Ruhrschifffahrt

Auf den fünf Ruhrstauseen Kettwiger See (1950 aufgestaut), Baldeneysee (1933 aufgestaut), Kemnader See (1979 aufgestaut), Harkortsee (1931 aufgestaut) und Hengsteysee (1929 aufgestaut) sowie in Witten und zwischen dem Baldeneysee und Mülheim auch auf der Ruhr selbst, verkehren heute Personenschiffe zur Naherholung. Weiterhin besteht an der Herbeder Schleuse (Fähre Hardenstein) eine Fährverbindung.

 

Betreiber sind zwischen Kettwig und Mülheim die Weiße Flotte der MVG, zwischen Kettwig und Kupferdreh die Weiße Flotte Baldeney, auf dem Kemnader See (MS Kemnade) und dem Harkortsee (MS Friedrich Harkort) die Personenschiffahrt Meyer, zwischen Kemnader See und Witten die Stadtwerke Witten (MS Schwalbe II) und auf dem Hengsteysee durch die Personenschiffahrt Hengsteysee (MS Freiherr vom Stein).

Fähre Hardenstein

Für den Lückenschluss des Rad- und Wanderweges zwischen der Burgruine Hardenstein und der Schleuse Herbede war zunächst eine Brücke vorgesehen. Wegen der erforderlichen nicht unerheblichen Durchfahrtshöhe für Fahrgast- und Arbeitsschiffe hätte die Brücke mit ihren Abmessungen nicht mehr in das Bild des Landschaftsschutzgebietes gepasst. Basierend auf einer Idee des Umweltdezernenten des Ennepe-Ruhr-Kreises, Klaus Tödtmann, hat die Wabe den Vorschlag, eine Fähre einzusetzen, aufgegriffen und weiter Entwickelt.

Friedrich Harkordt

Die MS „Friedrich Harkort“ dreht auf dem Harkortsee ihre Runden. Die Tour verläuft entlang der Ruhr, unter dem Herdecker Viadukt hindurch auf den See. Die Anlegestelle an der Ruhr befindet sich am Hotel Zweibrücker Hof. In Wetter legt das Schiff am Seeplatz an. Die MS „Friedrich Harkort“ misst 27 Meter in der Länge und 6 Meter in der Breite. Auf ihr finden insgesamt etwa 250 Personen Platz, darunter 130 auf dem Sonnendeck des Schiffes.

Schwalbe II

Das Fahrgastschiff Schwalbe II - betrieben von den Wittener Stadtwerken - ist ein Ausflugsschiff auf der Ruhr und auf dem Wittener Teil des Kemnader Sees mit dem Heimathafen Witten.

 

Die Schwalbe verfügt über 150 Plätze auf 2 Decks. Sie verkehrt 3 bis 4 mal täglich im Linienverkehr zwischen den Stationen Freizeitzentrum Kemnade am Kemnader See, Lakebrücke in Herbede, Herbeder Schleuse, Burgruine Hardenstein, Zeche Nachtigall und der Anlegestation Uferstraße in Bommern. Eine Rundfahrt dauert etwa zwei Stunden und beinhaltet zwei Schleusungen. Seit einigen Jahren besteht die Möglichkeit, Trauungen durch das Standesamt Witten auf dem Schiff vornehmen zu lassen.

Auf dem Vorschiff: Kai

Am Ruder: Helge

Weitere Fotos aus den Jahren 2006 bis 2015 finden Sie hier.

MS Kemnade

Eine Schifffahrt auf dem Kemnader See ist ein optimaler Baustein einer Städtereise oder Bustour ins Ruhrgebiet, um zwischen Museum und Industriekultur zu entspannen und die Natur zu genießen. Das Ausflugsschiff MS Kemnade fährt auf dem See im Städtedreieck Bochum, Witten und Hattingen.

 

Rund eine Stunde dauert eine Rundfahrt mit der MS Kemnade. Anlegepunkte sind das Seglerhaus Hafen Kemnade, das Kemnader Wehr, Oveney, das Kemnader Südufer und das Bad Heveney.

Historisches zur Ruhrschifffahrt

 

Zwischen 1750 und 1850 erreichte die Industrialisierung über England und Belgien auch das Gebiet um die Ruhr. Diese Zeit mit ihren mannigfachen technischen Innovationen kann man auch als Vorläufer des Industrialisierungsprozesses sehen, dessen einzigartige Dynamik erst ab 1840 so richtig einsetzte. Auch die Schiffbarmachung der Ruhr trug zunächst zu der Entwicklung bei.

 

Durch die Ruhrkorrektion Friedrich des Großen von 1770 wurde endlich die Möglichkeit geschaffen, die Ruhr zum Handelsweg für Salz und Kohle auszubauen, nachdem vorher mehrere Versuche durch den Widerstand der Fuhrleute und einzelner Gebietsfürsten gescheitert waren. 1774 ergeht an die Klever Kammer ein Reskript (Erlass, Verfügung) mit dem Inhalt, man möge damit anfangen, wenn nötig – zur Überwindung territorialer Schwierigkeiten – unter Anwendung von Repressalien. In den Jahren 1776 – 1778 wurde der versandete Fluss ausgeräumt und zur Überwindung des Gefälles von 54 Metern mit 16 Schleusen versehen. Die Steinhauser Schleuse bei Witten entstand 1776 und bis 1780 war auch die Herbeder Schleuse fertiggestellt. Als letzte Schleusen gingen die bei Wetter und Herdecke in Betrieb. Die schiffbare Strecke war 74 km lang und reichte von Herdecke bis Ruhrort. Am 5.Juli 1780 fuhr das erste Schiff von Witten mit 15 Tonnen Kohle die Ruhr hinab. Werften, Papiermühlen, Tuchwebereien drängten an den Fluss. Der Kohlentransport nahm von Jahr zu Jahr zu und lag von 1782 an nie mehr unter 20.000 t jährlich. Im Jahre 1801 ließ man die Schleusen bei Herdecke und Wetter eingehen und beschränkte sich nur noch auf den Transport von Kohlen aus den Ruhrzechen und die Verschiffung von Pflastersteinen, die aus Wittener Sandsteinbrüchen stammten. Im Jahre 1860 war der Höhepunkt der Ruhrschifffahrt erreicht, rund 940.000 Tonnen Güter, davon 867.700 Tonnen Kohle, wurden auf der Ruhr befördert. Diese Transporte hatten für die damalige Zeit für das Ruhrtal von Witten bis Ruhrort eine enorme wirtschaftliche Bedeutung. Die Ruhr war der meistbefahrenste deutsche Fluss, mit bis zu 8.000 kleinen Frachtkänen und Schiffen.

 

Nach 1860 ging die Ruhrschifffahrt merklich zurück. Ihre stärker werdende Konkurrenz war die Eisenbahn, welche die Schifffahrt mehr und mehr verdrängte. Die Eisenbahn konnte mit einem Zug 150 Tonnen transportieren und jahreszeitliche Einschränkungen gab es für sie nicht. Die Ruhr hatte im Schnitt pro Jahr nur 86 zusammenhängende Schifffahrtstage, an denen sie den erforderlichen Wasserstand aufwies.

 

1876 wurden nur noch 450.000 Tonnen verschifft und 1889 durchfuhren die letzten 32 Schiffe mit rund 1.700 Tonnen die Mülheimer Schleuse.