. Wegen der besseren Qualität waren vor allem auswärtige Töpferwaren (Siegburg, Frechen) in Hattingen sehr begehrt. Durch die Marktgebühren und Akzisezahlungen waren Märkte für die Stadt eine gute Einnahmequelle. Markttage zeichneten sich durch regen Betrieb und hitzige Verhandlungen aus. Der wichtigste Tag in der Hattinger Marktgeschichte war der 20. Juli 1435, als der Stadt und dem Kirchspiel durch den Landesherrn „ein freier Wochenmarkt an jedem Dienstag und vier freie Jahrmärkte zu vier Zeiten des Jahres verliehen“ wurde. Der damit verbundene Friedensschutz, der vor und nach den Markttagen herrschte, sorgte für die Einhaltung der Marktordnung. Auch An- und Abreise waren durch Amtsschützen gesichert. Verstöße gegen „Frieden, Freiheit und Sicherheit“ auf den Märkten wurden drastisch bestraft. Wie schon 1435 ist auch heute noch am Dienstag der traditionelle Wochenmarkt in Hattingen, allerdings nicht hier, sondern auf dem Rathausplatz an der Roonstraße.

Der "Malerwinkel" mit seinen malerischen Häusern und dem schiefen Turm der St.-Georgs-Kirche ist einer der schönsten Hattinger Ansichten. Die Treppe zwischen den eng stehenden Fachwerkhäusern führt zum Kirchplatz, dem Zentrum der Altstadt.

Inmitten der historischen Altstadt bietet sich dem Besucher ein Bild, das schon unzählige Maler auf Leinwand verewigt haben und das daher häufig auch als Malerwinkel bezeichnet wird: Schaut man am Ende der St.-Georg-Straße in Richtung Kirchplatz, säumen Fachwerkhäuser den sogenannten Steinhagen und lenken den Blick direkt auf einen der Zugänge. Dieser Anblick wird vom schiefen Turm der St.-Georgs-Kirche überragt.

"Giebelkuss" am Steinhagen

Alles in Hattingen ist krumm und schief, nicht nur der Kirchturm.  Am Steinhagen scheinen sich zwei Giebel küssen zu wollen.

Die platzartige Verbreiterung der Heggerstraße diente zusammen mit dem Untermarkt als Hattinger Marktplatz. An Markttagen hockten Straßenhändler in ihren Verkaufsständen entlang der Straße und „verhökerten“ ihre Waren. Das kleinteilige Angebot herumziehender Händler: Gewürze, Gürtel,Täschchen, Beutel, Spiegel, Kämme, Nadeln, Schnüre, Brillen usw. wurde als Kram bezeichnet, der Händler als Krämer. 1905 wurde auf dem Obermarkt, „einem allgemeinen Bedürfnis Rechnung tragend“, das erste öffentliche „Pissoir“aufgestellt. Als die Fußgängerzone eingerichtet wurde, entstand hier eine moderne Sitzplastik, die infolge eines Aprilscherzes der örtlichen Presse – Fotomontage mit Affen – im Volksmund „Affenfelsen“ genannt wurde. Seit 1988 erinnert der „Treidelbrunnen“ von Bonifatius Stirnberg, Aachen, an die Bedeutung der Ruhr alsTransportweg für die Ruhrkohle.

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